London und EDF einigen sich auf Bau von AKW Hinkley Point

29. September 2016, 19:05
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Kritik an Frankreich: Laut neuem Bericht drohen wegen Baumängeln Störfälle an 18 AKWs

Wien – Am Donnerstag veröffentlichte Greenpeace Frankreich einen Bericht, dem zufolge Atomkraftwerke des staatlichen Energiekonzerns Électricité de France (EdF) mit Bauteilen aus minderwertigem Stahl des Atomanlagenbauers Areva beliefert worden sind. 18 französische Reaktoren seien betroffen, nur drei wurden vorübergehend stillgelegt. Der in kritischen Bauteilen wie Druckbehältern oder Dampferzeugern verwendete Stahl würde nicht den nötigen Standard erfüllen.

Die Untersuchung führte das Londoner Ingenieursbüro John Large and Associates im Auftrag der NGO durch. Auch nach Ansicht der französischen Sachverständigenorganisation Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire sind Störfälle möglich. EdF und Areva waren bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Hinkley Point C beschlossen

Großbritannien steht ebenfalls aktuell in der Kritik von Atomenergiegegnern: Der Bau des umstrittenen Atomkraftwerks Hinkley Point C im Süden Englands gilt als richtungsweisend in der EU-Energiepolitik. Die zugrunde liegende Frage ist, ob die Förderung von Atomkraft ein Ziel der EU ist. Denn die Subvention Großbritanniens an die Betreiber wurde von der EU-Kommission als Förderung der Entwicklung gewisser Wirtschaftszweige genehmigt.

Ökostromanbieter Greenpeace Energy ist am Donnerstag mit einer Klage gegen die genehmigten Subventionen vor dem EU-Gericht in Luxemburg gescheitert. Die Kläger argumentierten vergeblich mit Wettbewerbsnachteilen. Die Klage der Republik Österreich gegen die Entscheidung der Kommission vor dem EuGH läuft noch.

Am Donnerstag wurde auch der Vertrag für den Bau zwischen Vertretern des Vereinigten Königreichs und einem französisch-chinesischen Konsortium unterzeichnet. Auch der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault war anwesend. Bei dem 23 Milliarden Euro teuren Projekt geht es um die Errichtung von zwei Druckwasserreaktoren an der Südwestküste von England. Die Anlage soll im Jahr 2025 ans Netz gehen und sieben Prozent des britischen Strombedarfs decken.

Es handelt sich um das erste AKW, das seit zwei Jahrzehnten in Großbritannien errichtet wird. "Statt das Geld in günstigere erneuerbare Energie zu investieren, werden Milliarden an britischem Steuergeld in das Projekt gepumpt", kritisiert Adam Pawloff, Energiesprecher von Greenpeace in Österreich. Das nun im Zusammenhang mit Frankreichs AKWs kritisierte Unternehmen Areva wurde übrigens mit dem Bau von Hinkley Point C beauftragt. (july, 29.9.2016)

  • Noch stehen die Baumaschinen. Der Vertrag für den Bau von Hinkley Point C wurde jedoch am Donnerstag unterzeichnet.
    foto: apa/afp/justin tallis

    Noch stehen die Baumaschinen. Der Vertrag für den Bau von Hinkley Point C wurde jedoch am Donnerstag unterzeichnet.

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