Treichl: "Kinder werden zu Beamten erzogen"

Interview2. Oktober 2016, 10:00
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Der Chef der Erste Group über das Schulsystem, den Unterschied zwischen Politik und Bankgeschäft und sein Ego

STANDARD: Ich zeige Ihnen ein Foto. Wissen Sie, welches Haus da gerade abgerissen wird?

Treichl: Ich hab das Haus gekannt?

STANDARD: Sicher. Es ist im ersten Bezirk, in der Renngasse.

Treichl: Die Investkredit? Die wird abgerissen?

STANDARD: Ja. Die Erste war, wie alle Großbanken, an ihr beteiligt. So vergeht der Ruhm der Welt. Es geht schon auch um Ruhm bei Managern wie Ihnen, oder?

Treichl: Die ruhmreichen Zeiten sind vorbei. Diese glorreichen, verherrlichten Spitzenmanager gibt es nicht mehr. Wirklich gute Spitzenmanager müssen heute entweder die Risiken eines Unternehmers übernehmen oder etwas verwalten.

foto: standard/regine hendrich
Erste-Chef Andreas Treichl vermisst Gestaltungsspielraum für Banker und natürliche Auslese bei Politikern.

STANDARD: Sie fühlen sich nicht verherrlicht?

Treichl: Nein! Ich fühle mich auch nicht als Spitzenmanager, sondern als Unternehmer. Ich habe fast mein ganzes Finanzvermögen in die Erste gesteckt und werde es, solange ich hier bin, auch nicht rausnehmen. Ich halte zwar nur 0,00-irgendwas Prozent – aber es gibt viele Unternehmer, die, ginge ihr Unternehmen hops, weniger litten als ich, fiele die Erste-Aktie auf null.

STANDARD: Sie wären aber nicht pleite und am Existenzminimum.

Treichl: Nein. Außer meine Pension wäre auch weg.

STANDARD: Ich will über Macht, Politik, Abschied mit Ihnen reden. Sie sind seit 19 Jahren Erste-Chef, laut UBS längstgedienter CEO einer börsennotierten Bank. Stolz?

Treichl: Nein. Länge ist keine ... (lacht)

STANDARD: Länge ist keine Kategorie.

Treichl: Ich bin in gewisser Weise dankbar, dass ich die Zeit hatte, Fehler, die ich gemacht habe, wieder ausbügeln zu können.

foto: gra
Die ehemalige Zentrale der Investkredit im September 2016. Sie macht exklusiven Wohnungen Platz.

STANDARD: Ihr größter Fehler?

Treichl: Ich rede ungern darüber, weil man in Österreich nicht damit umgehen kann und das als Schwäche auslegt. Ich finde, schwach sind die, die Fehler nicht zugeben können.

STANDARD: Ihr größter Fehler?

Treichl: Ich hab viele gemacht, will nicht einen hervorheben. Es ändert sich auch: Ein Fehler kann lang ein Fehler sein und sich dann als Coup erweisen. Wichtig ist, die Zeit zu bekommen, ihn zum Coup werden zu lassen. Der größte Fehler? Vielleicht mangelnde Konsequenz, nichtpassende Manager rasch genug auszutauschen.

STANDARD: Sie haben Willibald Cernko in den Vorstand geholt, Exchef Ihres Erzrivalen Bank Austria. Kommt nun Ex-BA-Boss Gerhard Randa in Ihren Aufsichtsrat?

Treichl: Hab ich mir noch nicht überlegt. Randa hat eine große Geschichte, große Erfahrung. Wäre er 20 Jahre jünger und eine Frau, wäre er ein Kandidat.

STANDARD: Apropos Kandidatin. Es gab eine Frau für den Cernko-Job hier.

Treichl: Eine sehr gute.

STANDARD: Aber?

Treichl: Wir sind frauenquotenmäßig im Vorstand nicht so unter Druck wie im Aufsichtsrat. Die Erste Group kann von Willi Cernko extrem profitieren, ich freue mich sehr, dass er kommt.

STANDARD: Was würden Sie sagen, ginge ein Erste-Vorstandsmitglied binnen elf Monaten nach seinem Ausscheiden zur Bank Austria?

Treichl: Wenn's vertraglich geht: good luck.

STANDARD: Jemand sagte, es gebe drei Gründe für das Engagement des Chefs der Bank, mit der Sie sich seit Jahrzehnten matchen, die die Erste bis vors Kartellgericht gebracht hat: Genugtuung, Genugtuung, Genugtuung. Hat Ihnen schon Spaß gemacht, die Cernko-Geschichte, oder?

Treichl: Ich empfinde selten Spaß bei der Auswahl von Vorständen, und entscheiden muss ja der Aufsichtsrat.

STANDARD: Sie selbst gehen 2020 mit 68 in Pension, vorher bauen Sie die Erste Group noch einmal um?

Treichl: Wie kommen Sie darauf?

STANDARD: Weil Sie Vorkehrungen treffen, die Sparkassen noch enger an die Erste Holding zu binden.

Treichl: Hean S', wos hob i gmocht die letzten 16 Joar?

STANDARD: Eben: die Sparkassen an die Holding gebunden.

Treichl: Uns geht es darum, die Kunden bestens zu bedienen und die regionalen Sparkassen selbstständig zu erhalten. Und weil sich das Tempo erhöht, passen wir die Geschwindigkeit an die wirtschaftlichen und regulatorischen Erfordernisse an. Wir müssen unsere Entscheidungen schneller treffen und konsequenter umsetzen, wollen nicht vom Regulator oder anderen offiziellen Stellen zu Reorganisationen gezwungen werden. Je kapitalstärker und schneller wir als Gruppe sind, desto länger können die Sparkassen eigenständig bleiben.

STANDARD: Sie sind bekannt für Ihre kritische Haltung zur Politik. Was macht die Politik schlechter als die Wirtschaft, etwa als Banker?

Treichl: Der Druck, sich zu verbessern, wie ihn Banken und andere Unternehmen haben, ist in der Politik nicht da. Sie entwickelt sich in ihrer Qualität nicht weiter, kann die Probleme der Gesellschaft immer weniger lösen. Es fehlen ihr Leitlinien und der natürliche Ausleseprozess. Wobei: Politiker können noch so gut sein, sie schaffen es nicht, die Dinge so rasch und konsequent umzusetzen, dass es die Bevölkerung spürt. Das Fatale ist: Gute Politik bewirkt nicht, dass man wiedergewählt wird. Das ist der große Unterschied zur Wirtschaft.

STANDARD: Nicht die Politik, sondern das Wahlvolk ist schlecht?

Treichl: Sie vereinfachen. Faktum ist, dass Regierungen, die Verbesserungen zustande gebracht haben, etwa in Polen, Schweden oder in der Slowakei, rumms, von einem abgelöst werden, der den Leuten erklärt, dass er sie vor dem Einfall von Ausländern schützen muss. Obwohl es gar keine Ausländer gibt in dem Land.

foto: apa/pfarrhofer
Erhard Busek (ÖVP, links) und Leopold Gratz (SPÖ) liefen 1978 ums Amt als Wiener Bürgermeister, Gratz gewann. Im Bild die beiden bei Buseks 60er im März 2001. Gratz starb 2006.

STANDARD: Sie selbst haben 1978 den Wahlkampf Erhard Buseks (ÖVP) geleitet, der Wiener Bürgermeister werden wollte. Da schwenkten Sie und der spätere Raiffeisen-Generalsekretär Ferry Maier beim Match Austria gegen Anderlecht in Paris die Busek-Fahne. Austria verlor 4:0, Leopold Gratz (SPÖ) wurde Bürgermeister.

Treichl: Busek gewann dazu, aber nicht genug. Den Schlachtenbummler-Flieger Wien–Paris werde ich nie vergessen. Voll verraucht, die Passagiere schon beim Einsteigen total betrunken. Ein paar Stewardessen haben sogar geweint.

STANDARD: Sie haben auch Fußball gespielt, sollen gut gelaufen sein.

Treichl: In der dritten Klasse Gymnasium kam der Trainer zu mir, sagte: "Treichl, du spielst doch gut Klavier." Schlimm. Ich hab alle umgesägt: Ich wollte ja den Ball treffen, traf aber immer Knie oder Schienbeine. Für mich war das sehr schmerzhaft: Die Buben, die die Mannschaftskapitäne waren, haben sich ihr Team ausgesucht – und ich bin immer übergeblieben.

STANDARD: Apropos. Am ÖVP-Abstieg sind Sie mitschuldig? Als Finanzchef versilberten Sie mit Ferry Maier 1993 die Parteizentrale, das Palais Todesco. Josef Taus sagte, mit dem Auszug aus dem Palais werde die ÖVP zur "Mittelpartei".

Treichl: Sicher, ihr Abstieg zur Mittelpartei ist meine Schuld. Davon hat sie sich nie erholt.

STANDARD: Und zur Entschuldigung wählen Sie ÖVP?

Treichl: Ich bin dazu verdammt, bis an mein Lebensende ÖVP zu wählen. Aber der Ferry auch.

STANDARD: Sie standen 1994 an siebenter Stelle der ÖVP-Nationalratswahlliste, gingen aber zur Ersten. Wären Sie damals Politiker geworden: Was wären Sie heute?

Treichl: Wahrscheinlich wäre ich jetzt Barpianist. Bevor ich zur Ersten ging, hatte ich übrigens ein Gespräch mit zwei Bankern: mit meinem Vater (Heinrich Treichl, 1970–1981 Chef der Creditanstalt, Anm.) und mit Niko Schmidt-Chiari (damals CA-Chef, Anm.). Sie waren entsetzt und echt enttäuscht, dass ich zu einer Sparkasse gehe.

foto: regine hendrich
Heinrich Treichl galt als der Grandseigneur unter Österreichs Bankern. Der langjährige, strenge Chef der CA ist 2014 mit 101 Jahren gestorben.

STANDARD: Eigentlich wollten Sie Dirigent werden. Warum Dirigent?

Treichl: Weil ein Dirigent aus exzellenten Einzelkämpfern ein Team bilden und erreichen muss, dass sie ans Ganze denken und nicht nur an sich. Das war mir dann aber zu risikoreich.

STANDARD: Mir fällt auf, dass viele tolle Dirigenten sehr alt werden ...

Treichl: Ja, stimmt. Weil sie so viel Bewegung machen.

STANDARD: Das tun sie aber auch im Kopf.

Treichl: Ja, Dirigieren ist eine große intellektuelle und große emotionale Herausforderung. Ich bin zwar im Bankgeschäft, aber ein bisschen Dirigent bin ich dabei auch.

STANDARD: Sie sagten gern, Banker seien mittelmäßig. Derzeit meinen Sie, Banking sei "intellektuell so herausfordernd" wie noch nie. Sind Sie mittelmäßig?

Treichl: Derzeit bin ich besser als mittelmäßig.

STANDARD: Was ist "besser als mittelmäßig"?

Treichl: Jetzt wollen Sie etwas Selbstbeweihräucherndes hören wie "Ich bin klass, ich bin super". Aber leider: Ich finde kein Wort für "besser als mittelmäßig".

STANDARD: Was reizt Sie eigentlich noch am Bankgeschäft?

Treichl: Dass wir vor großen Entscheidungen mit hohem unternehmerischen Risiko stehen. Wir müssen in eine Zukunft investieren, die wir uns zwar vorstellen können, von der wir aber nicht wissen, wie weit sie sich verwirklicht und wie schnell sie kommt. Das ist unfassbar spannend. Wir beschäftigen uns mit Digitalisierung, Virtualisierung, Emotional Scanning, also Maschinen, die Emotionen erkennen.

STANDARD: Aber das eigentliche Bankgeschäft ist völlig reguliert?

Treichl: Ja, Klein- und Mittelkunden bekommen nur noch standardisierte Produkte. Die Beziehung Kunde–Banker spielt keine Rolle mehr, wir können mangels Entscheidungsspielraum kaum noch Fehler machen. Aber das wollten die Regulatoren ja erreichen.

STANDARD: Dafür sinkt das Risiko.

Treichl: Das alles hat viel mit dem zu tun, was mich an unserem Schulsystem so nervt. Kindern wird beigebracht, dass sie kein Risiko eingehen sollen, sie werden zu Beamten erzogen. Kreativität und Fantasie: alles zweitrangig. Man muss seriös sein, einen anständigen, sicheren Beruf lernen.

STANDARD: Sie wurden ja auch nicht Dirigent.

Treichl: Ich bin auch ein Opfer dieser Einstellung. Wobei meine Mutter alles versuchte, dass ich nicht so langweilig werde wie mein Vater, mein Großvater, mein Urgroßvater. Der Letzte, der nicht fad war, war mein Ururgroßvater, Architekt Ferstel. Meine Mutter sagte: "Bitte, werd nicht Banker", und machte mich mit Schauspiellehrerin Susi Nicoletti bekannt, mit Dirigent Leonard Bernstein.

foto: epa/skarzynski
Leonard Bernstein 1989 bei einem Konzert in Warschau. Der Freund der Familie Treichl warnte Andreas T. vor dem Mittelmaß. Bernstein starb 1990.

STANDARD: Er hat Ihnen aber davon abgeraten, Dirigent zu werden?

Treichl: Er meinte: besser mittelmäßiger Banker sein als mittelmäßiger Dirigent. Aber meine ersten Bankjahre waren wirklich nicht lustig. Dann wurde einer meiner Exkollegen aus den USA unter den Sandinisten nach Nicaragua gerufen und Finanzminister, mit 26. Er fragte mich, ob ich Gouverneur der nicaraguanischen Nationalbank werden will. Meine Mutter sagte: "Natürlich, wenn schon Banker!", und ich ging zu meinem Vater. Der meinte: "Wenn du mich fragen musst, mach es nicht." Supergute Antwort: Wenn man fragen muss, ist es schon verkehrt.

STANDARD: Sie gehören längst zu Österreichs Spitzenverdienern, haben 2004, in Ihrem besten Jahr, 4,5 Millionen Euro bekommen. Sie reagieren immer gleich grantig aufs Thema Einkommen. Warum stört Sie das Kapitel Einkommen so?

Treichl: Es stört mich jetzt nicht mehr. Aber wir waren 2005 die Ersten, die die Vorstandseinkommen offengelegt haben, zu einer Zeit, als ich noch viel verdient habe. Andere Banker, die damals viel mehr hatten, zeigten auf mich, diese Schurken. Zwanzig Zwergenbanker aus irgendwelchen Investmentbankquetschen hatten mehr – und ich galt als der Bestverdiener. Das hat mich aufgeregt. Umso mehr, als wir in einem Land leben, in dem man nicht stolz ist auf große Unternehmen und sich nicht darüber freut, wenn jemand viel verdient.

STANDARD: Worauf führen Sie das zurück?

Treichl: Darauf, dass wir traditionell ein antikapitalistisches Land sind.

STANDARD: Bringt mich zur Erste-Group-Aktionärin Erste Stiftung. Die Stiftung gibt das Geld, das ihr die Bank abliefert, unter anderem für kulturelle und wohltätige Zwecke aus. Sie sagten einmal, die Stiftung brauche emotionalisierte Mitarbeiter – ist es nicht eher so, dass die Bankmitarbeiter die Stiftung aus emotionalen Gründen brauchen, um sich sozusagen als Gutbanker zu fühlen?

foto: matthias cremer
Die Biene, Sparkassen-Symbol, auf der ehemaligen Erste-Zentrale am Wiener Graben.

Treichl: Die Sparkassen wurden vor fast 200 Jahren aus wohltätigen Überlegungen heraus gegründet, unsere Mitarbeiter wissen wegen unserer Gründungsgeschichte und wegen der Stiftung, warum sie für uns arbeiten. Das unterscheidet uns von vielen, vielen anderen Banken. Die Mitarbeiter brauchen das massiv, und ich auch.

STANDARD: Entschädigt Sie das dafür, bei den langweiligen Sparkassen gelandet zu sein, was Ihren Vater einst auch so entsetzt hat?

Treichl: Ja, das macht einen irren Unterschied. Ich kann jedem mit voller Überzeugung und ohne zu flunkern erklären, warum es gut ist, wenn es die Erste in 200 Jahren noch immer gibt, und welchen Zweck wir haben. Wir sind als wirtschaftliches und zivilgesellschaftliches Unternehmen dazu da, einen Beitrag zum Wohlstand unserer Region zu leisten. Und wenn wir es als Bank nicht tun können, können wir es als Stiftung oder Zweite Sparkasse tun.

STANDARD: Und jetzt sind Sie seit fast zwanzig Jahren der Boss hier. Wie abgehoben macht Macht?

Treichl: Da gibt es ein langes Menü von Auswirkungen. Aber mich hat die Macht nicht arg verändert.

STANDARD: Glauben Sie?

Treichl: Ich gebe zu: Manchmal ist es ein sehr befriedigendes Gefühl, dass passiert, was ich sage. Aber ich geh recht locker mit Macht um. Und das ärgert mich: Nur weil ich mich selbst nicht so wichtig nehme, glauben die Leute, das ist alles lustig und eine Hetz. Die sehen die viele Arbeit, die dahintersteckt, überhaupt nicht.

STANDARD: Sie sagen, Sie nähmen sich nicht wichtig: Zeugt nicht das schon von einer gewissen Abgehobenheit?

Treichl: Nein, ich glaube, man soll sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Kann sein, dass es, wenn ich im Badezimmer stehe und Zähne putze, eine Sekunde gibt, in der ich mir sage: "Ich bin wichtig."

STANDARD: Sie sind vor allem kokett?

Treichl: Nein, mir gehen Leute, die sich wichtig vorkommen und auch diesen Habitus zur Schau stellen, wirklich auf die Nerven.

STANDARD: Es heißt aber, Sie hätten längst kein Korrektiv mehr?

Treichl: Doch. Ich habe einen sehr aktiven und starken Aufsichtsrat und einen Aufsichtsratspräsidenten, der ganz anders tickt als ich.

STANDARD: Und den Sie lang und gut kennen und ...

Treichl: ... der mir schon bei wichtigen Entscheidungen Nein gesagt hat. Konkurrenten, die ätzen "Der Treichl sucht sich seinen Aufsichtsrat aus", sollen ruhig sein.

STANDARD: Wann haben Sie sich das letzte Mal ohnmächtig gefühlt?

Treichl: Ohnmächtig? Relativ oft. Wenn ich meinen Söhnen etwas sage und sie mir den Stinkefinger zeigen, zum Beispiel.

STANDARD: Im Februar 2009 nicht, als der Erste-Aktienkurs auf sieben Euro fiel?

Treichl: Das war einer der schirchsten Tage meines Lebens. Ich dachte, ich habe alles versemmelt.

STANDARD: Sie wollen Ihrem Aufsichtsrat mindestens drei potenzielle Nachfolger für Andreas Treichl präsentieren. Da braucht es schon recht viel Distanz zum eigenen Ich und Ego. Haben Sie die?

Treichl: Ja. Das ist eine meiner wesentlichen Aufgaben. Unser Nominierungskomitee im Aufsichtsrat berät intensiv zur Nachfolgefrage; manchmal mit mir, manchmal ohne mich.

STANDARD: Kein Problem mit dem Gedanken, ersetzbar zu sein?

Treichl: Gar nicht.

STANDARD: Worum geht's im Leben?

Treichl: Das ist eine sehr allgemeine Frage. Nicht? (Renate Graber, 2.10.2016)

Andreas Treichl (64) wurde 1997 Erste-Bank-Chef, führt die Erste Group seit 2008. Von 1991 bis 1997 war der studierte Volkswirt Finanzchef der ÖVP, die ihn 1994 ins Parlament schicken wollte. Treichl ging damals aber in den Vorstand der Erste Bank. Der Vertrag des verheirateten Vaters dreier Söhne läuft noch bis 2020. Treichls Vater Heinrich war Chef der Creditanstalt. Die Erste Group schrieb, nach turbulenten Zeiten, im Juni 2016 rund 842 Millionen Euro Nettogewinn.

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