Spanischer Konservativer mit Kokainkumpel

26. September 2016, 18:58
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In Galicien hat sich Ministerpräsident Alberto Núñez Feijóo als Zukunftshoffnung der spanischen Rechten erwiesen

Für einen spanischen Konservativen ist es die politische Kür: Just in der Heimatregion von Premier Mariano Rajoy, Galicien, hat sich der dortige Ministerpräsident Alberto Núñez Feijóo als Zukunftshoffnung der spanischen Rechten erwiesen. Zum dritten Mal in Folge errang der PP bei den Wahlen am Sonntag mit dem 55-Jährigen aus Orense an der Spitze die absolute Mehrheit. 47,53 Prozent der Wählerinnen und Wähler schenkten ihm ihr Vertrauen.

Einer seiner Trümpfe ist, dass Núñez Feijóo als "Galleguist" überzeugter Verteidiger der kulturellen und sprachlichen Eigenheiten Galiciens ist. Dort also, wo in den vergangenen Dekaden eine mitunter militante Unabhängigkeitsbewegung aktiv ist. Doch der Galicische Nationalistische Block (BNG) bleibt politisch ein Fliegengewicht, verglichen mit den Nationalisten Kataloniens oder der Basken.

Spaniens Leitmedien handeln ihn gar als potenziellen Nachfolger Rajoys in Madrid. Dabei war Politik eigentlich seine zweite Wahl, strebte Núñez Feijóo als Jusabsolvent doch ursprünglich das Richteramt an. Er gilt als ehrlich, ernsthaft und fleißig – was ihn einerseits zu einer regelrechten Rarität macht in einer Partei, die in zig Korruptionsskandale verstrickt ist.

Doch auch Núñez Feijóos weiße Weste hat bereits Flecken abbekommen, vor allem, als El País 2013 auf 1995 datierte Urlaubsfotos des damaligen Generaldirektors des galicischen Gesundheitssystems mit Marcial Dorado Baúlde auf dessen Jacht publizierte. Denn Baúlde war seither zu einem der Köpfe der galicischen Kokainkartelle aufgestiegen, die als Tor Europas für 80 Prozent des geschmuggelten kolumbianischen "Fariña" ("Mehl") in den 1990ern ein Vermögen scheffelten.

Núñez Feijóo ignorierte die Rücktrittsrufe, die auf diese Veröffentlichung folgten: Er habe nichts von Baúldes illegalen Tätigkeiten gewusst und habe den Kontakt abgebrochen, als er davon erfahren habe, rechtfertigte er den Jacht-Trip. 2015 wurde Baúlde nochmals zu sechs Jahren Haft und 21 Millionen Euro Strafe wegen Geldwäsche aus dem Drogenhandel verurteilt.

Entgegen dem Gros seiner traditionellen PP-Parteikollegen ist der begeisterte Läufer Núñez Feijóo unverheiratet; er lebt in einer Beziehung mit Zara-Home-Chefin Eva María de Cárdenas Botas. Das Paar erwartet für Anfang 2017 das erste Kind. Der Vater in spe hat angekündigt, die Legislaturperiode in Galicien bis 2020 vollenden zu wollen. (Jan Marot, 26.9.2016)

  • PP-Chef Alberto Núñez Feijóo konnte in Galicien die Absolute verteidigen.
    foto: reuters/miguel vidal

    PP-Chef Alberto Núñez Feijóo konnte in Galicien die Absolute verteidigen.

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