Von kaputten Mikrofonen und lautem Schniefen

27. September 2016, 17:29
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Sechs Beobachtungen aus dem ersten TV-Duell zwischen Clinton und Trump

· Verschwörung Trump, für seinen Hang zu Verschwörungstheorien bekannt, prophezeite vor der Wahl einmal mehr manipulierte Wahlen. Danach beschwerte er sich über sein angeblich kaputtes Mikrofon: "Ob das Absicht ist?".

· Fakten Es dauerte weniger als zwei Minuten, bis Trump beim Duell die Wahrheit verdrehte. So behauptete er, der US-Autohersteller Ford verlege seine Kleinwagenproduktion nach Mexiko (was stimmt) und nehme dafür den Verlust von Arbeitsplätzen in Kauf, was nicht stimmt: In Detroit sollen stattdessen größere Autos (SUVs, Pick-ups) produziert werden, selbst die US-Autogewerkschaft fürchtet keinen Jobabbau.

· Bildschirm Mit Politdebatten verhält es sich wie mit dem Job des Schiedsrichters: Man kann nur verlieren. Schließlich fällt meist vor allem jene Person auf, die mehr falsch macht. Trump fiel zwar anfänglich auf, weil er ungewohnt wenig falsch machte, doch bald verfiel er wieder in den gewohnt erratischen Modus. Clinton hingegen war gewohnt gut vorbereitet, gewohnt staatstragend, stellenweise wie gewohnt einen Tick zu steif. Der wahre Sieger des Abends aber war jene Person bei NBC News, auf die die Idee des Split-Screens zurückgeht: Volle 90 Minuten lang parallel beide Kandidaten im Blick zu haben, und damit auch deren Mimik während der Redezeit des jeweils anderen, sagt so viel mehr aus als so manches gesprochene Wort.

· Moderation Seltener zu sehen und zu hören war hingegen der Moderator der Debatte: Lester Holt griff kaum ein, korrigierte die eine oder andere Lüge, die Diskussion fand aber großteils ohne sein Zutun statt.

· Syrien Die wohl bemerkenswerteste Bilanz des Außenpolitikteils: Über den Bürgerkrieg in Syrien fiel nicht ein einziges Wort.

· #sniffle Die über Wochen aufgebauschte Debatte über Clintons Gesundheitszustand ist ganz plötzlich keine mehr. Stattdessen rätselt und witzelt das Netz über Trumps penetrantes Schniefen, das während der Übertragung sehr oft laut hörbar zu vernehmen war und auf Twitter für den populären Hashtag #sniffle sorgte.

joe blo

(Anna Giulia Fink, 27.9.2016)

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