User-Wertung: "Tschick" – eine gelungene Romanverfilmung?

Umfrage26. September 2016, 14:19
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Fatih Akin hat Wolfgang Herrndorfs Erfolgsroman "Tschick" für das Kino adaptiert. Das Kritikerecho ist positiv, wie aber hat Ihnen der Film gefallen?

Als Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick" 2010 erschien, waren die Kritiker begeistert. Ein Jugendroman, der es schaffe, mit der Sprache junger Menschen zu arbeiten, ohne peinlich oder voyeuristisch zu werden, urteilte damals die "Zeit". Die Geschichte um den 14-jährigen Maik, der an seinem Außenseitertum und einer dysfunktionalen Familie leidet, und den Klassenneuling Tschick, Sohn russischer Spätauswanderer, der nicht immer nüchtern zur Schule erscheint. Als gegen Ende des Schuljahrs für beide die Situation immer trister wird, hauen sie mit einem von Tschick gestohlenen Auto einfach ab.

Fatih Akin hat den literarische Roadtrip nun verfilmt. Mit Tristan Göbel als Maik Klingenberg und dem Filmdebütanten Anand Batbileg als Andrej Tschichatschow alias Tschick versucht der Hamburger Regisseur die gefeierte Romanvorlage des 2013 verstorbenen Herrndorf auf die Leinwand zu bannen. Und folgt man den Rezensionen, ist dies gelungen.

Das sagen die Kritiken

Das Glücken einer Literaturverfilmung, so DER STANDARD, hinge zuvorderst von der Besetzung ab. Vor allem Batbileg wird hier lobend hervorgehoben. Er spiele das Kind, "das aus einer Welt kommt, die mit dem Leben schon abgeschlossen hat", überzeugend und differenziert. Die große Gefahr des Projekt, so heißt es weiter, sei gewesen, satirisch zu wirken. Der Film solle sich weder über dämliche Polizisten noch über die Ökofamilie lustig machen, um wirkungsvoll eine Befreiungsgeschichte zu erzählen. Und genau das vermeidet "Tschick" nach Meinung der Kritik auch. Es sei das Ernstnehmen der einzelnen Figuren, mit dem Akin dem "weltoffenen Geist der Vorlage" treu bleibe. Was Akin noch hinzugefügt habe, sei der Soundtrack, der das Gefühl der Ausreißer auch musikalisch transportiere, auch wenn einzelne Lieder wohl kaum zum Musikrepertoire 14-Jähriger gehören würden.

Ähnlich angetan zeigt man sich in der "Presse": Auch hier wird die Darstellung der jugendlichen Schauspieler gelobt. Auch ohne dramatische Zuspitzung könne man den beiden ewig beim Dahinfahren auf der Straße zuschauen, bei allen banalen Kleinigkeiten, die ein ungeplanter Roadtrip mit sich bringt. Die Intention von Buch wie auch Film sei, zu sagen: "Die Prüfung ist nicht leicht, sie ist nicht ungefährlich, aber sie ist machbar." Am Ende, so schließt die Kritik, sei vielleicht nicht alles gut: "Aber das wird es ja, wenn man erwachsen ist, auch nicht."

Was sagen Sie?

Wie hat Ihnen "Tschick" gefallen? Welche Szene ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? Können Sie die Kritikermeinungen nachvollziehen, oder haben Sie eine ganz andere Sichtweise auf den Film? Haben Sie auch das Buch gelesen, und wenn ja, wie überzeugend finden Sie die visuelle Umsetzung? (jmy, 15.8.2016)

  • Wild at Heart.
    foto: constantin film

    Wild at Heart.

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