Herrenwitze erzählen

3. Oktober 2016, 16:37
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Trotzdem lachen oder lohnende Witz-Enthaltsamkeit

foto: apa/afp/stache

Pro
von Andrea Schurian

Meine Güte, Katastrophe! Selbstbewusste Weiber, wohin der um seine Alleinstellungsmerkmale besorgte Mann auch blickt: Gleichberechtigt erklimmen sie – langsam, aber doch – auf wackeligen Karriereleitern prestigeträchtige Chefetagenhöhen. Und nun rutschen die emanzipierten Damen auch noch vergnügt ganz tief hinunter in die schlüpfrige Herrenwitze-Abteilung. So viel spaßungebremste Augenhöhe ist natürlich, ja, fast obszön.

Dämliches Gelächter über eine derbe Pointe? Manno! Das schwächt – die oho so herrliche (Scherz-)Potenz. Provokation ade! Vorbei die Zeiten, als Damen erröteten oder genervt die Augen rollten, wenn heitere (und angeheiterte) Männer ihre zotigen Wuchteln auspackten. Und jetzt?

Kriegen die Kerle rote Ohren und können nicht mehr schweinigeln, nur weil's den Frauen auch gefällt? Das wäre ja dann echt ein Scherz! Kollege Christoph P. hat natürlich recht: Herrenwitze sind in ihrer Schlichtheit von jeher für die Dummen. Und neuerdings auch für die Damen. Humor ist, wenn Mann trotzdem lacht.

Kontra
von Christoph Prantner

Das Einzige, was derzeit für den Herrenwitz spricht, ist seine akute Bedrohung als Kulturgut. Sein aktuelles Problem: Er ist ubiquitär. Nicht einmal ein "Es sind Damen anwesend!" kann dieser Tage die ärgsten Frivolitäten verhindern. Vor allem auch deshalb, weil eben die Damen (hihihi!) noch bei der allertiefsten Wuchtel beherzt mitkichern.

Meine Herren, was hat diese Emanzipation bloß aus dem anderen Geschlecht gemacht? Warum kann es den Hals nicht voll mit verschwitzten Schlüpfrigkeiten bekommen? Das geht neuerdings so weit, dass einige Redakteure unseres beliebten Familienblattes deshalb bereits über Gliederschmerzen und ein Derbheitsburnout klagen (Christian S.: "Pempern und pudern – aber schnackseln schon auch. Das wird mir schön langsam alles zu eindeutig!").

Zu retten ist die Sache eigentlich nur, indem der Herr Abstand vom Witz nimmt: hie der Mann, da der Schabernack. Hie der Gatte, da der Spaß. Das ist Garantie für trübe Stunden – und die Erneuerung des Herrenwitzes aus dem Geiste der Prüderie. Witz-Enthaltsamkeit, sie lohnt sich! (RONDO, 30.9.2016)

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