Wende bei Neuordnung der griechischen Medienwelt

26. September 2016, 17:14
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Geschäftsmann verzichtet auf ihm zugebilligte Fernsehbilanz

Athen – Nach der Begrenzung der landesweit sendeberechtigten Fernsehkanäle durch die griechische Regierung hat einer der vier Meistbietenden am Montag den Verzicht auf die ihm zugebilligte Lizenz angekündigt. Die Regierung hatte es kurz zuvor abgelehnt, dem als regierungsnah geltenden Geschäftsmann Giannis Kalogritsas eine Fristverlängerung einzuräumen.

Der Geschäftsmann hätte mit Fristende eine ersten Tranche in Höhe von 18 Millionen Euro zahlen müssen. Die drei anderen Lizenznehmer hatten die vorgesehenen Beträge nach dem Bieterverfahren Anfang des Monats fristgerecht überwiesen. Kalogritsas warf seinen Mitbietern und der Opposition in einer Erklärung "Kannibalismus" vor.

Nähe zu Alexis Tsipras

Regierungskritische Medien und Oppositionsparteien beschuldigen Kalogritsas seit Wochen, die Lizenz nur wegen seiner Nähe zur Regierung von Alexis Tsipras erhalten zu haben und die erforderlichen finanziellen und steuerlichen Bedingungen nicht zu erfüllen. Die Banken wollten Kalogritsas daraufhin nicht unter die Arme greifen.

Für Kalogritsas rückt nun der auf Platz fünf der Höchstbietenden liegende russisch-griechische Unternehmer Ivan Savvidis nach, dem unter anderem Thessalonikis Fußballklub Paok gehört.

Umstrittene Lizenzvergabe

Die Lizenzvergabe ist seit Wochen umstritten, zumal sie wegen der Schließung vieler Fernsehsender mit der Streichung Hunderter Arbeitsplätze verbunden ist. Nur für zwei der derzeit acht Privatsender, Skai und Antenna TV (Ant1), wurde die Lizenz erneuert. Sie befinden sich im Besitz zweier rechtsgerichteter Reeder. Der dritte im Bunde ist Evangelos Marinakis, Reeder und Präsident des Fußballvereins Olympiakos Piräus, dem die griechische Justiz mafiöse Machenschaften zur Last legt.

Die Versteigerung der zehnjährigen Lizenzen soll der Regierung mehr als 240 Millionen Euro einbringen. (APA, AFP, 26.9.2016)

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