Ökonomen optimistisch für heuriges Wachstum in Deutschland

29. September 2016, 11:00
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Laut Wirtschaftsforschern soll das deutsche BIP heuer um 1,9 Prozent zulegen, Bremsspuren gibt es allerdings im kommenden Jahr

Berlin – Der boomende Konsum sorgt den führenden Instituten zufolge für einen anhaltenden Aufschwung in Deutschland. Sie erhöhten ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes 2016 von 1,6 auf 1,9 Prozent, geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Herbstgutachten für die deutsche Bundesregierung hervor. Das wäre das größte Plus seit fünf Jahren.

Für das kommende Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,4 Prozent zurückgenommen, während es 2018 dann 1,6 Prozent sein sollen. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem moderaten Aufschwung", betonten die Forscher.

Kauffreudige Konsumenten

Garant dafür sind kauffreudige Konsumenten. "Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor in einer guten Verfassung und trägt den privaten Verbrauch", sagte Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Darüber hinaus machen sich beim öffentlichen Konsum Aufwendungen für die Integration von Flüchtlingen bemerkbar, so dass die Binnenkonjunktur außerordentlich gut da steht." Die Arbeitslosenquote dürfte im nächsten Jahr auf ihrem historischen Tief von 6,1 Prozent verharren, fast eine halbe Million neue Stellen könnten entstehen. Exporte und Investitionen dürften wegen der schwachen Weltkonjunktur nur etwas anziehen.

Die Gutachter warnen auch vor Gefahren. "Es bestehen Risiken für die deutsche Konjunktur, vor allem weil vielerorts gesellschaftliche Strömungen im Aufwind sind, die die Integration der Weltwirtschaft infrage stellen", betonte Fichter. So könnte die Entscheidung der Briten, aus der Europäischen Union auszutreten, die deutsche Konjunktur beeinträchtigen, falls die Konfrontation zwischen der EU und Großbritannien die Unternehmen verunsichere. Die Institute sehen die Gefahr, dass auch andernorts die Skepsis gegenüber internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit verstärkt Einfluss auf die Politik nehmen und so die deutsche, europäische und internationale Konjunktur beeinträchtigen könnte.

Auch die Weltwirtschaft habe sich laut Experten im Sommer dieses Jahres belebt, nachdem der Produktionsanstieg in der ersten Jahreshälfte sehr verhalten war. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften dürfte die Produktion inzwischen wieder stärker ausgeweitet werden, und die Konjunktur in den Schwellenländern soll sich weiter stabilisieren.

Produktion in USA zieht an

Für die USA zeichnet sich nach einem schwachen ersten Halbjahr ein Anziehen der Produktion ab. In Japan dürfte neue Konjunkturprogramme die Wirtschaft stimulieren, auch wenn die deutliche Aufwertung des Yen dämpfend wirke. Für den Euroraum habe sich laut Prognose die Erholung im Sommer in wenig verändertem Tempo fortgesetzt. In China hätte sich die Produktion im zweiten Quartal auch aufgrund expansiver wirtschaftspolitischer Maßnahmen deutlich stärker ausgeweitet als in den drei Monaten zuvor. In Russland und Brasilien, die sich in der Rezession befanden, bessere sich die konjunkturelle Lage etwas, wozu auch steigende Exporterlöse aufgrund der seit Jahresbeginn anziehenden Rohstoffpreise beigetragen haben dürften. (APA/red, 29.9.2016)

Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsentwicklung dient der deutschen Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Prognosen. Beteiligt an dem Gutachten sind unter anderem das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle.

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