Kopfhörer: AKG-Werk in Wien schließt

28. September 2016, 12:42
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Die Traditionsmarke für Audioanlagen schließt ihr Werk in Wien. Betroffen sind 131 Mitarbeiter

Wien – AKG, die österreichische Traditionsschmiede für Kopfhörer, Mikrofone und Audioanlagen, schließt fast 70 Jahre nach ihrer Gründung ihre Wiener Produktionsstätte. Das teilte der US-amerikanische AKG-Eigentümer Harman der Belegschaft am Dienstag bei einer Betriebsversammlung mit. Betroffen sind 131 Mitarbeiter, die bis Juni 2017 schrittweise abgebaut werden sollen.

Als Grund für das Aus wird der verschärfte Wettbewerb auf dem Markt für Audiogeräte genannt. Gerade bei Automobilanlagen habe sich die Konkurrenz in den vergangenen Jahren verschärft, sagt ein Harman-Sprecher dem STANDARD.

Laut Barbara Teibel, Wiener Regionalgeschäftsführerin der zuständigen Gewerkschaft der Privatangestellten und SPÖ-Landtagsabgeordnete, soll nun ein möglichst guter Sozialplan für die Arbeitnehmer verhandelt werden. Viele seien über 50 Jahre alt und hätten eine schwierige Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.

Jahrelanger Mitarbeiterabbau

Die Aufgabe des Standorts hat sich abgezeichnet: Bereits seit Jahren geht die Zahl der Mitarbeiter deutlich zurück. Vor zehn Jahren waren noch mehr als 500 Personen in Wien beschäftigt. Schon 2009 mussten auf einen Schlag rund hundert von ihnen gehen, große Teile der Produktion wurden nach China verlagert.

Damals hieß es noch, man wolle mit den Einschnitten die langfristige Zukunft von AKG in Wien sichern. Nun verlagert die US-Mutter auch die am Standort verbliebenen Sparten Entwicklung und Service und die Fertigung von Audioanlagen für Autos sowie hochwertigen Kopfhörern und Mikrofonen ins Ausland.

Marke bleibt bestehen

Die Marke wird laut dem Unternehmenssprecher jedoch auch ohne österreichischen Produktionsstandort weitergeführt. In der Event- und Musikbranche genießt AKG noch immer einen guten Ruf, bestätigen Tontechnik-Experten im Gespräch mit dem STANDARD. In Design- und Vermarktungsfragen werden die Maßstäbe demnach aber von anderen Anbietern gesetzt. Laut Helmut Kienast, Studiengangsleiter Event Engineering an der New Design University St. Pölten, haben sich Anbieter wie Sennheiser und Shure mit Verträgen im Rock- und Pop-Bereich ein modernes Image aufgebaut. "Vor allem junge Leute kaufen zunehmend das, was auch ihre Stars benutzen", so Kienast.

Konkurrenz gibt es auch unter dem Dach des Eigentümers Harman selbst, einem global tätigen Konzern mit nach eigenen Angaben 11.000 Mitarbeitern. Übernommen hat er die AKG 1994, als sie schon einmal in argen Turbulenzen war. Noch früher hielt auch der ÖVP-Abgeordnete und Staatssekretär Josef Taus Anteile an der AKG. (Simon Moser, 28.9.2016)

Anmerkung: Der Artikel wurde überarbeitet.

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