"Selbstkrönung" sorgt für Ärger bei der deutschen Linken

29. September 2016, 16:24
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Sahra Wagenknecht will die Parteiführung bei einer Spitzenkandidatur 2017 übergehen

Die deutsche Linkspartei unterscheidet sich nicht nur in Programmfragen von SPD und Union, sondern auch in Personalfragen. Denn während weder Angela Merkel noch Sigmar Gabriel Lust haben, ihre Spitzenkandidatur für die Wahl 2017 zu verkünden, hat eine prominente Linke damit kein Problem.

Ob die Linke bei der Klärung, wer als Nummer eins antrete, eigentlich schon weitergekommen sei, wurde Fraktionschefin Sahra Wagenknecht dieser Tage gefragt. Ihre Antwort: "Da müssen wir gar nicht so viel weiterkommen." Denn es gebe eine "sehr naheliegende Lösung": Spitzenkandidat sei in der Regel, wer nach der Wahl Fraktionschef im Bundestag werde – also sie selbst und Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch.

Wagenknecht und Bartsch wollen als Duo antreten

Intern, so heißt es, haben Wagenknecht und Bartsch auch klargemacht, dass sie nur als Duo antreten wollen und nicht im Quartett mit den Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger. Diese Vierervariante wird allerdings im Parteivorstand favorisiert, man wollte im Jänner entscheiden.

Dementsprechend schlägt Wagenknecht und Bartsch nun heftiger Widerstand entgegen. "Selbstkrönungen von Spitzenkandidaten sind weder gefragt noch zu diesem frühen Zeitpunkt hilfreich", sagt Brandenburgs Linksparteichef Christian Görke. Und die Thüringer Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow mahnt: "Der Parteivorstand hat das Vorschlagsrecht bei der Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl." Vor allem in den pragmatischeren Landesverbänden im Osten herrscht Sorge, dass Wagenknecht ein rot-rot-grünes Projekt im Bund nach der Wahl 2017 torpedieren könnte.

Rot-rot-grüne Verhandlungen in Berlin

Die Debatte hat an Schwung gewonnen, seit in Berlin SPD, Linke und Grüne miteinander über eine Koalition verhandeln. Diese sehen manche als Modell für den Bund. Wagenknecht jedoch sagt: "Die Voraussetzungen dafür fehlen."

In der SPD drängt der mächtigste Landesverband, jener aus Nordrhein-Westfalen, den SPD-Bundeschef, doch endlich seinen Hut in den Ring zu werfen. "Ich halte Sigmar Gabriel ohne Abstriche für geeignet, der nächste Kanzler zu werden", erklärt Norbert Römer, SPD-Fraktionschef in Düsseldorf.

Seinen Abgang zelebrierte hingegen der letzte Kanzlerkandidat der SPD. Peer Steinbrück hielt am Donnerstag im Bundestag, aus dem er nun ausscheidet, seine letzte Rede und tat es auf seine Art. Zum Schluss erklärte er, er habe gelernt, dass "Schlauberger" nicht allein in der SPD säßen, sondern "Schlauberger und Sumpfhühner" durchaus über alle Parteien verteilt seien. Steinbrück kümmert sich künftig um die neue Helmut-Schmidt-Stiftung. (Birgit Baumann aus Berlin, 29.9.2016)

  • Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch wollen allein ins Boot.
    foto: reuters / fabrizio bensch

    Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch wollen allein ins Boot.

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