Regierung will Bildungssituation der Roma verbessern

29. September 2016, 14:18
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Bis 2020 sollen Roma in allen EU-Ländern besser integriert sein. Staatssekretärin Duzdar startet Onlinedialog zu Roma-Strategie

Wien – Mit einer Online-Dialogplattform will das Bundeskanzleramt die Volksgruppe der Roma besser integrieren. "Digitalisierung soll im Interesse der Menschen stattfinden", sagte Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) bei der Präsentation der Plattform Mittwochabend: Diese müsse auch für die einzelnen Volksgruppen "nützlich sein".

Roma stünden in vielen Ländern Europas noch immer am Rand der Gesellschaft, so Duzdar. Mit zwölf Millionen Menschen stellen sie in Europa die größte ethnische Minderheit dar. Auch wenn in den vergangenen Jahren viel geschehen sei, seien "der Hass gegen Roma und der Antiziganismus immer noch ein weitverbreitetes Phänomen, dem man sich entschieden entgegenstellen muss".

Die Website ist als Weiterentwicklung einer 2012 entstandenen Diskussionsplattform zu sehen. Darauf können Interessierte in den kommenden zwei Monaten die "Roma-Strategie 2020" diskutieren und mitgestalten. Erklärtes Ziel des Projekts, das auf einem EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2020 aufbaut: "für Roma ein Umfeld zu schaffen, das eine nachhaltige soziale, politische und kulturelle Teilhabe ermöglicht". Als integrationsfördernde Maßnahmen würden dabei alle Bestrebungen gelten, eine "chancengleiche Teilhabe" zu ermöglichen und "vorhandenen Ängsten und Vorurteilen" entgegenzuwirken, ist in dem Papier zu lesen.

Schwerpunkt auf Bildung

Die Schwerpunkte, die Österreich zur Inklusion gewählt hat, sind unter anderem Bildung, Arbeitsmarkt und die Bekämpfung von Antiziganismus. So zeigen die Ergebnisse der "Rombas"-Studie der Initiative Minderheiten über die Bildungs- und Ausbildungssituation der Roma in Österreich ein geringeres formales Bildungsniveau der Roma im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. So haben laut Studie 45 Prozent der autochthonen Roma und Sinti im Alter zwischen 26 und 50 Jahren als höchsten Abschluss eine Pflichtschule und 15 Prozent nicht einmal einen Pflichtschulabschluss.

Ebenso zeigt die Studie eine geringere Kindergartenbesuchsquote, eine höhere Vorschulbesuchsquote und einen höheren Anteil von frühen Schulabgängern unter den befragten Roma und Romnja. Der Anteil von Roma und Romnja mit Berufsausbildung und qualifizierten Abschlüssen steigt zwar stetig, allerdings gebe es hier noch großen Handlungsbedarf, sagt Irina Spataru vom Romano Centro: "Auch wenn sich die Bildungssituation von Roma verbessert hat, Diskriminierung ist noch immer da."

Um die Chancengleichheit junger Roma zu verbessern, wünscht sich Spataru zusätzliche Schulmediatoren, die zwischen der Schule und den Eltern vermitteln, wie es andere EU-Staaten bereits hätten. Zwar sind die speziellen Mediatoren in der Roma-Strategie vorgesehen, in Österreich würden solche derzeit Maßnahmen aber "zu wenig gefördert", sagt Spataru. Ebenfalls auf der Agenda des Bundeskanzleramts steht die Einführung eines zweisprachigen Unterrichts im Burgenland.

Arbeislosigkeit und Saisonarbeit

Aber auch nach der Schule sind Roma noch nicht vollständig integriert. So zeigen die Ergebnisse der Studie "Roma in der Arbeitswelt", dass Roma und Romnja tendenziell höher von Arbeitslosigkeit, insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit, betroffen sind. In diesem Zusammenhang spielen auch unregelmäßige und saisonale atypische Arbeit eine Rolle. Auch die Arbeiterkammer-Studie "MigrantInnen in Wien" zeigt, dass die Armutsgefährdungsquote bei Roma mit 30 Prozent etwas über dem Schnitt von 27 Prozent bei Migranten liegt und dass nur 30 Prozent der Roma mit ihrem Einkommen "eher leicht" oder "sehr leicht" auskommen.

Die Strategie der Bundesregierung setzt hier auf Deutsch- und Alphabetisierungskurse mit Kinderbetreuung, Kompetenztrainings und Qualifizierungsmaßnahmen sowie auf Arbeitsmarktberatung und Jobcoachings. Spataru wünscht sich diesbezüglich mehr "Zahlen und Verpflichtungen auf allen staatlichen Ebenen". Zudem müsse man das Selbstbewusstsein der Roma stärken, da dieses wichtig für den Arbeitsmarkt sei – "Förderung der Identitätsbildung" nennt sie es. Schließlich müsse man "kapieren", dass Roma nicht minderwertig sind, sondern die schlechte Bildungs- und Arbeitsmarktsituation mit der Geschichte und Diskriminierung der Volksgruppe einhergehe. (Oona Kroisleitner, 29.9.2016)

  • Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ): "Digitalisierung soll im Interesse der Menschen stattfinden."
    foto: apa/georg hochmuth

    Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ): "Digitalisierung soll im Interesse der Menschen stattfinden."

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