Missbrauchsprozess: Rapper Gibbs und die Groupies

30. September 2016, 13:27
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Ein US-Musiker soll nach einem Auftritt in seinem Hotelzimmer eine Teenagerin vergewaltigt habt. Er schweigt – und wird freigesprochen

Wien – Andreas Böhm, Vorsitzender des Schöffenprozesses gegen Freddie Gibbs, kann sich einen kleinen Scherz nicht verkneifen. "Vorstrafen?", fragt Böhm den 34-Jährigen. "Nein", lautet die Antwort des US-Amerikaners. "Gangsta-Rapper, gut", murmelt der Vorsitzende.

Rund 300.000 US-Dollar verdiene er ihm Jahr, sagt der Musiker, dem vorgeworfen wird, im Sommer 2015 in seinem Hotelzimmer eine Teenagerin vergewaltigt zu haben. Einen Vorwurf, den er bestreitet, ehe er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht.

Es geht um eine 16- und eine 17-Jährige, die im Juli des Vorjahres in einem Lokal ein Konzert besuchten. Securities boten den Mädchen an, in den Backstage-Bereich zu kommen, wo es Getränke gab. An einen "Shot", wohl Schnaps, und Gin-Cola können sich die beiden noch erinnern.

Verdacht auf K.o.-Tropfen

Dort, so vermutet die Staatsanwältin, muss jemand den Jugendlichen K.o.-Tropfen verabreicht haben. Die Erinnerungen werden vage, irgendwie landeten sie in den Hotelzimmern des Musikers und seiner Entourage. Zwei Tage später erstatteten sie Anzeige gegen einen Security der Gruppe, der beide vergewaltigt haben soll.

Wie kommt nun Gibbs ins Spiel? Thomas Kralik, gemeinsam mit Rudolf Mayer und Philipp Winkler Verteidiger des Angeklagten, macht auf die Seltsamkeiten des Falles aufmerksam. Denn erst zehn Monate später, als Gibbs wieder in Wien auftreten sollte, wandte sich eines der Mädchen über ihre Privatbeteiligtenvertreterin an die Anklagebehörde. Und erzählte, sie erinnere sich, dass Gibbs im Bett auf ihr gelegen sei und mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt habe.

Drei unbeteiligte Zeugen

"Es wurde aber überhaupt nur eine fremde DNA-Spur sichergestellt – die des Security", stellt Kralik klar. "Keine eines Unbekannten, keine Mischspuren." Darüber hinaus: "Wir haben Gott sei Dank drei unbeteiligte Zeugen: Zwei Rezeptionisten und einen Hotelgast."

Die sahen die Mädchen nach den angeblichen Vorfällen und beschreiben sie als fröhlich und maximal leicht alkoholisiert. Eine Angestellte will gar gehört haben, wie eine: "Wir gehen öfters mit Rappern mit, wir wissen, das ist nicht gut für uns", gesagt haben soll.

Bei der Vernehmung der mutmaßlichen Opfer wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, dass ihre Erinnerung erst zehn Monate später zurückgekommen sei, als sie ein Lied von Gibbs hörte.

Für den Senat reicht das nicht für eine Verurteilung, der Freispruch ist nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, 30.9.2016)

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