Zahl der Arbeitslosen im September weiter gestiegen

3. Oktober 2016, 09:34
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In absoluten Zahlen hat die Arbeitslosigkeit zugenommen. Weil aber die Beschäftigung noch stärker wuchs, ist die Arbeitslosenquote leicht rückläufig

Wien – Die Arbeitslosigkeit in Österreich war im September um 0,3 Prozent höher als vor einem Jahr – 323.239 Menschen waren zu Monatsende als arbeitslos vorgemerkt. Inklusive der Schulungsteilnehmer waren 391.939 Leute ohne Job, 0,1 Prozent mehr als im September 2015.

Die Arbeitslosenquote nach österreichischer Berechnung ist gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent gesunken, wie das Sozialministerium am Montag mitteilte. Die aktuelle Arbeitslosenquote gemäß der internationalen Definition von Eurostat liegt bei 6,2 Prozent und damit um 0,5 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahrs. Die Jugendarbeitslosenquote beträgt nach dieser Definition 10,8 Prozent und ist damit um 0,1 Prozentpunkte gesunken.

Wieder deutlich mehr Beschäftigte

Die Anzahl der Beschäftigten ist auch im September deutlich gestiegen. Mit 3,64 Millionen unselbstständig Erwerbstätigen liegt die Zahl der Arbeitsplätze um 53.000 (+1,4 Prozent) über dem Wert des Vorjahrs. Dem Arbeitsmarktservice sind zudem 42.499 offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 8.729 (+25,8 Prozent).

"Dem starken Beschäftigungswachstum von mehr als 50.000 Personen steht ein noch stärker steigendes Arbeitskräftepotenzial gegenüber", erklärte AMS-Chef Johannes Kopf auf Facebook, warum die Zahl der Arbeitslosen trotzdem auf einem neuen Rekordniveau liegt.

Obwohl die Arbeitslosigkeit bei Männern zuletzt leicht rückläufig war und bei Frauen spürbar gestiegen ist, sind nach wie vor deutlich mehr Männer als Frauen arbeitslos. Mehr als 175.000 Männer (-0,5 Prozent) waren Ende September als arbeitslos vorgemerkt, bei den Frauen gab es einen Anstieg um 1,4 Prozent auf knapp 148.000.

Anstieg bei Ausländern und Älteren

Besonders deutlich verschlechtert hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Ausländer. Die Anzahl der Arbeitslosen ohne österreichische Staatsbürgerschaft ist im Jahresabstand um acht Prozent gestiegen, 92.540 der 323.239 Arbeitslosen sind Ausländer. Fast ebenso viele Arbeitslose (90.783) sind über 50 Jahre alt, ihre Zahl hat um 6,5 Prozent zugenommen.

Positiv ist der Trend bei Jugendlichen und Inländern. Bei den österreichischen Staatsbürgern gab es einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um 2,5 Prozent auf 230.699, bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) betrug der Rückgang 7,5 Prozent auf 40.911. Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist um 2,3 Prozent auf 7.312 gesunken, ihnen standen 5.453 unbesetzte Lehrstellen gegenüber (+6,9 Prozent).

Längere Arbeitssuche

Deutlich verbessert hat sich die Arbeitsmarktlage in der Baubranche (-6,7 Prozent Arbeitslose), im Gesundheits- und Sozialwesen stieg die Arbeitslosenzahl hingegen um 3,2 Prozent. Bei den Leiharbeitern gab es einen Rückgang um 2,6 Prozent auf rund 34.000. Insgesamt gilt, dass die Dauer der Arbeitslosigkeit steigt, sie beträgt nun im Durchschnitt 130 Tage (+6,3 Prozent).

Nach Bundesländern betrachtet war die Zunahme der Arbeitslosigkeit in Wien (+2,6 Prozent) und Niederösterreich (+2,5 Prozent) am stärksten. Am deutlichsten verbessert hat sich die Situation in Tirol (-7,7 Prozent), Salzburg (-3,9 Prozent) und Kärnten (-2,5 Prozent).

Reaktionen

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit habe sich im September weiter verlangsamt, "für eine Trendwende braucht es aber weitere Anstrengungen und klare Impulse für Investitionen", kommentierte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Das im September beschlossene Arbeitsmarktpaket mit 400 zusätzlichen AMS-Mitarbeitern sei ein wichtiger Schritt, so Stöger.

Das sieht man auch beim ÖGB und bei der Arbeiterkammer so: "Dem Arbeitsmarktservice wird die Arbeit auch weiterhin nicht ausgehen", sagte der leitende ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz. Unternehmen und öffentliche Hand müssten jetzt "die niedrigen Zinsen ausnützen, um ordentlich zu investieren". AK-Präsident Rudolf Kaske forderte überdies Arbeitszeitverkürzung, Bildungsmaßnahmen und eine konsequente Umsetzung der Maßnahmen gegen Lohn- und Sozialdumping.

Harsche Kritik von ÖVP und FPÖ

Heftige Kritik an Arbeitsminister Stöger kommt hingegen vom Koalitionspartner ÖVP, deren Klubobmann Reinhold Lopatka dem Minister vorwirft, bei notwendigen Reformen gleich dreifach säumig zu sein, nämlich nicht nur beim Arbeitsmarkt, sondern auch bei der Pensionsreform und bei der Mindestsicherung. Die neuen Arbeitslosenzahlen seien "besorgniserregend", erklärte Lopatka gegenüber der APA. "Der zuständige Arbeits- und Sozialminister Stöger soll endlich seine Arbeit tun, an finanziellen Mitteln fehlt es nicht."

Ähnlich unzufrieden mit Stöger zeigt sich auch die FPÖ, die dem Minister vorwirft, "Asylanten und Ausländer" zu bevorzugen. Stöger müsste "einen sektoralen Stopp des Zugangs zum Arbeitsmarkt für Nichtösterreicher und einen vollständigen Stopp der laufenden Einwanderung in den österreichischen Sozialstaat veranlassen", forderte FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl in einer Aussendung.

Leitl sieht hohe Hürden

Wirtschaftskammer-Präsident Christioph Leitl sieht den Anstieg der Beschäftigung in Österreich um rund 51.000 bei fast stagnierender Arbeitslosigkeit positiv, allerdings seien die Hürden für die Schaffung neuer Jobs hoch. Man könnte die Betriebe durch flexiblere Arbeitszeitregelungen, degressive Abschreibungen oder einer Investitionsprämie wettbewerbsfähiger machen, schlug Leitl vor. Für den Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, hat eine "substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten und die Modernisierung der restriktiven, längst nicht mehr zeitgemäßen Arbeitszeitregelungen", oberste Priorität.

Die ArbeitnehmerInnensprecherin der Grünen, Birgit Schatz, sieht hingegen in Arbeitszeitverkürzungen und Investitionsprogrammen das richtige Rezept zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker wirft dem Sozialminister "Hilflosigkeit" vor. Bereits acht EU-Staaten hätten eine niedrigere Arbeitslosenquote als Österreich, was selbst verschuldet sei. "Es braucht jetzt endlich eine umfangreichere Entlastung des Faktors Arbeit, damit wieder mehr Arbeitsplätze geschaffen werden können", verlangte Loacker.

Nach Ansicht von Team-Stronach-Sozialsprecherin Waltraud Dietrich macht sich "das Versagen der Regierung in der Bildungspolitik" an der hohen Jugendarbeitslosigkeit "ganz massiv bemerkbar".

Laut Eurostat hat Österreich nach Deutschland und Holland die drittniedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU. (APA, red, 3.10.2016)

  • Die Arbeitslosigkeit stieg zuletzt weniger stark als noch vor einigen Monaten.
    foto: apa/dpa/frank may

    Die Arbeitslosigkeit stieg zuletzt weniger stark als noch vor einigen Monaten.

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