"Keine Mittel für kritische Medienkompetenz"

4. Oktober 2016, 14:21
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"Wird auf nichtkommerziellen Rundfunk abgewälzt" – Studie über Bildung durch Communitysender

Wien – "Schon sehr tiefen Kompetenzmangel" ortet Helmut Peissl in Sachen Medien – selbst in der Bundesregierung. Peissl war lange Obmann des Verbandes freier Radios, inzwischen leitet er das Bildungs- und Forschungsinstitut der Communitysender namens Commit. Und er hat mit der Sozialwissenschafterin Meike Lauggas eine Studie über (lebensbegleitende) Bildungsleistungen des nicht kommerziellen Rundfunks in Österreich präsentiert, gefördert vom Bildungsminsterium und publiziert von der RTR.

Es fehle an "kritischer Medienkompetenz" als Teil der politischen Bildung, sagt Peissl, in der Diskussion über seine Studie, aber ganz allgemein zur Lage in Österreich: "Es gibt keine Stelle, die Medienkompetenz unterstützt, und keine Mittel dafür." Er vermisst dafür eine verantwortliche politische Stelle im Bildungsbereich – Medienkompetenz, mithin kritische, werde "in der Schule noch abgebaut".

"Auf Nichtkommerzielle abgewälzt"

Barbara Eppensteiner, Programmintendantin des Wiener Communitysenders Okto, ergänzt: "Sehr viel Vermittlung von Medienkompetenz wird auf den nicht kommerziellen Rundfunk abgewälzt."

Nicht nur die Bildungspolitik reicht da eine Aufgabe weiter: Okto bekommt am 17. Oktober für sein einschlägiges Diskussionsformat "Medienquartett" den Walther-Rode-Preis für kritische, kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Rolle von Medien und Journalismus in Österreich. Die Jury betont, das Format sei "Beispiel gebend für öffentlich-rechtliche und private Rundfunk-Stationen".

"Schon sehr tief"

Aber wo sieht Peissl nun diesen "tiefen Kompetenzmangel", der ihn "geschreckt hat"? Den Schrecken hat ihm Muna Duzdar eingetragen, Staatssekretärin im Kanzleramt für Diversität, öffentlichen Dienst und Digitales Österreich. Und wie? Peissl will Duzdar sagen gehört haben, sie finde gar nicht so schlimm, dass es für digitale Medienkompetenz kein Budget gebe, schließlich koste das im Internet nichts. So jedenfalls zitiert Peissl die Staatssekretärin am Dienstag bei der Präsentation seiner Studie in der Rundfunk- und Telekomregulierung RTR. Und er setzt unmittelbar dahinter seinen Satz, dass "der Kompetenzmangel schon sehr tief" sei. (red, 4.10.2016)

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    foto: standard / corn
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