Laut Gutachten: Umbau von Wiener "Glaspalast" wäre günstiger gewesen

27. September 2016, 12:50
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"Presse" und "Krone" zitieren aus Papier – WSE: Bestehendes Gebäude entspricht nicht "modernen baulichen Gegebenheiten" – Umbau wäre außerdem mit großem statischen Risiko verbunden

Wien – Aufregung um Harry Glücks "Glaspalast" in der Wiener Rathausstraße: Der leer stehende Bürobau, der sich im Eigentum der Wien Holding befindet, soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Laut einem den Zeitungen "Presse" und "Krone" zugespielten Gutachten wäre aber ein Umbau günstiger gekommen. Die mit dem Projekt betraute Wiener Standortentwicklung GmbH (WSE) sieht das anders.

"Die Baukosten der Variante Umbau liegen im Mittel um ca. 6,5 Mio. Euro bzw. 20 Prozent niedriger als jene der Variante Neubau", wird in den Dienstag-Ausgaben der Tageszeitungen aus einem internen Gutachten, das im Auftrag der Wien Holding und der MA 34 (Bau- und Gebäudemanagement) erstellt worden war, zitiert. Für die Sanierung wären dieser Untersuchung zufolge 19,6 bis 29,4 Millionen Euro zu veranschlagen, für einen Neubau 27,8 bis 37,2 Millionen Euro.

Dem entgegnete ein Sprecher der WSE auf APA-Nachfrage, dass das bestehende Gebäude modernen baulichen Gegebenheiten nicht mehr entspreche. So seien beispielsweise die Deckenhöhen, Belichtung oder die Fluchtwege nicht mehr zeitgemäß. Überdies wären bei der Sanierung große Eingriffe in die Statik notwendig gewesen – was mit einem entsprechenden Risiko verbunden wäre. Dies sei auch im Gutachten vermerkt gewesen. Überdies habe man sich letztlich auch ob der leichteren Vermietbarkeit für einen Neubau entschieden.

Einvernehmen mit Architekten

Die Wien Holding argumentierte bereits bei der Bekanntgabe des Abrisses, dass der 1980 entstandene Bürowürfel den modernen Anforderungen nicht mehr entspreche. Die Schleifung passiere außerdem im Einvernehmen des Architekten, hieß es damals.

Laut den beiden Tageszeitungen handelt es sich bei den Unterlagen um ein "geheimes Gutachten". Laut WSE-Sprecher sei das Papier nicht veröffentlicht worden, aber Beilage beim Gemeinderatsbeschluss zum Baurechtsverfahren gewesen.

In dem markanten Gebäude in der Rathaushausstraße hat sich einst das städtische Rechenzentrum befunden. Nun ist ein neues Büro-und Geschäftshaus mit Tiefgarage geplant. Dieses Projekt soll mit Hilfe eines Investors realisiert werden. Dieser wird gerade im Rahmen eines internationalen, zweistufigen Verkaufsverfahrens gesucht. "Das Interesse ist sehr groß", berichtete der WSE-Sprecher. Auch einige namhafte Immobilienentwickler hätten Interesse bekundet.

Die Interessensbekundungen würden nach der Deadline geprüft. In einer zweiten Runde müssen dann verbindliche Angebote abgegeben werden. Bis Ende des Jahres soll ein Investor gefunden werden. Die Stadt Wien bleibt aber jedenfalls auch weiterhin Eigentümerin der Liegenschaft. Im Fall eines Zuschlags wird entweder das Baurecht oder die zur WSE gehörende Projektgesellschaft, die das Baurecht innehat verkauft. Die WSE steht im Eigentum der städtischen Wien-Holding. Sollte kein adäquater Investor gefunden werden, gebe es "immer noch die Option der Eigenumsetzung", so der Sprecher. (APA, 27.9.2016)

  • Das abzureißende Gebäude hätte günstiger revitalisiert werden können, heißt es in einem Gutachten.
    foto: heribert corn

    Das abzureißende Gebäude hätte günstiger revitalisiert werden können, heißt es in einem Gutachten.

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