Unfälle durch Handys am Steuer: Italien will hart durchgreifen

27. September 2016, 12:36
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Stärkere Kontrollen durch Polizei und Kampagnen des Automobilverbands gestartet

Rom – Drei Viertel der Unfälle auf italienischen Straßen werden von Ablenkung durch Smartphones verursacht. Das Probleme hat damit eine bisher nicht geahnte Dimension angenommen, geht aus einer Studie des Automobilverbands ACI hervor. Mit strengeren Kontrollen, der Beschlagnahmung von Smartphones und mit Kampagnen zur Steigerung des Problembewusstseins will Italien das Phänomen bekämpfen.

In Turin werden Smartphones und Tablets von Autofahrern, die Unfälle verursacht haben, beschlagnahmt. Damit soll festgestellt werden, ob der Lenker unmittelbar vor dem Unfall mit dem elektronischen Gerät hantiert hat. In Florenz sind Zivilstreifen im Einsatz, um Autofahrer mit Smartphones in der Hand zu erwischen und zu bestrafen. In Bari werden Lasergeräte eingesetzt, die Bilder von Autofahrern mit Smartphones in der Hand schießen. Mit dem sogenannten Telelaser sind Strafen dann garantiert.

30.094 Strafen wurden zwischen Jänner und Ende August dieses Jahres auf den italienischen Straßen eingehoben, weil Autolenker mit dem Handy in der Hand unterwegs waren. Das sind 26,6 Prozent mehr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015. "Mit einem massiveren Einsatz der Telelaser werden sich die Strafen jedoch drastisch vermehren", heißt es seitens der Polizei nach Angaben der in Rom erscheinenden Tageszeitung "La Repubblica". Verkehrssicherheitsexperten drängen die Smartphone-Produzenten, ein System einzuführen, das die Nutzung der Geräte während der Fahrt einschränkt. Die Hersteller wehren sich jedoch dagegen.

Früher diente das Handy allenfalls zum Telefonieren, doch mit zunehmender Digitalisierung und verbesserter Technik sind die Geräte zum ständigen Begleiter von Autofahrern geworden. Immer mehr Autofahrer verschicken SMS, lesen E-Mails, chatten auf Sozialen Netzwerken oder machen Selfies. Dabei richten sie mehrere Sekunden lang den Blick von der Straße, was oft dramatisch endet. "Zehn Sekunden ohne auf die Straße zu schauen: Bei 40 km/h fährt man circa 110 Meter, dabei kann alles Mögliche geschehen", warnte der Sicherheitsexperte des Automobilverbands, Enrico Pagliari.

Der ACI startet eine Kampagne für mehr Sicherheit am Steuer. "Wenn Ihr mit 100 km/h fährt, schließt Ihr die Augen?", lautet der Slogan der Kampagne, die zum Großteil im Internet geführt wird. Damit will man vor allem Autofahrer unter 26 Jahre – die eifrigsten Smartphone-Nutzer – ansprechen. Die Polizei steht der Initiative eher skeptisch gegenüber. Ähnliche Kampagnen in anderen europäischen Ländern hätten bisher wenig gebracht. (APA, 27.9.2016)

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