BND ließ NSA offenbar jahrelang Kameras ausspionieren

28. September 2016, 09:57
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Der deutsche Geheimdienst soll schon 2004 gewusst haben, dass Hintertüren in Netbotz-Kameras existieren

In der Affäre rund um die enge Kooperation zwischen dem deutschen Geheimdienst BND und der NSA sorgen neue Enthüllungen für Aufregung. Offenbar wusste der BND seit 2004, dass der US-amerikanische Konzern NetBotz, der Überwachungskameras vertreibt, in seinen Produkten Hintertüren für die NSA eingebaut hatte. Das soll laut dem ARD-Magazin "Fakt" eine Quelle schon 2004 verraten haben. Der BND kontrollierte daraufhin eine NetBotz-Kamera und entdeckte, dass diese mit der NSA Kontakt aufnehmen wollte.

Keine Info an andere Behörden

Doch Konsequenzen zog der BND daraus nicht – und das, obwohl die Kameras offenbar auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern im Einsatz waren. Die Spionageabwehr des deutschen Verfassungsschutzes erfuhr nicht, dass NetBotz-Kameras der Überwachung durch US-Behörden Tür und Tor öffnen. Erst 2015 soll diese Information an andere deutsche Behörden gelangt sein.

In französischer Hand

Wie ein internes BND-Papier berichtet, soll NetBotz sogar versucht haben, 2005 von einer deutschen Firma übernommen zu werden. Laut Spiegel hätte das die US-Herkunft der Technologie "verschleiern" können. Die Firma soll auf Ausschreibungen von öffentlichen Stellen mit Kampfpreisen unter Marktdurchschnitt reagiert haben. 2007 wurde NetBotz von der französischen Firma Schneider Electric übernommen; der BND auch den französischen Partnerdiensten die NSA-Hintertür. (fsc, 28.9.2016)

  • Der BND verschwieg, dass Überwachungskameras von NetBotz von der NSA ausspioniert wurden
    foto: reuters/schwarz

    Der BND verschwieg, dass Überwachungskameras von NetBotz von der NSA ausspioniert wurden

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