Ermüdungsbruch: Wenn der Knochen nicht mehr kann

5. Oktober 2016, 06:00
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Bei zu großer Belastung über längere Zeit kann der Knochen brechen. Auf Röntgenbildern ist die Verletzung oft nicht zu erkennen

Fußballspieler David Alaba hatte schon einen, Schifahrerin Lindsey Vonn auch: Sie und viele ihrer Kollegen mussten eine mehrwöchige Trainingspause einlegen, weil sie sich einen Ermüdungsbruch zugezogen hatten. Einen Knochenbruch also, der nicht durch Gewalt von außen auftritt, sondern durch eine Überlastung des Knochens über einen längeren Zeitraum, erklärt der Wiener Sportarzt Lukas Brandner.

Häufig treten solche Verletzungen bei Sportarten mit großer Stoßbelastung auf hartem Untergrund auf, beispielsweise beim Laufen. Oft trifft es das Schienbein oder einen Mittelfußknochen. Wie sich das anfühlt? "Es kann sich als ein schlagartiger Schmerz äußern", sagt Brandner. Meist würden Betroffene aber über einen schleichenden Schmerz klagen, der nicht mehr weggeht und bei Belastung stark und stechend wird.

Das Besondere an Ermüdungsbrüchen: "In der Anfangsphase sind sie am Röntgenbild häufig nicht zu sehen, weil sie so fein sind", sagt Brandner.

Aufhören bei Schmerzen

Wer Gewissheit haben will, muss zum MRT. Dort wird nicht nur der Haarriss im Knochen erkannt, sondern auch erste Vorstufen: Ein Knochenmarksödem nämlich, das sich bei anhaltender Belastung zu einem kleinen Sprung im Knochen weiterentwickelt. "Dem Sprung kann man dann mehr oder weniger beim Wachsen zuschauen, wenn die Leute nicht pausieren", sagt Unfallchirurg Christian Gäbler von der Sportordination. Dass der Knochen aber wirklich bricht, sei überaus selten.

Und solange das nicht der Fall ist, reicht eine Laufpause. Ist die Verletzung schwerer, sind Krücken oder ein Gips angesagt. Vier bis acht Wochen dauert es, bis die Verletzung verheilt. Für viele Hobby- und Profisportler ist eine solche aufgezwungene Trainingspause eine Katastrophe, berichtet Brandner: Alternativ können aber – je nach betroffener Körperstelle – andere Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen ausgeübt werden. Zudem kann sich ein Arzt die Verletzung regelmäßig anschauen: "Wenn es nicht mehr druckschmerzhaft ist und man das betroffene Körperteil wieder schmerzfrei voll belasten kann, dann ist der Knochen ausgeheilt."

Dauerhaft Schaden nimmt der Knochen von einem Ermüdungsbruch nicht: "Wenn der Knochen wieder richtig zusammenwächst, dann ist er so fest wie vorher", sagt Brandner. Problematisch sei es aber beispielsweise, wenn ein Mittelfußknochen zu lange ist und so die Belastung nicht gleichmäßig verteilt wird. So könnten immer wieder Ermüdungsbrüche an derselben Stelle auftreten.

Langsam steigern

Zur Vorbeugung empfehlen die Mediziner, auf den Körper zu hören: "Subjektiv weiß man sehr schnell, ob man im Übertraining ist oder nicht", sagt Brandner. Wichtig sei, den Umfang beim Training nur langsam zu steigern, sich gut aufzuwärmen und in gutes Schuhwerk zu investieren. "Und ein deutlich stechender Schmerz beim Sport ist immer ein guter Grund, aufzuhören und die Beschwerden abzuklären", sagt Brandner. Gäbler bemerkt in seiner Praxis saisonale Häufungen an Ermüdungsbrüchen: Hochsaison ist im Frühjahr, wenn Sportler nach der Winterpause zu schnell wieder ins Lauftraining einsteigen.

Er empfiehlt zur Vorbeugung und bei Bedarf, Vitamin D in Form von Tropfen oder Tabletten zu sich zu nehmen. "Denn mindestens 80 Prozent unserer Patienten mit Ermüdungsbrüchen haben einen Vitamin-D-Mangel." Dadurch kommt es zu einer Minderung der Knochenstabilität. Besonders Frauen sind durch hormonelle Umstellungen häufig betroffen. Der typische Patient sieht aber trotzdem anders aus, so Gäbler: "Die häufigsten Ermüdungsbrüche sehe ich in meiner Praxis nicht bei älteren Frauen, sondern bei 20- bis 30-jährigen Sportlern." (Franziska Zoidl, 5.10.2016)

  • Häufig treten Ermüdungsbrüche bei Sportarten mit großer Stoßbelastung auf hartem Untergrund auf. Relativ hoch ist das Risiko etwa beim Laufen.
    foto: reuters/issei kato

    Häufig treten Ermüdungsbrüche bei Sportarten mit großer Stoßbelastung auf hartem Untergrund auf. Relativ hoch ist das Risiko etwa beim Laufen.

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