Nestroy-Preise an Frank Castorf, Harald B. Thor und Yael Ronen

27. September 2016, 10:55
6 Postings

36 Nominierte und drei bereits feststehende Preisträger für Verleihung am 7. November im Ronacher

Wien – Der deutsche Theatermacher Frank Castorf erhält 2016 den Nestroy-Preis für sein Lebenswerk. Der 65-Jährige gehört zu jenen drei bereits fixierten Preisträgern, die am Dienstag vom Wiener Bühnenverein bekannt gegeben wurden. Der Autorenpreis geht demnach an Yael Ronen für "Lost and Found" am Volkstheater; die "Beste Ausstattung" lieferte Harald B. Thor für "Wassa Schelesnowa" am Burgtheater.

Die 17. Verleihung der Theaterpreise findet am 7. November im Ronacher statt und wird heuer von Steffi Krautz und Markus Meyer moderiert. Das Buch dafür schreibt Hans Rauscher, der "weder Wahlkampf noch Nestroy, weder Populismus noch Internet, weder Demokratie noch das Fehlen derselben" auslassen werde, verspricht Volkstheater-Intendantin Anna Badora, die heuer die Schirmherrschaft der Gala innehat, in einer Aussendung.

13 Nominierungen für das Burgtheater

Gleich 13 von 36 Nominierungen (in zehn Kategorien) verzeichnet heuer das Burgtheater. Dabei sticht vor allem John Hopkins "Diese Geschichte von Ihnen" in der Inszenierung von Andrea Breth am Akademietheater hervor: Sowohl August Diehl als auch Nicholas Ofczarek sind als beste Schauspieler nominiert (genauso wie Michael Maertens für "Der Revisor), Andrea Breth selbst ist im Rennen für die beste Regie. Zwei Burg-Aktricen sind Anwärterinnen für den Preis für die beste Schauspielerin (Stefanie Dvorak für "Die Präsidentinnen" und Caroline Peters für "Bella Figura). Auch der "beste weibliche Nachwuchs" könnte aus der Burg kommen, hier ist Marie-Luise Stockinger ("Drei Schwestern") nominiert, auf männlicher Seite geht Tino Hillebrand ("dosenfleisch") ins Rennen. Zweimal ist das Burgtheater schließlich in der Kategorie "Beste Nebenrolle" vertreten, nämlich Joachim Bißmeier ("Endspiel") und Martin Reinke ("Die Wiedervereinigung der beiden Koreas").

Das Volkstheater ist heuer vier Mal auf der Nominierungsliste, darunter mit Stefanie Reinsperger als "Beste Schauspielerin" in Handkes "Selbstbezichtigung" im Volx/Margareten und Rainer Galke als "Bester Schauspieler" in "Alte Meister"; beide Stücke inszenierte Dusan David Parizek, der allerdings in der Kategorie "Regie" leer ausging. Hier konkurrieren mit Breth Jan-Christoph Gockel mit "Imperium" (Schauspielhaus Wien) und Anna Bergmann für "Fräulein Julie" (Theater in der Josefstadt). "Fräulein Julie" sorgte auch für eine Nominierung für Sona MacDonald und Florian Teichtmeister in den Schauspielkategorien, Siegfried Walther ist für die Kammerspiele-Produktion "Menschen im Hotel" für die "Beste Nebenrolle nominiert. Auf drei Nominierungen bringt es heuer das Theater der Jugend in den Kategorien "Bester Nachwuchs weiblich" (Mieke Biendara in "Netboy") und "Bester Nachwuchs männlich" (Luka Dimic und Meo Wulf in "Tschick").

Keine Jury, sondern das Publikum entscheidet traditionell über die Vergabe des Nestroy-ORF III-Publikumspreises, für den wieder zwölf Schauspieler zur Wahl stehen: Sandra Cervik, Michael Dangl, Gerti Drassl, Günter Franzmeier, Nikolaus Habjan, Markus Meyer, Joachim Meyerhoff, Petra Morzé, Caroline Peters, Stefanie Reinsperger, Erwin Steinhauer und Birgit Stöger. Die Online-Abstimmung startet am 14. Oktober auf www.orfdrei.at. ORF III übertragt dann auch die Verleihung am 7. November ab 20:15 Uhr zeitversetzt in voller Länge. (APA, 27.9.2016)

Link

Nestroy-Preis

Die Preise und Nominierungen

LEBENSWERK: Frank Castorf

BESTES STÜCK – AUTORENPREIS: Yael Ronen für "Lost and Found" Uraufführung, Konzept und Inszenierung von Yael Ronen und Ensemble, Volkstheater

BESTE AUSSTATTUNG: Harald B. Thor für "Wassa Schelesnowa" von Maxim Gorki, Burgtheater

BESTE SCHAUSPIELERIN

- Stefanie Dvorak als Mariedl in "Die Präsidentinnen" von Werner Schwab, Akademietheater

- Claudia Kottal für die Gestaltung von sieben Figuren in "Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen" von Robert Hewett, deutschsprachige Erstaufführung, Kosmostheater

- Sona MacDonald als Julie in "Fräulein Julie" von August Strindberg, Theater in der Josefstadt und als Sie in "Blue Moon" von Torsten Fischer und Herbert Schäfer, Kammerspiele

- Caroline Peters als Andrea in "Bella Figura" von Yasmina Reza, Akademietheater

- Stefanie Reinsperger in "Selbstbezichtigung" von Peter Handke, Volx/ Margareten (Volkstheater)

BESTER SCHAUSPIELER

- August Diehl als Baxter in "Diese Geschichte von Ihnen" von John Hopkins, Akademietheater

- Rainer Galke als Irrsigler in "Alte Meister" von Thomas Bernhard, Bühnenfassung und Inszenierung von Dusan David Parizek, Volkstheater

- Michael Maertens als Anton Antonowitsch in "Der Revisor" von Nikolaj Gogol, Burgtheater

- Nicholas Ofczarek als Johnson in "Diese Geschichte von Ihnen" von John Hopkins, Akademietheater

- Florian Teichtmeister als Jean in "Fräulein Julie" von August Strindberg, Theater in der Josefstadt

BESTE NEBENROLLE

- Gabor Biedermann als Jewgenij in "Iwanow" von Anton Tschechow, Volkstheater

- Joachim Bißmeier als Nagg in "Endspiel" von Samuel Beckett, Salzburger Festspiele in Koproduktion mit dem Akademietheater

- Mavie Hörbiger als Smeraldina in "Der Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni, Burgtheater

- Martin Reinke für die Verkörperung von sechs Figuren in "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas" von Joel Pommerat, Akademietheater

- Siegfried Walther als Kringelein in "Menschen im Hotel" von Vicki Baum, Bühnenfassung von Anna Bergmann, österreichische Erstaufführung, Kammerspiele

BESTE REGIE

- Anna Bergmann mit "Fräulein Julie" von August Strindberg, Theater in der Josefstadt

- Andrea Breth mit "Diese Geschichte von Ihnen" von John Hopkins, Akademietheater

- Jan-Christoph Gockel mit "Imperium" nach dem Roman von Christian Kracht, Bühnenfassung von Jan-Christoph Gockel und Tobias Schuster, österreichische Erstaufführung, Schauspielhaus Wien

BESTER NACHWUCHS WEIBLICH

- Mieke Biendara als Marie in "Netboy" von Petra Wüllenweber, Theater der Jugend

- Julia Gräfner als Caliban in "Der Sturm" von William Shakespeare, Schauspielhaus Graz

- Marie-Luise Stockinger als Irina in "Drei Schwestern" von Anton Tschechow, Burgtheater

BESTER NACHWUCHS MÄNNLICH

- Luka Dimic als Tschick in "Tschick" von Wolfgang Herrndorf, Bühnenfassung von Robert Koall, Theater der Jugend

- Tino Hillebrand als Rolf in "dosenfleisch" von Ferdinand Schmalz in Kooperation mit den Autorentheatertagen Berlin, Akademietheater

- Meo Wulf als Maik Klingenberg in "Tschick" von Wolfgang Herrndorf, Bühnenfassung von Robert Koall, Theater der Jugend

SPEZIALPREIS

- "Das Kapitalismustribunal" – sieben Gerichtstage mit Anklagen gegen den Kapitalismus, Haus Bartleby, brut Wien

- "Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene" eine Produktion der "Schweigenden Mehrheit", Inszenierung von Tina Leisch und Bernhard Dechant mit 40 schutzsuchenden DarstellerInnen aus dem Lager Traiskirchen

- "Wir Hunde / Us Dogs" Uraufführung und Inszenierung von SIGNA (Signa und Arthur Köstler), in Koproduktion mit den Wiener Festwochen und dem Volkstheater, Probebühne des Volkstheaters

BESTE OFF-PRODUKTION

- "Bluad, Roz und Wossa" Uraufführung und Inszenierung von Christian Suchy, frei nach "Romeo und Julia" von William Shakespeare, TAG

- "In weiter Ferne" von Caryl Churchill, Inszenierung von Ingrid Lang, Theater Nestroyhof Hamakom

- "Kein Stück über Syrien" von aktionstheater ensemble, Konzept und Inszenierung von Martin Gruber, Uraufführung in Kooperation mit WERK X

BESTE DEUTSCHSPRACHIGE AUFFÜHRUNG

- "Ein Käfig ging einen Vogel suchen" nach Texten von Franz Kafka, Inszenierung von Andreas Kriegenburg, Deutsches Theater Berlin

- "Engel in Amerika" von Tony Kushner, inszeniert von Simon Stone, Theater Basel

- "Schiff der Träume" ein europäisches Requiem nach Federico Fellini, inszeniert von Karin Beier, Schauspielhaus Hamburg

BESTE BUNDESLÄNDER-AUFFÜHRUNG

- "Kasimir und Karoline" von Ödön von Horváth, inszeniert von Dominic Friedel, Schauspielhaus Graz

- "Lavant!" ein Theaterprojekt zum 100. Geburtstag Christine Lavants von Bernd Liepold-Mosser und Ute Liepold, Stadttheater Klagenfurt

- "Lichter der Vorstadt" von Aki Kaurismäki, Fassung und Inszenierung von Alexander Charim, Landestheater Niederösterreich

Share if you care.