Kolumbiens Präsident will weiter über Frieden reden

4. Oktober 2016, 23:04
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Chefunterhändler soll Gespräche fortführen, Farc "stehen treu zu Waffenstillstand" – Kolumbianer hatten Friedensvertrag in Referendum abgelehnt

Bogota – Nach dem gescheiterten Referendum über den Friedensvertrag mit den Farc-Rebellen hat Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos einen neuen nationalen Dialog über die Friedensbemühungen angekündigt. Er habe den Chefunterhändler der Regierung, den früheren Vizepräsidenten Humberto de la Calle, darum gebeten, so schnell wie möglich Gespräche zu führen, sagte Santos am Montag in einer Fernsehansprache.

De la Calle hatte zuvor seinen Rücktritt angeboten. In den neuen Verhandlungen sollten "alle notwendigen Themen" angesprochen werden, um eine Einigung zu erzielen und damit "den Traum jedes Kolumbianers, den Krieg mit der Farc zu beenden, zu erfüllen", sagte Santos.

Die Regierung sieht nun die Guerillaorganisation FARC am Zug: "Die Entscheidung, ob sie das Abkommen wieder aufschnüren wollen, hängt vor allem von den FARC ab", sagte Außenministerin Maria Angela Holguin am Dienstag.

Am Sonntag hatten die Kolumbianer völlig überraschend den Friedensvertrag abgelehnt, den Regierung und Rebellen nach jahrelangen Verhandlungen auf Kuba abgeschlossen hatten. Eine knappe Mehrheit von 50,21 Prozent stimmte mit Nein, 49,78 Prozent mit Ja.

Farc will Waffen schweigen lassen

Santos versicherte sofort danach, die Friedensbemühungen fortsetzen zu wollen. Der Waffenstillstand mit der Farc bleibe in Kraft. Auch deren Chef Rodrigo "Timochenko" Londono versprach, die Waffen "endgültig" schweigen zu lassen. "Die Farc stehen treu zu dem, was wir beschlossen haben", sagte er am Montag in Havanna. "Die Farc-Einheiten im ganzen Land werden sich weiterhin an den Waffenstillstand halten. Der Frieden ist gekommen, um zu bleiben."

Die Farc hatte 1964 im Kampf gegen Großgrundbesitzer und die Regierung zu den Waffen gegriffen. In dem Konflikt waren neben der Armee auch andere linke Guerillagruppen, rechte Paramilitärs und die Drogenmafia verwickelt. Insgesamt wurden dabei mehr als 260.000 Menschen getötet.

Nachbarn unterstützen Friedensbemühungen

Kolumbiens Nachbarn unterstützen weitere Bemühungen um den Friedensprozess. Das Nein dürfe nicht als Ablehnung des Friedens an sich gedeutet werden, erklärten die Außenminister Brasiliens, Mexikos, Argentiniens, Chiles, Uruguays und Paraguays in einem gemeinsamen Text am Montag. Sie lobten den Willen der Regierung und der Farc, am Waffenstillstand festzuhalten, sowie den Aufruf von Präsident Santos an alle Parteien, gemeinsam einen Weg zum Frieden auszuarbeiten.

Auch Ecuadors Präsident Rafael Correa sprach sich gegen eine Neuauflage des Konflikts aus. "In Kolumbien hat das Nein gesiegt, aber alle behaupten, sie wollen den Frieden", schrieb er auf Twitter. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sicherte Santos seine Unterstützung bei weiteren Friedensbemühungen zu. "Der Frieden in Kolumbien ist auch der Frieden in Venezuela", erklärte Maduro.

Lunacek wenig optimistisch

Auch die EU hält ihre Unterstützung aufrecht, sagte die grüne Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des Europaparlaments, Ulrike Lunacek, der APA. Lunacek ist Teil einer zwölfköpfigen EU-Delegation, die das Referendum in Kolumbien begleitete. Sehr optimistisch ist sie aber nicht.

"Im Ja-Lager herrschen Schock und Trauer", sagte die selbst enttäuschte Lunacek nach der Abstimmung. "Wir müssen unterstützen, dass Frieden kommt. Das wird schwierig, aber es geht nur so." Jedenfalls: Ob nun das ganze Paket aufgeschnürt werde oder zusätzliche Vereinbarungen getroffen werden, "es wird lange dauern". (APA, AFP, dpa, 4.10.2016)

  • Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos in Bogotá.
    foto: apa/afp/colombian presidency/ces

    Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos in Bogotá.

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