Sennheiser MB 660 im Test: Exzellente Alleskönner-Kopfhörer

1. Oktober 2016, 10:44
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Drahtlose Noise-Canceling-Kopfhörer mit einigen Features, hohem Preis und kaum Mängel

Blickt man nicht lange zurück, hat sich seit der Erfindung des Kopfhörers über einen längeren Zeitraum nur wenig getan. In den vergangenen Jahren fingen dann immer mehr Hersteller an, die neuen technischen Rahmenbedingungen für Experimente zu nutzen. Noise-Canceling und drahtlose Musikübertragung sind wohl die Höhepunkte der Errungenschaften. Der deutsche Hersteller Sennheiser hat mit dem MB 660 nun ein Produkt entwickelt, das in Puncto Form an traditionelle Kopfhörer erinnert, unter der Haube allerdings allerlei Überraschungen mit sich bringt. Der WebStandard konnte die MB 660 bei einem Event von Sennheiser Communications im dänischen Ballerup testen.

Von überall aus in Ruhe arbeiten

Primär sollen sich die neuen Kopfhörer von Sennheiser an Großraumbüro-Leidtragende beziehungsweise Knowledge Worker richten, die von überall aus arbeiten. Im Office oder unterwegs ist man allerdings mit allerlei Störgeräuschen konfrontiert, die ablenken oder aus dem Fokus reißen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat etwa vorgerechnet, dass in Großraumbüros durchschnittlich 60-65 Dezibel herrschen. Auf einer belebten Straße sind es etwa 80 Dezibel, man kann sich also vorstellen, welche Auswirkungen dies auf die Produktivität hat. Um dem entgegenzusteuern hat Sennheiser die MB 660 mit passivem und aktivem Noise-Cancelling ausgerüstet.

daniel koller/derstandard.at
Die Kopfhörer werden in einer Tasche mit all den Kabeln und Adaptern und einer Anleitung geliefert.

Ohrenöffnendes Noise-Canceling

Die Kopfhörermuscheln wurde dabei so konzipiert, dass hohe Frequenzen nicht durchtreten, während die verbaute Technik mittels aktivem Noise-Cancelling versucht, die tiefen Frequenzen abzufangen. Der Kopfhörer leistet hierbei tatsächlich beeindruckende Arbeit – ob im Flieger, im Zug oder im mittels Lautsprecher simulierten Großraumbüro, überall wird man perfekt abgeschirmt und nur wenige bis keine Geräusche dringen durch. Aktiviert man die aktive Geräuschunterdrückung zum ersten Mal, stellt sich sofort ein gewisser Wow-Effekt ein, gefolgt von einem etwas ungewohnten Druck-Gefühl. Dieses legt sich in der Regel nach wenigen Minuten, man gewöhnt sich also recht schnell daran.

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Dabei sind ein USB-Dongle, ein Klinke-Kabel mit Inline-Fernbedienung, ein MicroUSB-Kabel sowie ein Stecker für den Flieger.

Per Knopfdruck zuhören

Sennheiser betont zudem, dass es sich bei der Funktion um eine adaptive Geräuschunterdrückung handelt. Mittels eigener App kann jederzeit festgelegt werden, wie stark das aktive Noise-Canceling entgegensteuern soll. Durch zweifaches Finger-Tippen auf das Touchpad auf der rechten Ohrmuschel lässt sich zudem die Geräuschunterdrückung kurzzeitig deaktivieren und die verbauten Mikrofone bringen den Sound in der Umgebung verstärkt durch. Dies hat insofern Sinn, wenn man beispielsweise angesprochen wird oder einer Durchsage im Flieger lauschen möchte. Wird das Touchpad erneut zweimal betätigt, hat man dann auch wieder seine Ruhe.

Touchpad, drahtlos und NFC

Über das Touchpad auf der rechten Ohrmuschel lässt sich ferner die Musik und die Lautstärke steuern oder Telefonate annehmen beziehungsweise ablehnen. Auch hier gab es im Test keinerlei Probleme, vielmehr wurden die Eingaben in fast allen Fällen registriert und danach gehandelt. Hinter der linken Ohrmuschel verbirgt sich ein NFC-Chip, der ein schnelles Pairing mit Android-Geräten zulässt. Beim Pairing über Bluetooth mit iOS-Geräten traten im Test ebenso keinerlei Mängel auf. Über ein mitgeliefertes USB-Dongle kann zudem eine Verbindung mit Mac oder PC hergestellt werden. Das funktionierte ebenso problemlos. Erwähnenswert ist auch, dass mehrere Geräte gleichzeitig mit dem Kopfhörer verbunden sein können.

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Auf der rechten Seite der Kopfhörer findet sich das Touchpad, um Musik und Lautstärke zu steuern. Auf der linken Seite ein NFC-Modul, das ein schnelles Pairing mit Android-Geräten erlaubt.

Drei Mikrofone statt einem

Wie anfangs erwähnt, wurden die MB 660 primär für den Business-Bereich geschaffen. Daher hat man tief in die Trickkiste gegriffen, um auf ein externes Mikrofon zu verzichten, da dieses laut Sennheiser zu sehr an ein Gaming-Headset erinnert hätte. Deshalb wurden drei Mikrofone verbaut, die wie ein Teleskop genau auf den Mund des Trägers gerichtet sind. Der Vorteil daran ist, dass bei Gesprächen in lauterer Umgebung keine Störgeräusche durchkommen. Auch dies erwies sich im Test als kein leeres Versprechen – in der U-Bahn und am Flughafen wurden die Kopfhörer mittels Skype-Telefonat getestet und von der Gesprächsperson mehrmals bestätigt, dass bis auf die Stimme keine Nebengeräusche vernommen wurden.

(Drahtlose) Soundqualität

Zuletzt ist natürlich auch die Soundqualität bei derartigen Kopfhörern essentiell. Und auch hier ergibt sich ein sehr gutes Bild. Die MB 660 liefern einen sehr stimmigen neutralen Klang, bei dem die Mitten und Höhen präsent, aber nicht zu dominant sind. Wer basslastige Kopfhörer sucht, wird mit diesen allerdings wohl weniger glücklich werden – selbst nach Korrektur durch einen Equalizer. Insgesamt kann dem MB660 auch hier nur Lob gezollt werden, da drahtlose Kopfhörer in der Regel bisher nicht an den guten Klang von Premium-Kopfhörern herankamen. Allen Kabel-Traditionalisten wurde übrigens ein Kabel beigelegt, mit Inline-Fernsteuerung.

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Die Kopfhörer sind angenehm zu tragen, auch nach mehreren Stunden.

Tragekomfort und smarter Bügel

Es sind auch die Details, auf die Sennheiser beim MB 660 geachtet hat. Versprochen werden etwa 30 Stunden drahtloser Nutzung. Um dies auch tatsächlich zu erreichen, schalten sich die Kopfhörer nach einer gewissen Zeit ohne Nutzung von selbst aus. Sofort abschalten kann man die MB 660, indem die Bügel zusammengeklappt werden – eine nette Funktion, die in der Praxis makellos funktionierte. Sennheiser hat bei dem Kopfhörer auch auf Tragekomfort geachtet und mit neuen Materialen experimentiert – auch hier kann man nur sagen, dass sich die vielen Versuche in der zweijährigen Entwicklungsphase ausgezahlt haben. Die Kopfhörer sind sehr angenehm zu tragen, selbst nach mehreren Stunden.

Hoher Preis und Kunststoff

Einziger Kritikpunkt an den MB 660 ist das gewählte Material der Ohrmuscheln. Diese sind wie auch die Verbindung zwischen Bügel und Muschel aus Kunststoff. Hintergrund für diese Materialwahl war das Gewicht der Kopfhörer. Die viele Technik musste irgendwie verbaut werden und um den Tragekomfort nicht zu schmälern, wurde Kunststoff gewählt. Die Kopfhörer fühlen sich dadurch nicht so hochwertig an, wie man es von einem Premium-Produkt erwarten könnte. Zudem ergibt die Kunststoff-Verbindung zwischen Ohrmuschel und Bügel eine mögliche Bruchstelle – Sennheiser räumt hier allerdings eine Garantie von zwei Jahren ein, trotzdem verbleibt ein etwas übler Beigeschmack bei einem hohen Preis von 449 Euro.

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Die Kopfhörer lassen sich über die Bügel ein- und wieder ausschalten.

Fazit

Insgesamt liefert Sennheiser mit den MB 660 eine nicht billige eierlegende Wollmilchsau, die in vielerlei Hinsicht brilliert und kaum Schwächen zeigt. Die Soundqualität ist ausgesprochen gut, das Noise-Canceling begeistert und die drei verbauten Mikrofone verblüffen. Einzig der hohe Preis und das verwendete Material für die Ohrmuscheln lässt zu wünschen übrig – insgesamt hat Sennheiser hier allerdings einen exzellenten Allrounder-Kopfhörer herausgebracht, der nicht nur Business-Kunden ansprechen wird. (Daniel Koller, 01.10.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reise nach Ballerup erfolgte auf Einladung von Sennheiser Communications.

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