Nach Ende für Gratis-Upgrade: Windows 10 geht die Luft aus

4. Oktober 2016, 10:47
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Marktanteil des jüngsten Microsoft-Betriebssystems stagniert seit Ende August

Das große Ziel, binnen zwei Jahren wenigstens eine Milliarde Geräte mit Windows 10 laufen zu lassen, hat Microsoft bereits vor einiger Zeit aufgeben müssen. Aber auch so scheint das jüngste Desktop-Betriebssystem aus Redmond derzeit ein Plateau erreicht zu haben.

Ende Juli ist die Möglichkeit, kostenlos von Windows 7 und Windows 8 auf die aktuellste Ausgabe upzugraden, offiziell ausgelaufen. Obwohl sich Keys älterer Windows-Ausgaben auch noch in den Wochen danach oft noch zur Aktualisierung nutzen ließen und es auch weitere Wege gab, sich das Angebot etwas zu verlängern, hat das Ablaufen des Offerts Spuren hinterlassen. Wie aktuelle Zahlen zeigen, ist Windows 10 fürs Erste die Luft ausgegangen.

Statcounter, Netmarketshare: Stagnation

Wirft man etwa einen Blick auf die Statistik von Statcounter, so nahm der Marktanteil von Windows 10 zwischen Ende April und Ende Juli noch recht kräftig zu. Mit Wachstumsraten zwischen 2,1 und 1,6 Prozent sprang er von 17,9 auf 23,5 Prozent. Im August war es nur noch ein Plus von 0,9 Prozent. Im September wird ein Minus von 0,01 Prozent ausgewiesen, was unter Berücksichtigung üblicher Unschärfen als Stagnation einzustufen ist.

Netmarketshare zeigt ebenso eine Seitwärtsbewegung. Zwischen Mai und August wuchs Windows 10 von 17,4 auf knapp 23 Prozent Marktanteil in der Webanalyse an. Der September brachte allerdings ein Minus von 0,46 Prozent.

Steam: Stagnation

Interessant ist auch ein Blick auf die Statistiken der Spieleplattform Steam. Dort ist Windows 10 schon seit geraumer Zeit das dominierende Betriebssystem. Das ist freilich nicht verwunderlich, ist Windows doch die unter PC-Spielern mit großem Abstand beliebteste Plattform. Dazu findet man hier Klientel, die oft recht neue Hardware besitzt und diese auch schneller erneuert.

Dementsprechend fallen hier einige vorinstallierte Windows 10-Systeme in die Statistik, ebenso dürften Gamer auch eher Gebrauch von der Upgrademöglichkeit gemacht haben, zumal das neue System auch so manches Gaming-Features wie den Support der Grafikschnittstelle DirectX 12 verspricht. Auch hier ist ein ähnliches Bild zu sehen. Laut den Zahlen verlor die 64-Bit-Ausgabe um 0,16 und die 32-Bit-Edition um 0,1 Prozent. Auch hier scheint Windows 10 also vorerst ein Plateau erreicht zu haben.

Wikimedia: Stagnation

Die gleiche Beobachtung lässt sich auch bei den Zugriffsstatistiken der Wikimedia Foundation machen, für die unter anderem auch Besuche der populären Online-Enzyklopädie Wikipedia ausgewertet werden.

Hier verzeichnet Windows 10 Zwischen Ende Juli und Anfang August einen großen, allerdings nicht nachhaltigen Ausschlag nach oben. Zwischen Ende August und Ende September steigt der Anteil am Traffic – im Gegensatz zur bisherigen Entwicklung – nicht mehr weiter.

Aus für Gratisupdate, Launch von macOS

Der zeitliche Ablauf legt nahe, dass die Stagnation auf das Auslaufen des kostenlosen Upgrades zurückzuführen ist. Wer von einer älteren Windows-Ausgabe umsteigen möchte, muss (jedenfalls offiziell) den Vollpreis für Windows 10 zahlen. Doch es gibt noch andere Faktoren, welche eine Erklärung für die Entwicklung liefern.

So hat sich in den vergangenen Monaten herausgestellt, dass das Umrüsten auf Windows 10 trotz anderer Diagnose des Update-Programms längst nicht auf jedem System reibungsfrei klappt. Problemschilderungen reichen von inkompatiblen Programmen bis hin zu gravierenden Einschränkungen aufgrund des Nichtvorhandenseins älterer Treiber für verschiedene Hardwarekomponenten. Das könnte einige Nutzer ebenso von einer Aktualisierung abgehalten haben, wie regelmäßige Berichte über fehlerhafte Windows 10-Updates, die zur Startverweigerung, Bootschleifen oder Bluescreens geführt haben.

Und dann hat Apple auch noch eine neue Version seines Desktop-Systems macOS (vormals OS X) veröffentlicht, was temporär zu mehr Geräteverkäufen und Verwendung geführt haben dürfte. Im September konnte die Plattform sowohl bei Statcounter, der Wikimedia als auch bei Steam ein leichtes Plus verzeichnen – was sich relativ gesehen negativ auf den Anteil anderer Systeme auswirkt.

Warten auf das Weihnachtsgeschäft

Wie es langfristig mit Windows 10 weitergeht, das immer noch klar hinter seinem Vorvorgänger Windows 7 liegt, dürfte das Weihnachtsgeschäft zeigen. Gelingt auch da kein signifikanter Sprung nach oben, droht eine Wiederholung des Windows-XP-Problems mit Windows 7.

Windows XP stammt aus 2001, wurde erst nach zehn Jahren als dominierende Windows-Ausgabe verdrängt und hält laut Netmarketshare auch heute noch knapp zehn Prozent Marktanteil. Da es schon länger keine Sicherheitsupdates mehr bekommt, ist es für seine Nutzer mittlerweile ein Sicherheitsrisiko. Windows 7 erhält noch bis Januar 2020 Security-Patches. (gpi, 04.10.2016)

  • Windows 10 ist vorläufig die Puste ausgegangen.
    foto: reuters

    Windows 10 ist vorläufig die Puste ausgegangen.

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