Tötungsprozess: Außerordentliche Milde für die Domina

26. September 2016, 14:17
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Eine 29-jährige soll einen Mann auf dessen Wunsch stranguliert haben. Die Sexualpraktik endete zur Verzweiflung der Frau tödlich

Wien – Herr R. hatte eine sexuelle Fantasie: Eine junge Frau sollte ihn bis zur Bewusstlosigkeit würgen. Mit Pamela F. wollte er die Vorstellung verwirklichen. Nun ist R. seit über einem Jahr tot, und die 29-Jährige sitzt mit einer Anklage wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Nina Steindl.

Der Fall ist diffizil. Die Prostituierte bot im Internet auch "Atemreduktion" an, der Kunde kontaktierte die zierliche Frau, die sich zunächst nicht schuldig bekennt. Man traf sich vor einem Hotel und besprach den Ablauf.

Opfer sagte, er sei "Profi"

"Er hat gesagt, dass er ein Profi ist und das schon 40-, 50-mal allein und mit anderen gemacht hat", erzählt die Angeklagte mit bebender Stimme. "Er hat mir auch beschrieben, wie seine Reaktion sein wird und dass ich nicht in Panik verfallen soll." Da sie mit der Praktik keine Erfahrung hatte, ließ sie R. zuvor noch ein Schreiben signieren, dass er sich im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte des Risikos bewusst sei.

Als das Paar ins Hotelzimmer kam, hatte der Freier schon alles vorbereitet: An der Garderobenstange war ein Kletterseil befestigt, das in einer Schlinge endete. Der Versuch scheiterte – R. verlor nicht das Bewusstsein.

"Er hat mir nachher eine Nachricht geschickt, dass ihn meine Schönheit so abgelenkt habe. Aber nachdem ich gegangen sei, habe er es selbst nochmals probiert und sei zwei Stunden weg gewesen", erinnert sich die wegen eines Drogendelikts Vorbestrafte.

Zweiter Versuch am nächsten Abend

Man vereinbarte für den nächsten Abend einen neuen Anlauf. Diesmal wollte R., dass ihn F. zusätzlich mit einem Schuhband würgen sollte, bis er bewusstlos sei. Er schlang sich Paketklebeband um Mund und Hals, legte den Kopf in die von ihm hergestellte Schlinge des Kletterseils, F. begann ihn zu strangulieren.

"Dann ist er selbst in die Knie gegangen und hat sich in die Schlinge fallen lassen. Ich habe noch ein paar Sekunden zugezogen", schluchzt sie. R. habe gezuckt und sei Blau im Gesicht geworden. "Ich bin natürlich panisch geworden, aber er hat ja gesagt, dass das normal sei."

Also folgte sie seinen Anweisungen und verließ das Zimmer. "Ich habe ihm vertraut, dass ein erwachsener Mann nicht sein Leben gefährdet!" Vorsitzende Steindl bohrt nach, ob sie nicht doch zugeben wolle, dass sie für die Bewusstlosigkeit verantwortlich sei. Nach kurzer Beratung mit Verteidiger Martin Mahrer bekennt sich F. dazu schuldig.

Rezeptionisten reagierten nicht

Da sich der Kunde nicht, wie vereinbart, meldete, bekam es die Angeklagte mit der Angst zu tun. Mit einer Freundin fuhr sie zurück ins Hotel, niemand öffnete die Zimmertür. An der Rezeption erklärte sie das Problem, die Reaktion dort: "Wenn er tot ist, werden wir ihn morgen schon finden." Also ging sie zur Polizei, die schließlich das Opfer fand.

Der medizinische Sachverständige Christian Reiter referiert, dass der Mann das Bewusstsein wegen einer minutenlangen Strangulation verloren haben müsse. Nach vier bis fünf Minuten trete dann der Hirntod ein – dafür sei aber auch die Seilschlinge verantwortlich.

Der Senat braucht nicht sehr lange für die Urteilsfindung. An sich beträgt der Strafrahmen fünf bis zehn Jahre. In diesem Fall macht man aber, nicht rechtskräftig, vom außerordentlichen Milderungsrecht Gebrauch und entscheidet sich für zwei Jahre bedingter Haft. Die Angeklagte bedankt sich erleichtert – als Domina ist sie nicht mehr tätig. (Michael Möseneder, 26.9.2016)

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