Bioprodukte entzweiten Alnatura und dm

27. September 2016, 09:47
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Götz Werner und Götz Rehn waren lange ein Herz und eine Seele: Jetzt streiten sie vor Gericht um einen Vertrag aus den 1980er-Jahren

Darmstadt – Lange Zeit schien es, als passe kein Blatt zwischen die Gründer der deutschen Handelsunternehmen Alnatura und dm. Jahrzehntelang fanden sich die Produkte des Biolebensmittel-Herstellers Alnatura in den Regalen der Drogeriemarktkette dm. Inzwischen setzt dm vermehrt auf eine eigene Linie mit Bioprodukten. Mit der Harmonie zwischen Götz Werner (dm) und Götz Rehn (Alnatura) ist es seither vorbei.

Gleich zweimal sind die verschwägerten Firmenchefs gegeneinander vor Gericht gezogen. Vor dem Landgericht in Darmstadt soll diesen Dienstag weiterverhandelt werden – in dem Zivilprozess geht es um einen Kooperationsvertrag aus den 1980er-Jahren -, in dem anderen Fall geht es vor dem Oberlandesgericht Frankfurt erst 2017 weiter.

Was war Auslöser für den Streit?

Eine eigene Bio-Linie, die dm vor einiger Zeit gestartet hat. Rund 200 Alnatura-Produkte verschwanden deshalb bis Ende vergangenen Jahres aus den Regalen der Drogeriekette. Nach Alnatura-Angaben wird bis Ende 2016 sogar fast das gesamte Sortiment bei dm ausgelistet sein. Alnatura sucht auch deshalb nach neuen Vertriebsmöglichkeiten.

Warum landete der Streit vor Gericht?

Es besteht ein Kooperationsvertrag zwischen den beiden Unternehmen aus den 1980er-Jahren. Dieser Vertrag sichert dm unter anderem Mitspracherechte bei der Auswahl neuer Vertriebspartner zu. Nachdem zahlreiche Alnatura-Produkte aus den dm-Regalen genommen wurden, sieht sich der Biolebensmittel-Hersteller nicht mehr an den Vertrag gebunden. dm besteht jedoch auf der Einhaltung des Vertrags und hat Alnatura vor dem Landgericht in Darmstadt verklagt. Parallel dazu hat dm-Gründer Werner seinen Schwager noch ein zweites Mal vor Gericht gebracht.

Worum geht es in diesem Fall?

Werner verlangt von Rehn die Markenrechte an Alnatura. Dieser Fall wird in Frankfurt verhandelt. Der dm-Gründer argumentiert damit, dass Alnatura nur durch dm erfolgreich geworden sei. Das Landgericht Frankfurt hat die Klage in erster Instanz aber abgewiesen. Werner legte Berufung beim Oberlandesgericht ein, verhandelt werden soll aber erst im Februar 2017.

Kommentieren die Unternehmen den Verlauf der Verfahren?

Nein. Eine Alnatura-Sprecherin sagte, es handle sich um zwei "äußerst unangenehme Rechtsstreite", die völlig unnötig seien. "Wir finden das bedauerlich." Zu laufenden Verfahren wolle man sich aber nicht weitergehend äußern. Auch dm lehnte eine nähere Stellungnahme ab.

Warum hat dm überhaupt eine eigene Bio-Linie gestartet?

Dazu sagt dm offiziell nur wenig. Man richte sich bei der Gestaltung des Sortiments nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden, heißt es in einem Statement des Vorsitzenden der dm-Geschäftsführung, Erich Harsch. Die positive Rückmeldung der Kunden zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich der Drogeriewarenhändler durch die Eigenmarke auch eine größere Marge verspricht – es lässt sich also damit wohl mehr Geld verdienen.

Wie hat Alnatura auf die Auslistung reagiert?

Indem sich das Unternehmen nach Alternativen zum Vertrieb bei dm bemüht. Alnatura intensivierte den Online-Handel, weitete das Geschäft in Österreich und der Schweiz aus und ging eine Vertriebspartnerschaft mit dem größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka ein. Die Zahl der Verkaufsstellen für Alnatura-Produkte im In- und Ausland verdoppelte sich so im Geschäftsjahr 2014/2015 auf 7500. Alnatura betreibt seit dem Beginn in den 1980er-Jahren auch eigene Filialen – inzwischen sind es 106. Seit 4. Oktober gibt es die Produkte darüber hinaus auch beim dm-Konkurrenten Müller zu kaufen. (APA, 27.9.2016)

  • Alnatura sucht neue Wege.
    foto: apa/dpa/gebert

    Alnatura sucht neue Wege.

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