Zweistaatenlösung in Nahost: Lebenszeichen am Grab

Kommentar30. September 2016, 17:32
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Obama weigerte sich, die Zweistaatenlösung mit Peres zu begraben

Je näher das Begräbnis von Shimon Peres rückte, je mehr Nachrufe man las, desto stärker wurde das Gefühl, dass mit dem großen alten Mann nicht nur Israels Vergangenheit, sondern auch eine aktuelle politische Epoche zu Grabe getragen würde: jene der Hoffnungen auf eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts durch eine Zweistaatenlösung.

An Peres' Grab stand zwar auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, längst zum Schatten seines politischen Selbst und seiner morschen Behörde verkommen. Aber – welche Symbolik – er stand dort von Premier Benjamin Netanjahus Gnaden, der 1996, vor zwanzig Jahren, Peres mit 29.500 Stimmen Vorsprung besiegt hatte und antrat, den von vielen in Israel für suizidal gehaltenen Oslo-Friedensprozess, Peres' Projekt, in andere Bahnen zu lenken.

Zum Begräbnis kam allerdings auch Barack Obama, der durch den Abschluss eines milliardenschweren Militärhilfspakets für Israel und mit einem selten friktionsfreien Treffen mit Netanjahu sein schlechtes Image in Israel jüngst etwas aufpolieren konnte. Dass der US-Präsident am Grab Peres' für dessen Ideen warb, wird jedoch nicht überall in Israel gut ankommen: Obama weigerte sich, die Zweistaatenlösung mit Peres zu begraben. Er gibt damit Spekulationen Raum, ob er nach der Wahl in den USA nicht doch noch seine gefürchteten Eckpunkte für einen Palästinenserstaat auf den Tisch legt. Was die/der nächste US-Präsident/-in daraus macht, ist wieder eine andere Frage. (Gudrun Harrer, 30.9.2016)

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