Staatschefs erweisen Shimon Peres letzte Ehre

30. September 2016, 15:35
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Ehemaliger israelischer Präsident wurde bei Trauerfeier als "Titan der Gründergeneration" und "ultimativer Botschafter" seines Landes gewürdigt

Auf dem Nationalfriedhof auf dem Herzl-Berg in Jerusalem gab man am Freitag einer israelischen Legende das letzte Geleit. In den Reden wurde der am Mittwoch mit 93 Jahren verstorbene ehemalige Staatspräsident Shimon Peres immer wieder als "der letzte der Titanen der Gründergeneration" bezeichnet, als "ultimativer Botschafter" seines Landes, aber auch als jemand, der über lange Jahre seines Politikerlebens viele Anfeindungen erfahren hatte und erst im Alter geliebt wurde.

Sein Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten, Reuven Rivlin, erinnerte daran, dass Peres wahrscheinlich weltweit der einzige Politiker gewesen ist, der als Außenminister, Verteidigungsminister und Finanzminister fungierte, und der einzige israelische Politiker, der Ministerpräsident und Staatsoberhaupt war.

Der gewaltige Respekt in Israel wird offenbar in der Welt geteilt – rund 70 Länder schickten Delegationen meist allerhöchsten Ranges, es war ein beeindruckender Aufmarsch von gekrönten Häuptern, Staatschefs, Regierungschefs und Ministern. Alle landeten binnen kurzer Zeit auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv und mussten zu den Hotels, zum Friedhof und wieder zurück zum Flughafen transportiert werden – eine kaum zu bewältigende Anstrengung für das Protokoll, den Sicherheitsapparat und die Logistik.

US-Präsident Obama als einer der Grabredner

Prominentester Trauergast war US-Präsident Barack Obama, der Peres dadurch geehrt hatte, dass er in den USA die Fahnen auf Halbmast setzen ließ. Obama war nach israelischen Politikern, den drei Kindern von Peres, dem Schriftsteller Amos Oz und Ex-US-Präsident Bill Clinton auch einer der Grabredner. "Ich war seit John F. Kennedy der zehnte amerikanische Präsident, der Shimon Peres getroffen hat", bemerkte Obama, der auch ein politisches Signal aussandte: Peres habe gezeigt, "dass Gerechtigkeit und Hoffnung das Herz der zionistischen Idee sind", und "er glaubte, der zionistischen Idee wäre am besten gedient, wenn auch die Palästinenser einen eigenen Staat hätten."

"Es ist kein Geheimnis, dass Shimon und ich politische Rivalen waren", sagte Israels Premier Benjamin Netanyahu, "aber im Lauf der Jahre wurden wir enge Freunde." Peres habe geglaubt, dass der Frieden die Sicherheit bringe, so Netanyahu, er selbst habe geglaubt, dass die Sicherheit die Voraussetzung für den Frieden sei – nun sei er "zu der überraschenden Überzeugung gekommen: Wir haben beide recht."

Bures, Kurz und Fischer in Jerusalem

Österreich war durch Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Altbundespräsident Heinz Fischer vertreten. Es sei ihr ein "persönliches Bedürfnis" gewesen, bei der Zeremonie dabei zu sein, sagte Bures dem STANDARD: "Seine Vision eines neuen Nahen Osten, das ist noch nicht in Erfüllung gegangen, aber das ist Auftrag an die junge Generation, diesen Kampf für den Frieden fortzusetzen."

Kurz erinnerte an seine beiden Begegnungen mit Peres in Wien und Jerusalem: "Was mich beeindruckt hat, ist, dass er trotz all der Schwierigkeiten, trotz des Konfliktpotenzials, das hier tagtäglich zu erleben ist, stets ein Optimist war. Insofern ist sein Tod nicht nur ein Verlust für Israel, sondern für die gesamte Region und auch darüber hinaus."

"Er war ein guter Freund, hat Briefe geschickt, angerufen, hat Memoiren mit Widmungen geschickt", sinnierte Fischer, "er hat weit vorausgedacht, er hat einerseits Sicherheit für Israel und andererseits Frieden in der Region gewollt."

Heikler Schritt für Abbas

Ein vielbeachteter Gast war Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, der sich erst spät zur Teilnahme entschlossen hatte. Für ihn war das ein heikler Schritt, denn bei den Palästinensern hatte Peres vielfach eine negative bis gehässige Nachrede gehabt. Es kam zu einem Händedruck und einem kurzen Gespräch zwischen Abbas und Netanyahu. (Ben Segenreich, 30.9.2016)

  • Barack Obama in Jerusalem.
    foto: reuters/baz ratner

    Barack Obama in Jerusalem.

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