Was den Boom bei Flusskreuzfahrten antreibt

4. Oktober 2016, 10:00
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Auf der Donau verkehren doppelt so viele Kabinenschiffe wie vor einigen Jahren. Auch die Linienschifffahrt legt zu

Wien – Kreuzfahrten mit Riesenschiffen, die wie schwimmende Urlaubsresorts auf hoher See anmuten, erfreuen sich schon sehr lange steigender Beliebtheit. Nun ist das starke Wachstum auch auf den Donauraum übergeschwappt. "Der Boom läuft schon einige Jahre", sagt Eva Michlits, Sprecherin der Betriebsgesellschaft Viadonau, gewissermaßen eine Art Asfinag für die Wasserstraße. Sie berichtet vom "Donaufieber", das die Leute gepackt habe. Allein im Vorjahr seien 17 Neubauten auf dem österreichischen Flussabschnitt eingesetzt worden, wodurch sich die Zahl der Kreuzfahrtschiffe auf 162 erhöht habe. "In den vergangenen Jahren ist es zu einer Verdoppelung der Anzahl an Kabinenschiffen gekommen", ergänzt Michlits.

Auf den Geschmack von Flusskreuzfahrten gekommen ist vor allem die Generation 60plus, erklärt Brigitte Jafarmadar, Produktmanagerin bei dem Reiseanbieter Ruefa: "Damit ist das Publikum älter als auf hoher See." Was kein Nachteil ist, schließlich handelt es sich aufgrund der demografischen Entwicklung nicht nur um eine wachsende, sondern auch wohlbegüterte Zielgruppe. "Anders als auf Hochsee sieht man auch etwas vom Landesinneren", hebt Jafarmadar die Vorteile hervor. Zudem würden viele Gäste das Gefühl schätzen, nicht meilenweit vom Festland entfernt zu sein.

Österreicher ins Delta, Deutsche in die Wachau

Auch Jafarmadar berichtet von einem seit Jahren bestehenden Aufwind für Kreuzfahrten auf Europas zweitlängsten Fluss. "Für Österreicher muss es schon ins Donaudelta gehen", umreißt sie die bevorzugten Destinationen. "Es gibt von jeder Reederei Fahrten ins Delta." Oft würden diese mit sogenanntem Flugaustausch erfolgen – sprich: eine Strecke wird per Flugzeug bewältigt, die andere auf dem Schiff. "Und für deutsche Gäste ist natürlich auch die Wachau ein Thema."

"Ich bin sicher, dass das aktuelle Marktumfeld auch künftig für eine Nachfragesteigerung nach Städte- und Naturreisen auf dem Fluss in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie den Beneluxländern sorgen wird", meint Jörg Eichler, Geschäftsführer der in Rostock ansässigen Reederei A-Rosa Flussschiff. Der bisherige Saisonverlauf 2016 könne sich sehen lassen: Nach Rekordwerten im Juli und August seien bereits Anfang September 96 Prozent des Jahresziels erreicht worden. Wobei sich Eichler um eine Frischzellenkur für die Zielgruppe bemüht: "Wir bewegen uns darauf zu, pro Jahr 1000 Kinder an Bord zu haben. Ein Novum in der Branche."

Twin City Liner-Anbieter schielt nach Budapest

Auch die Linienschifffahrt verzeichnet laut DDSG-Prokuristin Doris Menzinger Zuwächse: "Wir sehen ganz deutlich einen Aufwind, und dass man die Donau als Naherholungsgebiet wiederentdeckt hat." Deshalb habe man in den vergangenen Jahren die Flotte von sechs Schiffen aufgerüstet und modernisiert. Das Passagieraufkommen liege heuer neuerlich "ein bisschen über dem Vorjahr".

Bei Central Danube, Anbieter des Twin City Liner, wurde heuer mit bisher fast 140.000 Passagieren im zehnten Bestandsjahr eines der besten Ergebnisse verzeichnet. "Wir führen das auf ein neues Marketingkonzept, Kooperationen mit den Reisebüros und eine verstärkte Onlinepräsenz zurück", sagt Geschäftsführer Gerd Krämer. Derzeit wird in seinem Haus geprüft, ob neben der Strecke Wien-Bratislava künftig auch Budapest als zusätzliche Destination mit Schnellkatamaranen bedient werden kann. (Alexander Hahn, 4.10.2016)

  • Für Österreicher ist das Donaudelta die  beliebteste Destination für Flusskreuzfahrten. Im Bild ein Kabinenschiff vor der nordungarischen Stadt Esztergom, wo die Donau die Staatsgrenze zur Slowakei markiert.
    foto: a-rosa flusschiff

    Für Österreicher ist das Donaudelta die beliebteste Destination für Flusskreuzfahrten. Im Bild ein Kabinenschiff vor der nordungarischen Stadt Esztergom, wo die Donau die Staatsgrenze zur Slowakei markiert.

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