"Arbeit auf Abruf" in Österreich illegal

26. September 2016, 17:34
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1,9 Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland bei Bedarf des Arbeitgebers, in Österreich ist diese Form illegal

Wien – KAPOVAZ hört sich an wie ein Unwort, und das ist es laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) auch. Die sieben Buchstaben stehen für "Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit", was nichts anderes meint als Arbeiten auf Abruf. In der Praxis werden Beschäftigte also nur bei Bedarf eingesetzt – die übrige Zeit sitzen sie auf Abruf zu Hause. Die Zeit zwischen den Arbeitseinsätzen gilt als Freizeit und ist unbezahlt.

Ein Zustand, der dem DGB aufstößt. Immerhin arbeiten in Deutschland einem Bericht zufolge 1,9 Millionen Menschen unter genau diesen Verhältnissen, vor allem in der Gastronomie, berichtet die Saarbrücker Zeitung. Diese beruft sich auf eine Untersuchung des DGB. Laut Bericht würden viele dieser Beschäftigungsverhältnisse arbeitsrechtliche Standards unterlaufen. Die Betriebe verlagerten mit solchen Modellen das wirtschaftliche Risiko ausschließlich auf die Beschäftigten und könnten sich zudem der Entgeltfortzahlung bei Krankheit und Urlaub relativ leicht entziehen, "indem sie die Arbeit an diesen Tagen einfach nicht abrufen", heißt es in der Untersuchung. Der DGB fordert gerade bei Teilzeit verlässliche und planbare Arbeitszeiten und Schutz vor einseitiger betriebsbedingter Flexibilisierung.

In Österreich ist Arbeit auf Abruf illegal, was nicht heißt, dass es nicht vorkommt. Rechtlich sieht die Sache indes eindeutig aus. Im Jahr 2000 klagte eine junge Frau, nachdem das Arbeitsverhältnis beendet worden war, Peek & Cloppenburg gegen die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit (auf Abruf). 2004 gab ihr der OGH recht, da das Ausmaß der Arbeitszeit nicht im Vertrag festgelegt war, so Doris Lutz, Arbeitsrechtsexpertin der Arbeiterkammer. Sorgen bereitet allerdings das zunehmende Unterlaufen des Arbeitszeitregimes, zum einen durch die verschärfte Ausrichtung nach selbstständiger Tätigkeit (EPUs), zum anderen durch "neue" Arbeitsformen wie Crowdworking. (ch, 26.9.2016)

  • In Österreich ist Arbeit auf Abruf illegal. Probiert wurde es dennoch schon – zum Beispiel von der niederländisch-deutschen Bekleidungsmarktkette Peek & Cloppenburg.
    foto: apa/berg

    In Österreich ist Arbeit auf Abruf illegal. Probiert wurde es dennoch schon – zum Beispiel von der niederländisch-deutschen Bekleidungsmarktkette Peek & Cloppenburg.

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