Direktoren sollen bei Lehrerauswahl mitreden

29. September 2016, 19:52
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Direktorin aus Wien fordert auch Professionalisierung von Personalführung und Organisationsmanagement

Wien – Als sie vor vierzehn Jahren erstmals an ihrem leeren Schreibtisch in der Marie-Jahoda-Schule Platz genommen hatte, stellte sich Gabriele Prokop vor allem eine Frage: Und was mache ich jetzt?

Die Direktorin der Volksschule in Wien-Ottakring erzählt: "Niemand sagt dir, was zu tun ist. Es gibt keine Aufgabenbeschreibung für Schulleiter." Prokop hat sich ihr Wissen über Personalführung und Organisationsmanagement daraufhin in zusätzlichen Lehrgängen angeeignet. Verpflichtet ist sie dazu nicht.

Mehr Befugnisse für Direktoren

Geht es nach Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ), sollen die Direktoren künftig wesentlich mehr Befugnisse bekommen und auch besser ausgebildet werden. Für Dezember haben die Ministerin und ihr Verhandlungspartner der ÖVP, Staatssekretär Harald Mahrer, ein Paket für mehr Schulautonomie angekündigt.

Teil davon soll auch eine wesentlich weitreichendere Autonomie bei der Personalauswahl sein, als sie Hammerschmids Vorgängerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) geplant hatte: Die Direktoren sollen sich ihre Lehrer selbst aussuchen dürfen oder zumindest mitentscheiden.

"Professionalisierung gut für System"

Direktorin Prokop tut das bereits jetzt. Wenn es um die Planstellen für das kommende Schuljahr geht, weiß die zuständige Pflichtschulinspektorin schon, welche Pädagogen Prokop für das Gelingen ihres Schulkonzeptes gerne hätte. "Die Lehrer bewerben sich zum Teil direkt bei der Schule, oder wir bekommen eine Empfehlung", erklärt die Schulleiterin. Prokop führt Bewerbungsgespräche selbst und meldet der Schulbehörde ihre Favoriten. So bekommt sie meistens die Lehrer, die auch zur Schule passen.

"Derzeit passiert das alles informell, Professionalisierung würde dem System gut tun", sagt Prokop. Zudem funktioniere die Lehrerauswahl nur deshalb so gut, weil die Pflichtschulinspektorin das aktiv mitträgt. "Es könnte auch so sein, dass ich irgendwen zugeteilt bekomme, und ich könnte nichts dagegen tun." Eine Reform, wie sie Hammerschmid plane, sei deshalb wichtig.

Als Vorzeigemodell hat die Bildungsministerin die Onlineplattform Get Your Teacher genannt, die derzeit in der Steiermark getestet wird. Die Schulleiter können sich direkt in die Bewerberevidenz des Landesschulrats einloggen, um die Zuweisung von Lehrern zu beantragen.

Kritik von Schulbehörden

Besonders positiv an diesem Modell ist für Prokop, dass die Lehrer, die auf der Plattform zur Auswahl stehen, bereits von der Behörde nach formalen Kriterien selektiert wurden. "So kann ich sicher sein, dass sie alle Auflagen erfüllen, und muss mich darum nicht kümmern."

Nicht alle sind von den Autonomieplänen Hammerschmids begeistert, auch wenn ÖVP-Generalsekretär Werner Amon der Bildungsministerin heute den Rücken stärkte. Einige Schulbehörden in den von der ÖVP geführten Bundesländern halten das Vorhaben für unrealistisch. Der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer sagte etwa: "Das kommt von Leuten, die die Praxis nicht kennen." Im Herbst gebe es etwa Schwankungen bei der Schülerzahlen pro Klasse und Standort, wodurch kurzfristig sehr viele Anstellungen fixiert werden müssten.

Prokop kann die Kritik nicht nachvollziehen. Schließlich mache es keinen Unterschied, ob die Direktorin oder die Behörde kurzfristig jemand neuen finden muss. "Mühsam ist es so oder so, und anstellen kann sowieso nur die Schulbehörde." (Lisa Kogelnik, 29.9.2016)

  • Direktoren sollen künftig mehr mitbestimmen können, welche Lehrer in den Klassenzimmern an der Tafel stehen und die Schüler unterrichten. Möglichkeiten gibt es jetzt schon.
    foto: wakolbinger

    Direktoren sollen künftig mehr mitbestimmen können, welche Lehrer in den Klassenzimmern an der Tafel stehen und die Schüler unterrichten. Möglichkeiten gibt es jetzt schon.

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