Wie die Katzen die Welt eroberten

26. September 2016, 17:54
87 Postings

Die bisher umfassendsten DNA-Analysen zeigen, dass es zwei Ausbreitungswellen der Katze gegeben hat

Oxford/Wien – Im Internet könnte ihre beste Zeit angeblich bald vorbei sein: Katzen, von Beginn an die unangefochtene Nummer eins unter den Online-Haustieren, könnte in Zukunft angeblich von Hunden der Rang abgelaufen werden. Dass wir im 21. Jahrhundert auch im Netz nicht auf unsere Lieblingsvierbeinerspezies verzichten wollen, liegt vermutlich auch daran, dass wir schon ziemlich lange mit ihnen zusammenleben – und nicht nur die Tiere auf uns, sondern natürlich auch wir auf die Tiere "geprägt" wurden.

Hat die Forschung in den letzten Jahren bei den Hunden große Fortschritte gemacht, um den Zeitrahmen und die Orte der ersten Domestikationen auch mittels Genanalysen herauszufinden, so hinkte dieses Wissen bei den Katzen aufgrund schlechterer Finanzierungslage etwas nach. Doch eine neue Studie, die bei einer Fachtagung an der Uni Oxford präsentiert wurde, bringt nun Licht in die lange Hauskatzengeschichte.

Hauptautorin der neuen, noch unveröffentlichten Untersuchung ist die Evolutionsgenetikerin Eva-Maria Geigl (Institut Jacques Monod in Paris), die mit ihrem Team das Erbgut von mehr als 200 Katzen sequenzierte, die vor 15.000 Jahren bis ins 18. Jahrhundert in verschiedenen Regionen Europas, Asiens und Afrikas lebten.

Immer den Mäusen nach

Wie Geigl bei der siebenten Fachtagung für biomolekulare Archäologie ausführte, dürften die Katzen die Welt in zwei Schüben erobert haben. Zum ersten breiteten sich Wildkatzen aus dem Nahen Osten vor etwa 9500 Jahren mit den frühen bäuerlichen Gemeinschaften bis in den östlichen Mittelmeerraum aus.

Die Studienautoren vermuten laut einem Bericht von "Nature News", dass die Getreidevorräte der frühen Bauern Nagetiere anlockten und diese wiederum Wildkatzen. Und bald hatten dann auch die Menschen begriffen, dass die Gesellschaft der Katzen durchaus vorteilhaft ist, und begannen mit der Zähmung der Tiere.

Eine zweite Verbreitungswelle gab es dann einige Tausend Jahre später: Vor etwas mehr als 2000 Jahren gelangten Katzen aus Ägypten nach Eurasien und Afrika, wie Analysen der mitochondrialen DNA unter anderem von Katzenmumien vermuten lassen. Deren genetische Merkmale fanden sich nämlich auch in etwa gleich alten Katzenknochen aus Bulgarien, der Türkei und in Afrika südlich der Sahara.

Der Grund dafür dürfte sein, dass auch Seefahrer Katzen hielten. Geigl und ihr Team machten dabei eine etwas überraschende Entdeckung: Katzenüberreste mit der ägyptischen Abstammungslinie fanden sich auch in Wikingerstätten im Norden Deutschlands, die etwas mehr als 1000 Jahre alt sind. Auch die Wikinger wussten also Katzen zu schätzen. (tasch, 27.9.2016)

  • Ziel erreicht: Katzen haben sich längst rund um den Globus und auch im Internet mit Erfolg ausgebreitet.
    foto: heribert corn

    Ziel erreicht: Katzen haben sich längst rund um den Globus und auch im Internet mit Erfolg ausgebreitet.

Share if you care.