Youtube-MP3: Musikbranche will Streamripping-Seite vom Netz nehmen

28. September 2016, 10:30
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Klage wegen mehrerer Copyright-Verstöße – Dienst wandelt Videos in MP3s um und soll 60 Millionen Nutzer pro Monat haben

Viele Labels und Künstler veröffentlichen neue Musikvideos längst nicht nur im Fernsehen, sondern auch online. Die beliebteste Plattform dafür dürfte wohl Googles Videodienst Youtube sein. Neben den Rechteinhabern gibt es aber auch viele private User, die offizielle und selbst kreierte Clips mit Musik hochladen. Durch das reichhaltige Angebot ist Youtube damit auch längst zu einer wichtigen Quelle für die Beschallung der eigenen vier Wände geworden.

Nicht nur das, viele Nutzer sollen mit Hilfe sogenannter "Streamripping"-Services die Inhalte auch lokal Speichern und weiterverwenden. Das erklärt jedenfalls die Musikindustrieund zieht nun vereint gegen einen dieser Anbieter, Youtube-MP3.org, zu Felde, berichtet Torrentfreak.

Streamripping soll Piraterie ausstechen

Der internationale Musikverband IFPI hat zuletzt eine Studie veröffentlicht, laut der mittlerweile die Hälfte aller 16- bis 24-jährigen User über solche Dienstleister urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterladen. Rein mengenmäßig sogar schon mehr, als von "Piratenseiten".

Streamripping-Services ermöglichen entweder den direkten Download von zum Streamen bereitgestellter Videodateien oder wandeln die Audiodaten um. Youtube-MP3 bietet es, wie der Name schon vermuten lässt, an, die Tonspur von Videos in Form von MP3s herunterzuladen.

Drei Verbände klagen

Die IFPI, die amerikanische RIAA sowie der britische Branchenverband BPI haben nun in Vertretung von Labels wie Warner, Sony und Atlantic, Klage wegen Copyrightverletzung eingereicht. Man bezeichnet Youtube-MP3 als weltweit und mit Abstand größten Anbieter seines Feldes, der 60 Millionen Besucher pro Monat erreichen soll.

Der Betreiber, eine deutsche Firma namens PMD Technologie, soll durch Werbung Millionenumsätze "auf dem Rücken der Industrie" verdienen. Der Traffic-Analysedienst Alexa zählt die Seite aktuell zu den 400 meistbesuchten Angeboten im Internet.

"Musikfirmen und digitale Dienste bieten Fans heute mehr Optionen denn je zuvor, legal Musik zu hören, wann und wo sie es wollen", heißt es. Hunderte Dienste mit Millionen von Songs im Angebot würden Labels und Künstler für ihre Arbeit entlohnen. "Streamripping-Seiten sollten nicht die Erlaubnis haben, dies zu gefährden."

Abschaltung und Domain-Herausgabe verlangt

Mit der Klage gegen Youtube-MP3 will man als "Maßnahme gegen den Online-Schwarzmarkt" daher einen Präzedenzfall schaffen. Der Dienst wird gleich wegen mehrerer Verstöße gegen das Urheberrecht vor Gericht gebracht – sowohl wegen direktem Bruch des Copyrights, der Erleichterung von Verstößen, als Erfüllungsgehilfe, Anstiftung dazu sowie der Umgehung technologischer Schutzmaßnahmen.

Außerdem begehrt man eine Verfügung, durch die der Betrieb des Streamripping-Services defacto eingestellt werden müsste, sowie die Herausgabe der Domain. Gleichzeitig ruft man auch Suchmaschinen, Werber und Hostingprovider auf, ihren Umgang mit diesen Seiten zu überdenken.

Einst im Visier von Google

Vor vier Jahren hatte Youtube-MP3 schon einmal Schlagzeilen gemacht. Damals war es allerdings nicht die Musikindustrie, sondern Google, das dem Betreiber mit Klage drohte und durch technische Maßnahmen die Verwendung des Dienstes zeitweilig behinderte. Gegründet wurden der Service und die dazugehörige Firma von Philip Matesanz, damals noch Student für Angewandte Informatik. Eine Online-Petition für die Zulassung von "Aufnahmetools von Drittanbietern" wurde damals von rund 4,4 Millionen Nutzern unterzeichnet.

Der WebStandard hat bei Matesanz um Stellungnahme zu der Klage angesucht, diese wird bei Vorliegen nachgereicht. (gpi, 28.09.2016)

  • Youtube-MP3.org ist der Musikbranche mittlerweile ein großer Dorn im Auge.
    foto: screenshot

    Youtube-MP3.org ist der Musikbranche mittlerweile ein großer Dorn im Auge.

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