Beschwerdewelle überrollt "Pokémon Go": Spieler investierte 450 Dollar und wurde gebannt

30. September 2016, 11:03
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Andere Klagen beziehen sich auf die Themen Privacy, Ruhestörung und Sicherheit von Kindern

Nach großer Kritik an fehlenden Updates und Serverproblemen, wird das Augmented Reality-Spiel "Pokémon Go" nun von einer Beschwerdewelle heimgesucht. Mehr als 70 Anträge gingen bei der US-amerikanischen Bundeshandelskommission seit Release ein. Darunter ist ein Spieler, der über 450 Dollar ins Spiel investierte und dann aus dem Mobile-Game gebannt wurde.

Sperre wegen Dritt-Apps

Der Seite Polygon liegen die 72 Verbraucherbeschwerden gegen Nintendo, Niantic und der Pokémon Company vor, die bei der Federal Trade Commission eingegangen sind. Der Großteil der Beschwerden betrifft In-Game-Käufe und Refundierungen. Weitere Beschwerden bemängeln Niantics Zugriff auf das Google-Konto oder Besitzstörungsklagen.

Zahlreiche Geldbeschwerden gegen Niantic trafen nach den häufigen Serverausfällen und den Updates auf, die die Pokémon-Tracking-Funktion entfernten. Niantic ging daraufhin rigoros gegen Applikationen von Drittherstellern vor, die verschiedene Pokémon-Tracking-Apps anboten.

Viele Spieler wurden gesperrt, darunter einer, der den Dokumenten zufolge mehr als 450 Dollar in die App investiert hatte. "Mir wurde mein Account ohne Vorwarnung weggenommen. Ich hätte gerne mein Geld oder meinen Account zurück, damit ich das Spiel weiterspielen kann", geht es aus dem Beschwerdeantrag hervor.

Besitzstörungsbeschwerden

Andere Verbraucherbeschwerden fordern die Verlegung oder gänzliche Entfernung von Poké-Stops und Arenen an bestimmten Plätzen. Ein Krankenhaus beschwerte sich, dass Spieler die Ruhe und Anonymität der Patienten gefährde. Spieler drängen in abgesperrte Bereiche ein und würden Fotos innerhalb privater Räume machen.

Auch die von App-Release an im Kreuzfeuer stehende Privacy-Politik Niantics ist Ziel der Beschwerdeanträge. So geht aus einem Antrag hervor, dass Niantic einen kompletten Zugang auf den Google-Account fordert, damit das Spiel funktioniert. Damit hätte die Firma Zugriff auf alle Emails, Kalender, Kontakte und mehr. Die Beschwerde meint, dass es zu keinem Zeitpunkt eine Information gibt, dass "Pokémon Go" auf all diese privaten Daten zugreifen will.

"Denkt doch an die Kinder!"

Nicht erst seit den Beschwerdeanträgen ist bekannt, dass "Pokémon Go" zu zahlreichen Überfällen, Unfällen und sogar Todesfällen geführt hat. Eine Sicherheitsbeschwerde bezeichnet die App als "das unsicherste Produkt auf dem Markt".

"Ich hätte heute fast ein Kind getötet, dass mit seinem Rad plötzlich auf die Fahrbahn mit einem Handy in der Hand kam. Es ist nicht nur unsicher für alle, die es spielen, sondern auch für alle in ihrer Umgebung. Nehmt die App vom Markt! Bevor Kinder getötet werden!", so ein aufgebrachter Beschwerdeantrag.

Nintendo, Niantic und die Pokémon Company haben sich noch nicht zu den Beschwerden geäußert. (rec, 30.9.2016)

  • Mehr als 70 Beschwerden sind gegen "Pokémon Go" eingereicht worden.
    foto: reuters

    Mehr als 70 Beschwerden sind gegen "Pokémon Go" eingereicht worden.

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