Wenn Löwinnen plötzlich Mähnen wachsen

2. Oktober 2016, 09:00
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Forscher beobachten fünf "vermännlichte" Löwenweibchen im Okavangodelta

Gaborone – Britische Forscher berichten im "African Journal of Ecology" von einem Phänomen, das zwar aus Einzelfällen bekannt, in seiner aktuellen Häufung in Botswana aber ungewöhnlich ist: Im Okavangodelta zeigen fünf Löwinnen nicht nur typisch männliches Verhalten wie verstärktes Brüllen oder Paarungsversuche mit anderen Weibchen – es wachsen ihnen auch Mähnen.

Von Löwen in Gefangenschaft weiß man, dass der Hormon- und insbesondere der Testosteronspiegel alle diese Faktoren beeinflusst. Kastrierte Männchen können ihre Mähne verlieren, umgekehrt wuchs 2011 einem Weibchen in einem südafrikanischen Zoo eine Mähne, nachdem aufgrund einer Erkrankung der Eierstöcke sein Hormonspiegel durcheinander geraten war. Nach seiner Gesundung verlor es die Mähne wieder.

Eigene Rolle gefunden

Die Forscher um Geoffrey Gilfillan vermuten, dass es sich bei den Löwinnen im Okavangodelta um verwandte Tiere mit einer genetischen Anomalie handelt, die zu einem erhöhten Testosteronspiegel führt. Laut Gilfillan sind diese Weibchen zwar unfruchtbar – darüberhinaus hätten sie jedoch keine gesundheitlichen Nachteile.

Offen bleibt die Frage, wie gut sie sich in die normalerweise klare Rollenverteilung innerhalb eines Löwenrudels einfügen – aber selbst das scheint zu funktionieren: Gilfillan konnte beobachten, wie eine dieser Löwinnen ein Zebra erbeutete und dieses an ein benachbartes Löwenrudel verlor. Daraufhin tötete sie zwei von dessen Jungen. Solcher Infantizid wird von Löwenmännchen oft ausgeübt, bei Weibchen hingegen ist er selten. Ihrem eigenen Rudel hat die Löwin damit – wenn auch auf eine grausame Weise – durchaus genützt. (red, 1. 10. 2016)

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