Schulreform: Gewerkschaft, Pfründe und Marie-Wolke

Kolumne28. September 2016, 09:00
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Es stimmt: Eine Schulreform ist nur ohne Lehrerinnengewerkschaften möglich

Das war wie für mich aufgelegt: Jawohl, Herr IHS-Forscher Lorenz Lassnigg, Sie haben so was von recht, wenn Sie im STANDARD meinen, dass eine echte Schulreform nur unter "Außenvorlassung" der Lehrerinnengewerkschaften möglich ist. Sag ich selber seit 20 Jahren.

In meinem neuen Buch "Best of Schule" klingt das so: "Machen Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Bildung endlich zur Chefsache! Setzen Sie eine parteiunabhängige Task-Force Schule ein, mit dabei: Industriellenvereinigung und Arbeiterkammer, Wirtschaftsbund und Arbeitsmarktservice, Leute aus der Elementar-, Hort- und Inklusionspädagogik, den PHs und den Unis, sprich handverlesene Pädagoginnen und andere Fachleute, die sich übrigens in der Bildungsplattform 'Neustart Schule' eh längst zusammengefunden haben." Dann nenne ich ein paar Namen und schreibe wörtlich: "Definitiv NICHT Teil dieser Kommission sind" – jetzt kommt's! – "die Bildungssprecher diverser Parteien sowie Lehrerinnengewerkschaften, Elternvereine, Schüler- oder Hochschülervertretungen et cetera, und zwar wegen dringenden Verdachts der Befangenheit sowie ausgeprägten Hangs zur Bewahrung von Pfründen."

Sollte jetzt jemand herauslesen, dass ich gegen Gewerkschaften bin und Betroffene nicht mitreden lassen will: falsch herausgelesen. Hoch die Gewerkschaft, sie leistet, medial unbedankt, für 100.000 Lehrerinnen großartige Knochenarbeit.

Wenn Sie aber herauslesen, dass ich so manchen Gruppen und Berufsgruppen unterstelle, von Teilen der Gewerkschaft leider unterstützt, nur den eigenen Vorteil im Sinn zu haben statt zum Beispiel die Kinder – und zwar alle Kinder, nicht nur Marie-Wolke und Marc-Laurin, wenn Sie verstehen, was ich meine –, dann haben Sie richtig herausgelesen. Sollten Sie also, Herr Dr. Lassnigg, jemanden brauchen, der sich zu Ihnen in den Shitstorm stellt: Hier ist meine Hand!

Und weil ich jetzt schon beim Händeschütteln bin: Seit dieser Woche läuft im Programmkino (Metro) die Doku "Der zornige Buddha". Inhalt: Roma-Kinder in Ungarn und die Schule. Ein ganz feiner österreichischer Film, wirklich ein ganz feiner ...

  • Die Gewerkschaft sollte bei der Schulreform nicht mitreden dürfen, findet Niki Glattauer.
    foto: apa/dpa/jonas güttler

    Die Gewerkschaft sollte bei der Schulreform nicht mitreden dürfen, findet Niki Glattauer.

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