Commerzbank verkauft vor zweijähriger Flaute Konzernzentrale

30. September 2016, 17:55
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Der Umbau wird sich laut Vorstand erst 2019 in Geschäftszahlen niederschlagen – Samsung-Tochter greift bei Bürogebäude zu

Frankfurt – Der Umbau der deutschen Commerzbank wird sich nach den Erwartungen des Vorstands erst 2019 in den Geschäftszahlen niederschlagen. "2017 und 2018 sind zwei Übergangsjahre, die durch niedrige Rentabilität gekennzeichnet sind", sagte Finanzvorstand Stephan Engels am Freitag in Frankfurt.

Auf die beiden Jahre werden die 1,1 Mrd. Euro Aufwand verteilt, den die zweitgrößte deutsche Bank unter anderem für den Abbau von bis zu 9.600 Stellen eingeplant hat. Auf der Kostenseite sind laut Engels erst 2019 spürbare Entlastungen zu erwarten.

Vorstandschef Martin Zielke sagte, die Commerzbank habe auf die niedrigen Zinsen reagieren müssen. "Unsere Profitabilität ist zu niedrig. Und diese Situation wird sich, wenn wir nichts tun, weiter verschärfen." Das Geschäftsmodell sei zu komplex, die Strukturen seien nicht effizient genug und die Kosten damit zu hoch. "Unser Geschäftsmodell ist nur dann zukunftsfähig, wenn wir uns auf das besinnen, was wir besser können als der Markt. Bereiche, in denen wir nur 'mitspielen', sind nicht zukunftsfähig." Deshalb ziehe sich die Commerzbank aus Teilen des Investmentbanking zurück, sagte Zielke laut Redetext. "Wir werden uns von Geschäften, bei denen wir keinen Bezug zu unseren Kernkunden haben, trennen."

Fokus auf Privat- und Firmenkunden

Die Commerzbank verspricht sich von der Konzentration auf Privat- und Firmenkunden einen kräftigen Schub für ihr Geschäft. Bis zum Jahr 2020 will das Institut im deutschen Markt zwei Millionen zusätzliche Kunden gewinnen. Dabei setze das Institut weiter auf ein dichtes Filialnetz, bekräftigte der teilverstaatlichte Dax-Konzern am Freitag in Frankfurt. Rund 700 Mio. Euro jährlich will die Bank in Digitalisierung und ihre IT investieren.

Die Commerzbank hatte am Vortag mitgeteilt, sie wolle sich künftig auf zwei Geschäftsfelder konzentrieren: Privatkunden sowie Firmenkunden. Dazu werden die Segmente Mittelstandsbank und Investmentbanking gebündelt, das schwankungsanfällige Handelsgeschäft wird eingedampft. Zudem sollen kleinere Unternehmenskunden künftig vom Privatkundenbereich betreut werden. Auch die Tochter M-Bank in Polen wird künftig dieser Sparte zugeschlagen.

Die Commerzbank will ihren gewaltigen Stellenabbau möglichst sozialverträglich stemmen. "Die Entscheidung für den Personalabbau ist mir sehr schwergefallen", versicherte Zielke. Der Bank bleibe aber keine andere Wahl. "Wir verdienen einfach nicht genug Geld", betonte Zielke. Weil zugleich 2.300 neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen geschaffen werden sollen, fallen unter dem Strich 7.300 Vollzeitstellen bei der Commerzbank weg.

Konzernzentrale geht an Südkoreaner

Die Commerzbank verkauft ihre Firmenzentrale im markanten Hochhaus am Frankfurter Kaiserplatz. Käufer sei die Samsung SRA Asset Management, eine Tochter der Lebensversicherungsparte des Samsung-Konzerns, wie die Bank am Freitag mitteilte. Mit dem künftigen Eigentümer sei ein Mietvertrag über zunächst 15 Jahre geschlossen worden. Der neue Mietvertrag führe zu deutlichen Einsparungen für die Bank.

Seit dem Erstbezug 1997 gehörte das Gebäude zwei geschlossenen Fonds der Commerzbank-Tochter Commerz-Real, der Commerzbank stand eine Kaufoption zu. Die Commerzbank habe davon keinen Gebrauch gemacht – um das mit 259 Metern höchste Bürogebäude Deutschlands an den südkoreanischen Investor zu verkaufen. Das Geschäft soll im Sommer 2017 abgeschlossen sein. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Früheren Medienberichten zufolge soll der Kaufpreis für die Commerzbank bei 600 Mio. Euro gelegen sein, nun könnte das Gebäude um 620 Mio. Euro den Besitzer wechseln. Damit würde die Bank einen zweistelligen Millionengewinn bei dem Geschäft machen. (APA, Reuters, 30.9.2016)

  • Das höchste Gebäude Deutschlands bekommt einen südkoreanischen Eigentümer.
    foto: michael probst

    Das höchste Gebäude Deutschlands bekommt einen südkoreanischen Eigentümer.

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