Preise im Euroraum ziehen an, für EZB aber noch zu wenig

30. September 2016, 15:03
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Inflationsrate steigt im September auf 0,4 Prozent – Experte: Dämpfender Effekt des billigen Öls läuft bald aus

Brüssel – Die EZB kommt etwas voran im Kampf gegen die extrem niedrige Inflation. Der durch eine gewaltige Geldflut der Notenbank unterstützte Preisauftrieb nahm im September zu. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Vorjahresvergleich um 0,4 Prozent und damit doppelt so stark wie im August, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Die Teuerung liegt aber immer noch weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Inflation von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung ansieht.

Der Preisauftrieb wurde auch im September von der billigen Energie gebremst, für die Verbraucher 3,0 Prozent weniger ausgeben mussten als vor Jahresfrist. Doch der Effekt ist nicht mehr so stark wie im Vormonat, als der Rückgang noch 5,6 Prozent betrug. Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba rechnet damit, dass der dämpfende Effekt bald ausläuft. "Der Ölpreis dürfte zum Jahreswechsel sogar zum Treiber der Inflationsrate werden." Er verweist darauf, dass die Ölnotierungen aktuell rund 30 Prozent über dem Stand vom Dezember 2015 und fast 60 Prozent oberhalb des Niveaus von Jänner 2016 liegen. Postbank-Experte Heinrich Bayer prognostizierte: "Die Inflationsrate sollte bis Anfang 2017 auf etwa ein Prozent steigen."

Die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi haben den Leitzins auf null gesetzt und ihr Anleihenkaufprogramm ausgeweitet, um die Preise in die Höhe zu treiben und die Konjunktur zu stimulieren. Trotz der nun etwas weiter von der Null-Linie entfernten Inflationsrate könnte es zu einer weiteren Öffnung der Geldschleusen kommen, äußerte Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank: "Weitere expansive Maßnahmen der EZB bleiben auf der Tagesordnung." Die EZB kauft seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. Sie will damit eine durch fallende Preise ausgelöste Deflation verhindern – also eine für die Konjunktur gefährliche Abwärtsspirale bei Löhnen, Preisen und Investitionen. Die Inflation liegt mittlerweile seit Frühjahr 2013 unter dem Ziel der Zentralbank. (Reuters, 30.9.2016)

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