"Der König der Gosse": "Tatort" aus Dresden – Top oder Flop?

Ansichtssache2. Oktober 2016, 19:00
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Zwischen "selten gelungen" und "Debakel": Wie gefällt Ihnen die Story um Immobiliendeals mit öffentlichen Geldern?

Einkommensschwache Mieter werden aus Innenstadt-Wohnungen vertrieben. Ein Unternehmer macht daraus Obdachlosenunterkünfte und Flüchtlingsheime, hoch subventioniert von der Stadt aus öffentlichem Geld. Und eines Nachts fällt dieser Sozialunternehmer, der generös Obdachlose in den Nobelitaliener einlädt, von einer Brücke.

Da beginnt im Tatort "Der König der Gosse" aus Dresden die Arbeit der Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und ihres Chefs Peter Michael Schnabel (Martin Brambach).

Von gelungen bis Debakel

Was sagen die Kritiker? Zwischen einem geradezu begeisterten gelungen wie selten und "Debakel" ist hier alles drin.

orf/ard/gordon mühle

"Debakel" in Dresden

Schwer enttäuscht vom "Debakel" in Dresden zeigt sich Christian Buß von Spiegel Online: "Public-private-Partnerschaften und Obdachlosenproblematik, Perspektivwechsel im "Rashomon"-Stil und Pennerklaumauk. Dieser "Tatort" will wichtig und kritisch sein, aber auch witzig und gewitzt. Er ist nichts davon."

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Rashomon, überraschend gut

Immerhin an der Rashomon-Erzählweise hat Michael Pekler (DER STANDARD) wenig auszusetzen: "Und wie ist jener Abend tatsächlich verlaufen, an dem beim Italiener ein verhängnisvolles Dinner stattfand? Das alles bekommt man, dem Rashomon-Prinzip entsprechend, in den unterschiedlichsten Varianten und Perspektiven zu sehen. Eine Idee, die, das muss man sogar den Nachahmern zugutehalten, im TV-Format überraschend gut funktioniert."

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"Was viel zu selten gelingt"

Katharine Riehl wiederum schwärmt geradezu auf sueddeutsche.de: "Man wird als erfahrener Tatort-Zuschauer zu Recht nervös, wenn eine Geschichte droht, gesellschaftlich relevant werden zu wollen. Wer den Schweizer Besinnungsaufsatz zur Sterbehilfe vor zwei Wochen gesehen hat, der weiß, wovon die Rede ist. Aber das Buch zu "Der König der Gosse" stammt, wie auch schon der erste Dresden-Fall, von Stromberg-Autor Ralf Husmann (gemeinsam mit Mika Kallwass) und ist kein Krimi über die Flüchtlingsproblematik in Sachsen. Diesem Tatort gelingt etwas, was dem Tatort viel zu selten gelingt: ein paar Anmerkungen über die Welt, wie sie ist, ganz beiläufig mit der Geschichte zu verweben."

Nicht jede Pointe der drei Ermittler funktioniere, "aber die Trefferquote ist schon ziemlich hoch", schreibt Riehl.

Und nicht nur da gelinge viel: "Ganz anders als zum Beispiel in Münster lässt das Drehbuch seine Figuren komisch sein, ohne Comicfiguren aus ihnen zu machen. Auch das ja: zu oft eher Glückssache."

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"Großartig"

Björn Wirth findet den Dresdner Tatort in der "Berliner Zeitung" schlicht "großartig": Er schreibt von einem "überaus sehenswerten Krimi, der sein Thema an keiner Stelle dem Klamauk opfert".

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Und wie sehen Sie den Dresdner "Tatort"?

Wie hat Ihnen die Folge "Der König der Gosse" gefallen? Top oder Flop? Debakel oder großartig? Posten SIe uns doch Ihre Meinung! (red, 18.9.2016)

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