"Seasons After Fall" im Test: Ein Spiel, so schön wie ein Kinderbuch

9. Oktober 2016, 11:00
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Der Rätsel-Plattformer "Seasons After Fall" ist ein zauberhaftes Abenteuer – auch für Erwachsene

Über den Begriff "gute Grafik" lässt sich trefflich streiten. Während manche in diesem Zusammenhang stur von Polygonzahlen, Shadermodellen, Auflösung und "Fotorealismus" schwadronieren, bleiben andere näher dran am Wortsinn: Grafik ist immerhin nicht nur die Gesamtheit vom Computer errechneter Pixel, sondern, viel grundsätzlicher, eine "künstlerische Zeichnung oder ein mithilfe eines künstlerischen Verfahrens hergestellter Druck". "Seasons After Fall" (Windows, 14,99 Euro) erinnert in seinen Bildern von Wäldern, Tieren und Landschaften optisch und atmosphärisch an große Meister der Kinderbuchillustration, belebt seine Welt aber auch durch stimmige Animation und liebevolle Details. "Gute Grafik" – allerdings.

Auch die Geschichte des Rätsel-Plattformers passt zu diesem Kontext: Als Waldgeist übernehmen Spielerinnen und Spieler die Kontrolle über einen kleinen Fuchs, der das Gleichgewicht in einer magischen Natur wieder herstellen muss. Wer "Seasons After Fall" nun für einen spielerischen Verwandten des äußerlich ähnlichen "Ori and The Blind Forest" hält, irrt allerdings: Im Gegensatz zum knochenharten Präzisions-Gameplay des österreichischen Indie-Hits ist im französischen Waldspaziergang entspanntes Rätseln angesagt.

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Fuchs mit vier Jahreszeiten

In der offen erforschbaren 2D-Welt ist vor allem das Spiel mit den Jahreszeiten zentral. Auf Knopfdruck lässt sich zu Beginn zwischen zwei, im weiteren Spielverlauf zwischen allen vier Jahreszeiten wechseln. Nur durch geschicktes Kombinieren der sich dadurch ergebenden Veränderungen in der Umgebung wird der weitere Weg frei – Wasserfontänen gefrieren zu Eis und lassen sich erklimmen oder Pilze sprießen auf bislang unüberwindlichen Kletterpassagen, wenn der entsprechende Jahreswechsel stattfindet. Aus diesem einfachen Konzept entwickelt "Seasons After Fall" eine sanft in der Schwierigkeit ansteigende Rätselreise, die etwa fünf Stunden angenehm herausfordert, ohne allzu knifflige Kopfnüsse aufzugeben.

Heftige Geschicklichkeitsprüfungen oder gefährliche Gegner stehen ebenfalls nicht auf dem Programm, lediglich die Orientierung in der umfangreichen Waldwelt kann sich mangels Karte zeitweise als herausfordernd herausstellen. Bei der Schönheit der Welt und all den liebevollen Details ist aber auch das wiederholte Erforschen dieser Welt mit den jeweils neu errungenen Fähigkeiten keine wirkliche Strafe, sondern dank versteckter, erst später auffindbarer Secrets unterhaltsam.

Die sympathisch erzählte Geschichte, die originelle Spielmechanik und vor allem die gelungene Präsentation machen "Seasons After Fall" zum bildhübschen Kinderbuchabenteuer auch für Erwachsene. (Rainer Sigl, 9.10.2016)

"Seasons After Fall" ist für PC erschienen. Die Versionen für PS4 und Xbox One folgen 2017. UVP: 14,99 Euro

Im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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Seasons After Fall

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