Amnesty wirft Sudan Einsatz von Chemiewaffen in Darfur vor

29. September 2016, 10:54
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Satellitenbilder und Interviews ausgewertet

New York – Die sudanesische Regierung hat nach Angaben von Amnesty International in mindestens 30 Fällen Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Dadurch seien seit Jahresbeginn in der Krisenregion Darfur mindestens 200 bis 250 Menschen ums Leben gekommen, hieß es am Donnerstag in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Amnesty beruft sich auf die Auswertung von Satellitenbildern und Interviews. Die ausgewerteten Bilder und Videos zeigten schreiende, mit Brandblasen übersäte Kinder, die Blut spuckten und um Atem rangen, nachdem sie chemischen Giften ausgesetzt gewesen seien, erklärte die zuständige Amnesty-Vertreterin Tirana Hassan. Chemiewaffen-Experten zufolge legten die Beweise nah, dass es sich um Hautkampfstoffe wie Senfgas gehandelt habe.

Kriegsverbrechen

Der Einsatz von Chemiewaffen sei ein Kriegsverbrechen, sagte Hassan. Sie seien seit Jahrzehnten verboten, weil das Leid, das sie verursachten, durch nichts zu rechtfertigen sei. "Der Umstand, dass die sudanesische Regierung sie wiederholt gegen das eigene Volk einsetzt, kann einfach nicht ignoriert werden und verlangt ein Handeln."

In Darfur im Westen des ostafrikanischen Landes herrscht seit 13 Jahren Bürgerkrieg. Die Rebellen der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) werfen der Regierung die Unterdrückung der nicht-arabischen Bevölkerung vor. Erst Anfang 2016 startete die Regierung eine neue, groß angelegte Offensive gegen die SLA in der Bergregion Jebel Marra, in der die schwarzafrikanische Volksgruppe Fur lebt.

Dem Konflikt sollen bereits 300.000 Menschen zum Opfer gefallen sein, rund 2,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nach UNO-Angaben haben mehr als 80.000 Menschen in der Region allein seit 2016 ihr Zuhause verloren.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag wirft dem sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und hat bereits einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Viele arabische und afrikanische Staaten erkennen das Gericht und das Urteil in Den Haag allerdings nicht an. (APA/Reuters, 29.9.2016)

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