Masernfälle: Österreich auf Platz zwei in Europa

29. September 2016, 08:40
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Virenerkrankung auf dem amerikanischen Kontinent ausgerottet – Österreich-Zahlen für 2015 bedrückend

Luxemburg/Wien – Am Dienstag wurde die Eliminierung der Masern auf dem amerikanischen Kontinent bekanntgegeben. Doch in Europa und insbesondere Österreich grassiert die gefährliche Virusinfektion weiterhin. Die Zahlen aus Österreich für das Jahr 2015 sind im Europavergleich bedrückend, zeigte sich am Mittwoch bei einem Expertenseminar in Luxemburg mit Vertretern von 17 Staaten der EU beziehungsweise des Europäischen Wirtschaftsraums (EEA).

WHO-Europaregion: Mehr als 30.000 Masernfälle im Vorjahr

In den 53 Staaten der Europaregion der Weltgesundheitsorganisation mit 900 Millionen Einwohnern seien im Jahr 2007 noch 7.075 Masernfälle registriert worden, sagte der Laborspezialist Kevin Brown von Public Health England, der staatlichen britischen Organisation für öffentliche Gesundheit. Im Jahr 2015 dagegen waren es bereits 30.762 Masernfälle. Browns Forderung: "Die Antwort ist: 'Impfen, impfen, impfen'."

Jede fünfte Masernerkrankungen geht mit schweren Komplikationen einher, ein Großteil der Erkrankungen trifft ungeimpfte Kinder. Doch auch bei Jugendlichen und Erwachsenen gibt es deutliche Immunisierungslücken.

Österreich auf Platz zwei

Das trifft auch auf Österreich zu und zeigt sich im Vergleich zu anderen Staaten der EU/EEA-Region: Mit 35,3 gemeldeten Masernerkrankungen pro einer Million Einwohner lag Österreich 2015 hier an zweiter Stelle hinter Kroatien (51,6 pro Million Einwohner) und direkt vor Deutschland (30,5). In Tschechien waren es nur 0,9 Erkrankungen pro einer Million Menschen, in den Niederlanden gar nur 0,4.

"Dabei haben wir mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung eine sehr effektive Präventionsmaßnahme", so Brown. An sich sollten die Masern in Europa 2015 eliminiert sein. Es handle sich um eine der ansteckendsten Erkrankungen, eine Infektion zieht laut Brown im Durchschnitt 15 weitere nach sich. Das ist der Grund, warum sich zunächst lokale Ausbrüche schnell über Staaten und Kontinente ausbreiten können. Die Masern sind noch immer ein Fall für Notmaßnahmen, wenn es zum vermehrten Auftreten kommt.

Herdenschutz nur mit hoher Durchimpfungsrate möglich

Entscheidend sei, dass 95 Prozent der Menschen zwei MMR-Impfungen bekommen, allen voran die Kinder. "Bei der ersten Impfung erreichen wir die 95 Prozent, bei der zweiten nicht", so Brown. Bei einer Effektivität der Vakzine von wiederum etwa 95 Prozent ergibt sich nur durch die hohe Durchimpfungsrate jener "Herdenschutz", der ein Zirkulieren des Virus in der Bevölkerung unmöglich macht.

Eine zuletzt vom Gesundheitsministerium veröffentlichte Berechnung hat ergeben, dass in den vergangenen Jahren mehr als 95 Prozent der sechsjährigen Kinder in Österreich zumindest einmal gegen Masern geimpft wurden. Bei den Zwei- bis Fünfjährigen beträgt die Durchimpfungsrate jedoch nur 92 Prozent. Außerdem sind etwa zehn Prozent davon nur einfach anstatt zweimal geimpft.

Tausende Kinder in Österreich ungeschützt

"Konkret fehlen auf dieses Ziel (95-prozentige Durchimpfung zweimal, Anm.) aktuell pro Jahr fast 4.500 Kinder, die nicht geimpft sind, und fast 17.000 Kinder, die eine zweite Impfung benötigen", stellte das Ministerium fest. "Bei den Geburtsjahrgängen 2008 und 2010 bestehen niedrigere Durchimpfungsraten im Vergleich zu den Jahrgängen zuvor und danach." In Österreich lassen die Eltern ihre Kinder zu spät und zu wenig gegen die Masern impfen.

Der Impfplan Österreich sieht zwei Impfdosen im Abstand von vier Wochen ab dem vollendeten zehnten Lebensmonat vor. Das läuft für die Kinder vor allem über die MMR-Impfung im Rahmen des Gratis-Kinderimpfprogramms. Ungeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder und Erwachsene sollen fehlende Impfungen ehestmöglich nachholen, dasselbe gilt für Personen ohne Impfdokumentation. Die Vakzine erhalten sie kostenlos bei öffentlichen Impfstellen.

Das von der EU gesponserten Meeting in Luxemburg als "Consensus Workshop" von Public Health England und Spezialisten der schwedischen Umea-Universität soll nun Leitlinien zur Verhinderung des plötzlichen Auftretens gefährlicher Infektionskrankheiten erstellen. (APA, 29.9.2016)

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