"Ein Licht ist ausgegangen"

28. September 2016, 14:14
7 Postings

Papst, Clinton, Hollande, Trudeau, Prinz Charles und Königinmutter Beatrix haben sich angesagt – Politiker aus aller Welt würdigen Peres

Zum Begräbnis des israelischen Ex-Präsidenten Shimon Peres werden führende Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet. Aus Deutschland komme Bundespräsident Joachim Gauck, teilte das israelische Außenministerium am Mittwoch mit. US-Präsident Barack Obama und sein Außenminister John Kerry haben sich angekündigt.

Außerdem sollen unter anderem Papst Franziskus, Hillary und Bill Clinton, der französische Präsident François Hollande, der kanadische Präsident Justin Trudeau, der britische Kronprinz Charles und die niederländische Königinmutter Beatrix kommen. Mit dem Begräbnis wird am Freitag gerechnet.

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) wird Österreich offiziell beim Begräbnis von des früheren israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres am Freitag in Jerusalem vertreten. Dies geschieht in ihrer Funktion "Vorsitzende des Kollegiums in Ausübung der Funktionen des Bundespräsidenten", wie es am Mittwoch aus Bures Büro hieß. Begleitet wird sie dabei von Alt-Bundespräsident Heinz Fischer. Bures habe "ihren Freund Dr. Heinz Fischer ersucht, sie bei diesem Anlass zu begleiten". Auch Außenminister Sebastian Kurz wird beim Begräbnis anwesend sein.

Bures würdigte Peres als "einen ganz Großen". Dieser habe "sich in verschiedenen politischen Funktionen nicht nur beständig für die Sicherheit seines Landes, sondern auch für den friedlichen Ausgleich mit dem palästinensischen Volk und den Nachbarländern Israels eingesetzt", erklärte die Nationalratspräsidentin in einer Aussendung. "Sein Wirken bleibt Beispiel und Auftrag für alle, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen."

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat nach dem Tod von Peres ebenfalls Trauer ausgedrückt. "Peres war ein Partner im Friedensschluss der Mutigen mit dem verstorbenen Präsidenten Yasser Arafat", sagte Abbas am Mittwoch laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa. Peres habe bis zuletzt große Bemühungen für einen Frieden mit den Palästinensern unternommen.

Die Nachricht vom Tod des ehemaligen israelischen Präsidenten hat weltweit Bestürzung ausgelöst. US-Präsident Barack Obama würdigte den Verstorbenen als einen Freund, der seinen Traum vom Frieden niemals aufgegeben habe. "Es gibt wenige Menschen auf der Welt, die den Lauf der menschlichen Geschichte verändern", erklärte Obama in Washington. "Mein Freund Schimon war einer dieser Menschen."

"Ein Licht ist ausgegangen, aber die Hoffnung, die er uns gegeben hat, wird für immer brennen", so Obama. "Shimon Peres war ein Kämpfer für Israel, für das jüdische Volk, für Gerechtigkeit, für Frieden und für den Glauben, dass wir der besten Version unserer selbst treu bleiben können – bis zum Ende unserer irdischen Zeit und in dem Vermächtnis, das wir anderen überlassen."

In Berlin würdigte der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck neben dem Ringen des Verstorbenen um Frieden zwischen Israel und den Palästinensern vor allem seine Bereitschaft zur Versöhnung. "Trotz der Gräueltaten, die Deutsche an seiner Familie und seinem Volk während des Holocausts verübt hatten, reichte Shimon Peres uns die Hand. Für diese Haltung sind wir ihm von Herzen dankbar." Peres habe sein Leben in den "Dienst von Frieden und Versöhnung" gestellt, heißt es im Kondolenzschreiben Gaucks.

Frankreichs Präsident François Hollande hat Peres als "einen der glühendsten Verteidiger" des Friedens gewürdigt. Peres habe in der Schaffung eines Palästinenserstaats die einzige Garantie für eine sichere Zukunft Israels gesehen, hieß es in einer Mitteilung des Élysée-Palastes. "Er war ein Visionär, der seine Gesprächspartner mit seiner Fähigkeit beeindruckte, gewagte Initiativen und neue Ideen vorzuschlagen, um sich in Richtung dieses Ideals zu bewegen." Premierminister Manuel Valls nannte Peres auf Twitter "ein Gewissen der Menschheit".

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte Peres als "großen Staatsmann". Israel habe "einen seiner Gründungsväter und Deutschland einen hoch geschätzten Freund und Partner verloren", erklärte Steinmeier am Mittwoch. "Seine Verdienste um Israel, das Land der Überlebenden, das er mit aufgebaut und über lange Jahrzehnte mit Wort und Tat geprägt hat, lassen sich kaum ermessen." Peres habe sich "im festen Willen, Vergangenheit und Zukunft zu verbinden, für die einzigartige Freundschaft zwischen Israel und Deutschland eingesetzt".

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich tief betroffen gezeigt. Die Nachricht vom Tod Peres' erfülle ihn "mit tiefer Trauer", teilte Kurz am Mittwoch mit. Sein Tod sei ein "großer Verlust für Israel und für die ganze Welt". Peres habe immer nach Frieden gestrebt, sagte Kurz: "Präsident Peres war bekannt dafür, die Welt mit den Augen eines Optimisten zu sehen – und stets nach Frieden und Ausgleich zu suchen. Er hat die Geschicke Israels in den verschiedensten politischen Funktionen über Jahrzehnte mitgestaltet und so Israels Politik sowie Rolle in der Welt nachhaltig geprägt." Der Außenminister betonte weiter: "Es war für mich ein besonderes Privileg, mit diesem großen Staatsmann sowohl in Wien als auch in Jerusalem zusammentreffen zu können." Schimon Peres habe viele Menschen in Israel und auf der ganzen Welt inspiriert. (Reuters, APA, red, 28.9.2016)

Share if you care.