Radikalkur soll trudelnde Air Berlin retten

29. September 2016, 17:41
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Die Airline will 2018 wieder in die schwarzen Zahlen fliegen. Auf dem Weg dorthin trennt sie sich von 1.200 Mitarbeitern

Berlin – Es wird jetzt alles besser. Diesen Optimismus versuchten zumindest Air Berlin-Chef Stefan Pichler am Donnerstag zu verbreiten. "Bisherige Maßnahmen haben nur an der Oberfläche gekratzt", sagte er über den Sparkurs der vergangenen Jahre. Nun jedoch werde es bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie einen radikalen Umbau geben und dieser soll die Airline 2018 wieder in die schwarzen Zahlen führen.

Um dies zu schaffen, will Air Berlin 1.200 seiner rund 9.000 Jobs streichen. Betroffen sind vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung und der Technik. Doch der Vorstand hat sich auch eine inhaltliche Umstrukturierung ausgedacht. Die Airline gibt Strecken von den Flughäfen Hamburg, Paderborn, Köln, Frankfurt sowie Leipzig auf und will sich bei Europa- und Langstreckenflügen künftig vor allem auf die Drehkreuze Düsseldorf und Berlin beschränken. Auch Stuttgart und München bleiben im Flugplan.

"Kann ich jetzt noch mit Air Berlin nach Malle fliegen", fragte "Bild online" am Donnerstag schon besorgt. Man kann. Denn bei Air Berlin wird betont, dass noch nicht feststehe, wann die Strecken eingestellt werden und zudem die bereits gebuchten Tickets ihre Gültigkeit behalten.

Apropos Mallorca: Die beliebte Ferieninsel der deutschen, von vielen das 17. Bundesland genannt, bleibt zunächst im Angebot, doch dieses ändert sich. Das Touristikgeschäft mit 35 Flugzeugen wandert in einen eigenständigen Bereich und könnte später mit der Ferienfluglinie TUIfly fusioniert werden. In seinen Anfangsjahren ist Air Berlin wegen der zahlreichen Flüge auf die spanische Insel als "Mallorca-Shuttle" bekannt geworden.

Vermietung von Fliegern

Außerdem vermietet die angeschlagene Airline künftig ihre Flugzeuge. Lufthansa übernimmt zum Beginn des Sommerflugplanes am 26. März 2017 für sechs Jahre 40 Flieger samt Cockpitcrew, Kabinenpersonal und Technikern für die Wartung.

35 Flugzeuge davon gehen an die Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Diese will damit den Billiganbietern Easyjet (Großbritannien) und Ryanair (Irland) Paroli bieten. Die restlichen fünf Maschinen gehen an die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines. Dieser Deal bringt der Air Berlin rund 1,2 Milliarden Euro ein. Der Halbierung der Flotte auf 75 Flugzeuge kann Pichler durchaus Positives abgewinnen und sagt: "Air Berlin wird endlich für die Zukunft die richtige Größe haben."

Unklares Geschäftsmodell

In den vergangenen Jahren hatte Air Berlin nicht nur ein finanzielles Problem aufgebaut, sondern auch unter einem Imageproblem gelitten. Es ist eigentlich unklar, wofür die Airline steht. Sie will günstiger sein als die Konkurrenz, ist aber auf innereuropäischen Strecken längst teurer geworden. Sie bietet Kurz-, Mittel- und Langstrecke, es gibt aber keinen erklärten Fokus. "Bisher wollten wir alle Marktsegmente mit einer operativen Plattform abdecken. Dieses Modell ist zu kompliziert", räumte Vorstandschef Pichler ein.

Mittlerweile ist die Fluglinie mit knapp einer Milliarde Euro verschuldet. Sie schreibt seit dem Jahr 2008, mit einer Ausnahme von einem kleinen Plus im Jahr 2012, rote Zahlen und muss vom arabischen Großaktionär Etihad mit Millionenspritzen in der Luft gehalten werden. 2015 machte Air Berlin bei vier Milliarden Euro Umsatz einen Verlust von 446 Millionen Euro.

Etihad hat erklärt, Air Berlin bei seiner Umstrukturierung unterstützen und an einem langfristigen Engagement festhalten zu wollen. Laut der italienischen Wirtschaftszeitung "Milano Finanza" denkt Etihad an die Gründung einer neuen Holding, in die ihre Beteiligungen an Air Berlin sowie er Alitalia einfließen sollen. (Birgit Baumann aus Berlin, 29.9.2016)

  • Es gibt bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie nichts mehr zu verteilen. Die Airline setzt nun auf massive Einsparungen bei den Jobs.
    foto: apa/rainer jensen

    Es gibt bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie nichts mehr zu verteilen. Die Airline setzt nun auf massive Einsparungen bei den Jobs.

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