Querelen im Team Stronach: "Der Krieg tobt weiter"

3. Oktober 2016, 12:51
85 Postings

Eine personelle Entscheidung von Klubchef Robert Lugar sorgt für Kritik innerhalb der Partei

Wien – Im Team Stronach geht es wieder einmal rund: Klubchef Robert Lugar hat Klubdirektorin Christine Weber gekündigt, erklärte er der APA und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Österreich" vom Samstag. Dass Lugar nun den Unternehmensberater Martin Kaipel als Klubdirektor installiert hat, sorgt für Unmut unter den Mandataren. Lugar selbst sieht einen "ganz normalen Vorgang".

Das Politprojekt von Milliardär Frank Stronach fiel von Anfang an mit personellem Chaos auf. Dass das Verhältnis zwischen dem Parteigründer und Lugar nicht das beste ist, manifestiert sich schon seit längerem in Form von zwei Lagern im Klub, berichten Abgeordnete hinter vorgehaltener Hand. Dabei war Harmonie ohnehin nie eine Stärke des Klubs, von den ursprünglich elf sind mittlerweile nur mehr sechs Abgeordnete an Bord.

Zum Parteichef loyal

Mit der Kündigung der Klubdirektorin erreichte der Konflikt nun einen neuen Höhepunkt: "Der Krieg tobt weiter", hieß es gegenüber der APA. Lugar habe Weber hinausgeworfen, weil sie gegenüber dem Parteichef loyal gewesen sei, und durch einen Vertrauten ersetzt. Offiziell Stellung nehmen wollte am Montag kaum ein Mandatar, Weber selbst möchte sich dazu überhaupt nicht äußern.

Dem Vernehmen nach denkt das Stronach-Lager sogar über eine Abwahl Lugars nach. Dafür bräuchte es aber eine Zweidrittelmehrheit unter den sieben Stimmberechtigten (inklusive Bundesrat Gerald Zelina), die es derzeit nicht gibt, denn Martina Schenk und Leo Steinbichler dürften zu Lugar halten. Auch eine Spaltung soll im Raum gestanden sein, wobei man bedenken muss, dass man den Klubstatus verliert, wenn man unter fünf Mandatare fällt – damit wären nicht nur wichtige Rechte im Hohen Haus dahin, sondern auch die Klubförderung.

Lugar: "Es gibt keine Spaltung

Lugar selbst fürchtet sich jedenfalls nicht: Er habe das Vertrauen des Parteichefs, betonte er im APA-Gespräch, außerdem sei es "entscheidend, was die Mehrheit will" und die stehe hinter ihm. Es stehe auch keine Abstimmung über seinen Posten bevor. Es gebe natürlich Diskussionen und unterschiedliche Positionen, was Inhalte betreffe, aber "es gibt keine Spaltung", unterstrich Lugar. "Wir sind ein eingeschworenes Team."

Bei Webers Kündigung handle es sich schlicht um "interne Umstrukturierungen", weil man in der Herbstarbeit neue inhaltliche Schwerpunkte setzen wolle, erklärte Lugar. Kaipel habe sich in den vergangenen Monaten als Teil des Teams für den Hypo-U-Ausschuss "hervorgetan". (APA, 3.10.2016)

  • Robert Lugar beruhigt: "Wir sind ein eingeschworenes Team."
    foto: apa/neubauer

    Robert Lugar beruhigt: "Wir sind ein eingeschworenes Team."

Share if you care.