Gewalttätige Proteste in Kalifornien nach tödlicher Polizeigewalt

30. September 2016, 23:35
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Erschossener Mann hatte keine Waffe bei sich

Los Angeles – Nach dem Tod eines Schwarzen durch Polizeischüsse in Kalifornien sind dort gewalttätige Proteste ausgebrochen. Eine Gruppe von 50 bis 75 Demonstranten besetzte am Donnerstagabend in der Stadt El Cajon nahe San Diego eine Straßenkreuzung und zerschlug die Fenster von Fahrzeugen, teilte die Polizei mit. Ein Motorradfahrer wurde demnach von seinem Fahrzeug gestoßen, zwei Männer wurden festgenommen.

Bei dem Polizeieinsatz wurden die Beamten den Angaben zufolge aus der Gruppe heraus mit Glasflaschen beworfen. Nachdem sich die Gruppe den Aufforderungen widersetzt habe, sich zu zerstreuen, habe die Polizei Tränengas eingesetzt. An den vorherigen Tagen waren die Proteste in El Cajon noch friedlich verlaufen. Auslöser der Demonstrationen war der Tod des 38-jährigen Alfred Olango.

"Gegenstand" aus der Tasche gezogen

Bei dem Vorfall hatte Olango nach Angaben der Polizei einen "Gegenstand" aus der Tasche gezogen und in der Pose eines Schützen auf die Beamten gerichtet. Die zwei Polizisten eröffneten daraufhin das Feuer. Später stellte sich heraus, dass es sich bei dem Objekt lediglich um eine E-Zigarette handelte. Eine Schusswaffe hatte Olango nicht bei sich. Laut Angehörigen litt Olango unter psychischen Problemen.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Mittwoch hinter einem Restaurant. Die Polizisten waren gerufen worden, weil ein Mann, der offensichtlich "außer sich" sei, mitten im Straßenverkehr herumlaufe. Die Polizei versprach "transparente" Ermittlungen zu dem Fall. Die beteiligten Polizisten, die jeweils mehr als 20 Dienstjahre hinter sich hätten, seien für die Dauer der Ermittlungen beurlaubt worden.

Auf Facebook wurde ein Video veröffentlicht, in dem eine völlig aufgelöste Frau, die sich als Schwester Olangos ausgibt, sagt, sie selbst habe die Polizei gerufen, damit diese ihrem psychisch labilen Bruder helfe. "Ich habe euch gerufen, damit ihr meinem Bruder helft. Ihr habt ihn vor meinen Augen getötet."

Der Tod von Schwarzen durch Polizeigewalt hat quer durch die USA in den vergangenen Jahren immer wieder wütende und teilweise gewalttätige Proteste ausgelöst. Zuletzt entfachte der Tod des 43-jährigen Keith Lamont Scott in Charlotte im Bundesstaat North Carolina gewalttätige Proteste. (APA, 30.9.2016)

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