Kanzler Kern gegen zwölf Stunden ohne Zuschlag

4. Oktober 2016, 07:50
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Vizekanzler Mitterlehner sieht bei der Arbeitszeitregelung Verbesserungsbedarf, Christian Kern ist gegen Änderungen "auf Kosten der Arbeitnehmer"

Wien – Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) spricht sich gegen Arbeitszeitregelungen "auf Kosten der Arbeitnehmer" aus. Er reagierte damit am Montagabend in der "ZiB 1" auf den Wunsch von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), die gesetzliche tägliche Höchstarbeitszeit in Betrieben mit Gleitzeit auf zwölf Stunden ohne Überstundenzuschlag auszudehnen.

Bei Arbeitszeitregelungen gebe es einerseits "Notwendigkeiten", die aus der Wirtschaft kämen, aber auch "Schutzinteressen von den Arbeitnehmern", sagte Kern im ORF. Aufgabe sei es jetzt, der Wirtschaft zu ermöglichen, hier gute Bedingungen zu finden, "und das nicht auf Kosten der Arbeitnehmer".

ÖVP: Forderung steht im Regierungsprogramm

Die Betonung liege ohnehin darauf, dass Überstunden auch in Zukunft bezahlt werden, hieß es daraufhin aus Mitterlehners Kabinett. Mitterlehners Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten beziehe sich auf die im Regierungsprogramm vorgesehene Lösung. Die Ausweitung der maximalen Höchstarbeitszeiten solle nur dann gelten, wenn ohnedies Gleitzeit vereinbart sei. Mitarbeiter würden bei einer solchen Arbeitszeit-Flexibilisierung von mehr Jobsicherheit und längeren Freizeitblöcke profitieren, weil die Wochenarbeitszeit gleich bleibe.

Mitterlehner hatte sich am Montag für die gesetzliche Verankerung einer Höchstarbeitszeit von zwölf Stunden täglich ohne Überstundenzuschlag ausgesprochen, sofern es in einem Betrieb eine Gleitzeitvereinbarung gibt. Das sei weder eine Verpflichtung, dass jeder zwölf Stunden arbeiten müsse, noch ein Anschlag auf die Rechte der Arbeitnehmer, sondern würde nur sicherstellen, "dass wir mit Gleitzeitmodellen dann arbeiten sollen, wenn die Arbeit anfällt, und nicht zu anderen Zeitpunkten". (APA, red, 4.10.2016)

  • Diskussionen über Arbeitszeitregelungen sind meistens hochemotional.
    foto: apa/neubauer

    Diskussionen über Arbeitszeitregelungen sind meistens hochemotional.

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