Vom Umgang mit Rechten

Kolumne27. September 2016, 17:01
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Armin Thurnher entwirft einige bedenkenswerte Gebote, an die man sich halten sollte

Armin Thurnher, der Herausgeber des Falter, hat wieder ein gescheites Buch geschrieben: "Ach, Österreich! Europäische Lektionen aus der Alpenrepublik" (Zsolnay). Ein Kapitel beschäftigt sich mit der aktuellen Frage: "Wie geht man mit Rechtsextremisten und Faschisten um?"

Thurnher knüpft dabei unter anderem an der Hilflosigkeit liberaler Demokraten gegenüber der FPÖ und besonders Van der Bellens in der denkwürdigen unmoderierten TV-Debatte mit Norbert Hofer an. Er entwirft einige bedenkenswerte Gebote, an die man sich halten sollte:

"Du sollst dich nicht in den Diskurs von Rechtsextremen verstricken lassen. Du sollst Rechtsextreme nicht die Themen vorgeben lassen. Du sollst ihre Lügen und Schmähungen durchschauen."

In der Tat: Noch in jeder Diskussion, in der man versuchte, auf die Rechten argumentativ einzugehen, ihre Lügen sachlich zu zerpflücken, mühsame Aufklärungsarbeit zu leisten, blieben ihre demokratischen Gegner hilflos. Leute wie Donald Trump oder aber auch Norbert Hofer lachen über Fakten, verdrehen sie, ersetzen sie durch dreiste Lügen. Wenn sie nicht anders können, greifen sie zur Gesprächszerstörung: Trump verhöhnt den anderen wegen angeblicher körperlicher Schwächen. Hofer stellte seine Mineralwasserflasche vor sich und sagte zu Van der Bellen: "Schauen Sie. Da reden Sie mit der Flasche, weil die redet nicht zurück, das ist sicher spannender. Schauen Sie, schauen Sie her da!"

Diese von Verachtung triefende Zerstörung jeder zivilisierten Auseinandersetzung wurde von praktisch keinem Journalisten thematisiert. Es ist aber das beste und fast einzige Gegenmittel, die Übergriffe und Lügengebäude klar zu benennen.

Das heißt: sich nicht in einen Diskurs verstricken lassen, sich nicht auf das Gefechtsfeld des Gegners begeben. Sondern das lügnerische Verhalten des Gegenübers zum Thema machen. Wenn einer eine Verschwörungstheorie oder eine falsche Behauptung vorbringt – bestenfalls nur knapp auf die Widerlegung einlassen. Vor allem die Methode benennen: "Das ist schon wieder eine von den Verschwörungstheorien, die Sie uns da auftischen."

Ein Gedanke über Thurnhers Gebote hinaus muss aber lauten: Du sollst dir im Klaren sein, mit wem du es zu tun hast. Mit Rechtsextremen. Bestenfalls mit harten, autoritären und skrupellosen Rechten.

Liberale Demokraten sind es gewohnt zu differenzieren, anderen "the benefit of the doubt" zu geben. Viele gemäßigte Bürger können sich trotz gegenteiliger Evidenz gar nicht vorstellen, wie radikal der Gegner ist.

Du sollst wissen, dass alle relativierenden und verharmlosenden, von einem Teilverständnis getragenen Betrachtungsweisen von Rechtsextremen sinnlos sind.

Selbst dort, wo du die Kritik teilst – Machtkartell des "Establishments", problematische Zuwanderungsentwicklung etc. – muss klar sein: Die "Lösungen" der Rechten sind nicht rechtsstaatlich, nicht demokratisch und vor allem wirkungslos, ja schädlich. Sie sind ausformulierte Hasspostings, mehr nicht. Die Radikalen (Rechte wie Linke, aber Letztere gibt's kaum bei uns) haben nicht "irgendwo auch recht". Niemals. (Hans Rauscher, 27.9.2016)

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