Kinder über Gleise gelotst: Verfahren gegen Lehrerinnen eingestellt

4. Oktober 2016, 12:07
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Staatsanwaltschaft: Keine konkrete Gefährdung nachzuweisen – Entlassungsentscheidung bleibt aufrecht, Wiener Stadtschulrat wartet arbeitsgerichtliches Verfahren ab

Wien/Korneuburg/Leobendorf – Der Wiener Stadtschulrat hat im Sommer drei Volksschullehrerinnen entlassen und gegen eine vierte ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Sie sollen 83 Kinder bei einem Ausflug über Zuggleise gelotst haben. Gleichzeitig wurde Anzeige wegen Gemeingefährdung erstattet. Eine solche sei aber nicht vorgelegen, entlastete die Staatsanwaltschaft nun die vier Lehrerinnen. Die Verfahren gegen sie wurden eingestellt.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg bestätigte der APA entsprechende Angaben einer Anwaltskanzlei gegenüber "Krone" und "Kurier" vom Dienstag. "Das Verfahren ist gegen alle angezeigten Personen eingestellt worden", erklärte der Sprecher. Das heißt, dass es auch für die sieben erwachsenen Begleitpersonen, die ebenfalls angezeigt wurden, keine strafrechtlichen Konsequenzen gibt. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass keine konkrete Gefährdung nachgewiesen werden konnte.

Keine konkrete Gefährdung an Bahnübergang nachweisbar

Die Causa hatte im Sommer für Aufsehen gesorgt: Die Lehrerinnen sollen bei einem Schulausflug in Leobendorf in Niederösterreich die Schüler trotz geschlossenen Bahnschrankens über die Schienen geführt haben, um den Zug nach Wien nicht zu versäumen. Wenig später soll ein Regionalzug ohne Halten den Bahnhof durchfahren haben. Der Wiener Stadtschulrat zog disziplinarrechtliche Konsequenzen und entließ drei Lehrerinnen. Gegen die vierte Lehrerin – sie ist als Beamtin pragmatisiert – wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Gleichzeitig begann die Staatsanwaltschaft mit strafrechtlichen Ermittlungen in Richtung vorsätzliche sowie fahrlässige Gemeingefährdung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Nach zahlreichen Zeugeneinvernahmen und einem Lokalaugenschein sei keine konkrete Gefährdung für die Kinder nachzuweisen gewesen, resümierte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Gleisverlauf sei dort sehr weit einzusehen, der Zugführer habe zudem keinerlei Personen auf den Schienen gesehen, als die betreffende Stelle in sein Sichtfeld kam.

Verfahren vor Arbeitsgericht anhängig

Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall somit erledigt. Das Wiener Arbeits- und Sozialgericht wird sich mit der Causa allerdings noch beschäftigen müssen. Denn die drei entlassenen Lehrerinnen haben ihren Jobverlust beeinsprucht.

Die Einstellung der strafrechtlichen Verfahren hat auf die Entlassungsentscheidung des Stadtschulrats vorerst jedenfalls keinen Einfluss. Man warte das Verfahren am Arbeitsgericht ab, so die äußerst knappe Reaktion auf Anfrage. (APA, 4.10.2016)

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