Serbien befürchtet ungarische Grenzsperre

2. Oktober 2016, 17:26
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7000 bis 10.000 Flüchtlinge aktuell in Serbien – Zusammenstöße nahe französischem Flüchtlingslager Calais

Belgrad/Calais – Serbien befürchtet nach dem Referendum zur EU-Flüchtlingspolitik in Ungarn eine komplette Schließung der Grenze zum Nachbarland. Die Tageszeitung Vecernje novosti titelte am Sonntag: "7000 Flüchtlinge bleiben in Serbien."

Seit Monaten akzeptieren die ungarischen Grenzbehörden in zwei sogenannten Transitzonen bei den serbisch-ungarischen Grenzübergängen Horgos-Röszke und Kelebija-Tompa insgesamt nur rund 30 Asylanträge pro Tag. Vor der Schließung der Balkanroute im Frühjahr dieses Jahres waren das die am häufigsten frequentierten Wege über Serbien nach Westeuropa. Außerhalb dieser Transitzonen warten aber hunderte Flüchtlinge unter teils äußerst unhygienischen Verhältnissen auf ihre Zulassung zur Asylantragstellung.

Laut dem Uno-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) befinden sich aktuell rund 5200 Flüchtlinge in serbischen Aufnahmelagern. 60 Prozent der Flüchtlinge sind Afghanen. Dazu kommen nach Schätzungen einige weitere tausend bisher nicht registrierte Flüchtlinge. Nach Angaben von Rados Durovic, dem Leiter des Belgrader Asylhilfe-Zentrums, dürften sich aktuell zwischen 7000 und 10.000 Flüchtlinge im Land aufhalten.

Hoffen auf Weiterreise in den Westen

Der überwiegende Großteil davon hofft auf eine Weiterreise in den Westen. Auf den von den ungarischen Behörden angefertigten Wartelisten befinden sich derzeit 4500 in Serbien untergekommene Flüchtlinge, mehrheitlich Frauen und Kinder, heißt es im serbischen Regierungskommissariat für Flüchtlinge.

Allein seit Ende Juli, als die serbischen Behörden die Grenzkontrolle zu Bulgarien und Mazedonien durch den Einsatz gemischter Militär-Polizei-Teams intensiviert hatten, wurden laut Amtsangaben 9300 Flüchtlinge an einem Grenzübertritt gehindert. Gleichzeitig wurden 54 Schlepper festgenommen.

Demonstration in Calais

Am Rande des Flüchtlingslagers in der nordfranzösischen Hafenstadt Calais kam es am Samstag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Flüchtlingen auf der einen und Sicherheitskräften auf der anderen Seite. Etwa 50 Demonstranten und 200 Flüchtlinge wollten trotz eines Demo-Verbots der örtlichen Behörden einen Marsch vom Lager ins Zentrum von Calais abhalten. Dabei ging die Bereitschaftspolizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten und Flüchtlinge vor, die ihrerseits Steine warfen.

Laut der Polizeigewerkschaft seien bei den drei Stunden dauernden Auseinandersetzungen zehn Beamte verletzt worden, einer von ihnen habe ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Zudem seien sieben Polizeifahrzeuge beschädigt worden. Auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP habe eine Verletzung durch einen Steinwurf erlitten. Die Behörden sprachen von drei leicht verletzten Polizisten.

Etwa 200 weitere Menschen, die sich ebenfalls mit den Flüchtlingen bei der Demonstration solidarisieren wollten, reisten mit vier Bussen aus Paris an. Die Busse wurden von der Polizei aber rund 40 Kilometer vor Calais gestoppt. Sie mussten wieder umkehren.

Hollande will vollständige Räumung

Frankreichs Präsident François Hollande hat vor einer Woche angekündigt, dass das Lager bis Ende des Jahres vollständig geräumt werde. Hollande appellierte an die britische Regierung, Mitverantwortung für die 7000 bis 10.000 Flüchtlinge im Lager zu übernehmen, die umgesiedelt werden sollen. (krud, APA, 2.10.2016)

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