Roland Düringer für "Goldenes Brett vorm Kopf" nominiert

29. September 2016, 12:22
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Neo-Politiker kokettiert mit Verschwörungstheorien. Außerdem "Wunderheiler" Hamer und Krebszentrum Brüggen-Bracht auf der Shortlist

Wien – Am 11. Oktober verleiht die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften zum sechsten Mal "Das Goldene Brett vorm Kopf". Nominiert wurden mehr als 200 Personen und Institutionen, die mit wissenschaftlich widerlegten Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen. Nun hat eine Jury für die Auszeichnung des spektakulärsten antiwissenschaftlichen Unsinns des Jahres drei Finalisten ausgewählt: Den Kabarettisten und Parteigründer Roland Düringer, "Wunderheiler" Ryke Geerd Hamer und das pseudomedizinische Krebszentrum Brüggen-Bracht.

Düringer schaffte es auf die Shortlist, weil er nach Ansicht der Jury mit einem "Arsenal an Verschwörungstheorien" kokettiere, beispielhaft werden etwa die Kondensstreifen am Himmel und gefährliche Impfungen genannt. Außerdem habe er den Verschwörungstheoretiker Rüdiger Dahlke – er hält Lichtnahrung für möglich – und die "rechtslastige Autorin" Eva Hermann in seine Puls-4-Talkshow "Gültige Stimme" geladen.

Neben Düringer stehen noch "Wunderheiler" Hamer und das "pseudomedizinische" Krebszentrum Brüggen-Bracht auf der Shortlist. Der "ehemalige Mediziner" Hamer nämlich halte Krebs für eine "Krankheit der Seele" und lehne Chemotherapie ab. Als Basis für seine Behauptungen beruft sich Hamer auf übersinnliche Botschaften. Bekannt wurde vor allem der Fall der fünfjährigen Krebspatientin Olivia im Jahr 1995, die von ihm behandelt wurde. Das Mädchen wurde schließlich gegen den Willen der Eltern operiert und habe überlebt.

Gefährliche Krebstherapien "ohne chemische Gifte"

Das Krebszentrum Brüggen-Bracht wiederum biete "vermeintliche" Krebstherapien an. Die Behandlungsmethoden seien "frei von chemischen Giften", behauptet das Betreiberteam, das aus Heilpraktikern und einem Arzt besteht. Im August 2016 erlangte das Zentrum traurige Berühmtheit, weil drei Krebspatienten verstarben – offenbar nach Behandlung mit dem nicht als Krebsmedikament zugelassenen 3-Bromopyruvat. Auf der Internetseite des Krebszentrums wurde dieses Mittel als das "aktuell beste Präparat zur Tumorbehandlung" beworben. Gegen den Heilpraktiker Klaus Ross wird wegen fahrlässiger Tötung der drei Patienten und wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei weiteren Fällen ermittelt.

Das "Goldene Brett fürs Lebenswerk" wird an die Website www.zentrum-der-gesundheit.de verliehen. Die Seite stellt sich als neutrale Informationsplattform dar, tatsächlich aber werden dort pseudomedizinische Thesen vertreten, Angst geschürt und Verschwörungstheorien verbreitet. Die Verbraucherzentrale Hamburg bescheinigte www.zentrum-der-gesundheit.de ein großes Verkaufsinteresse, eine schlechte Transparenz der Informationen zum Anbieter sowie eine mangelhafte Objektivität der Ernährungsberatung.

Bei der Preisvergabe spielen unter anderem der "Grad der Abwegigkeit" der vertretenen Theorien, die Kritikresistenz der Personen bzw. Organisationen und deren kommerzielles Interesse eine Rolle. Außerdem wird bewertet, inwieweit para- oder pseudowissenschaftliche Theorien ausdrücklich als Wissenschaft ausgegeben und inwieweit Gesundheit oder das politisch-gesellschaftliche Gefüge gefährdet werden. In den Vorjahren wurden beispielsweise die Organisation "Homöopathen ohne Grenzen" für den Einsatz von Homöopathie in Krisengebieten oder der Sänger Xavier Naidoo für sein Engagement für die "Reichsbürgerbewegung" "ausgezeichnet". (APA, red, 29.9.2016)

  • Begonnen hat er als Kabarettist, mittlerweile ist er Politiker, der mit seiner neu gegründeten Partei "Meine Stimme gilt" "denen was wegnehmen" will. Auf die Shortlist für das "Goldene Brett vorm Kopf" landete er, weil er mit Verschwörungstheorien kokettiert.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Begonnen hat er als Kabarettist, mittlerweile ist er Politiker, der mit seiner neu gegründeten Partei "Meine Stimme gilt" "denen was wegnehmen" will. Auf die Shortlist für das "Goldene Brett vorm Kopf" landete er, weil er mit Verschwörungstheorien kokettiert.

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