Kinderuni: Wie Motivation entsteht

28. September 2016, 11:42
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Manche Dinge gelingen ohne Anstrengung. Beim Hausaufgabenmachen geht ohne Motivation oft gar nichts. Aber wie entsteht sie?

Frage: Woran liegt es, dass wir uns zu manchen Aufgaben so schwer aufraffen können?

Antwort: Bei vielen, gerade mühsamen Aufgaben gibt es einen inneren Schweinehund, sagt Gerhard Furtmüller, Motivationsforscher an der Wirtschaftsuniversität Wien. Kein Wunder! Wer findet es nicht weniger anstrengend, seine Lieblingsserie anzuschauen, als ein dickes, vielleicht sogar kompliziertes Buch von einem berühmten Schriftsteller zu lesen?

Sich auch für schwierige Aufgaben aufzuraffen zahlt sich jedoch aus, sagt Furtmüller. Nur so können wir große Ziele erreichen. Wie die nötige Motivation entsteht, hat der Experte in einem Experiment mit Studierenden untersucht.

Frage: Was hat er dabei herausgefunden?

Antwort: Dass bereits kleine Anreize der Motivation helfen können. Das kann heißen, sich mit Musikhören oder einer kleinen Süßigkeit fürs Hausaufgabenmachen zu belohnen. Oder für eine gute Leistung in der Schule eine gute Note oder ein Mitarbeitsplus zu bekommen. Es kann auch eine Belohnung sein, die neugelernten Englisch-Vokabeln beim nächsten Urlaub plötzlich verwenden zu können.

Manchmal braucht es aber gar keine Anreize von außen – und Motivation entsteht ganz von allein. Hat man beispielsweise ein englisches Lieblingslied, kann es sehr viel Spaß machen, den Text zu übersetzen und auswendig zu lernen. (Lisa Breit, 28.9.2016)

foto: heribert corn
Süßigkeiten gegen das Motivationstief? Manchmal verschwindet es auch ganz von alleine – wenn der Lernstoff interessant ist.

Tipps für Erwachsene:

Lehrern und Eltern, die die Motivation der Kinder steigern wollen, gibt Petra Wagner, Professorin für Psychologie an der Fachhochschule Oberösterreich, folgende Tipps:

• Wichtig ist, dass Schüler und Schülerinnen sich als kompetent wahrnehmen. Das tun sie dann, wenn sie eine positive Rückmeldung zu ihrer erbrachten Leistung erhalten. Bereits kleine Lernfortschritte sollten gewürdigt werden, während negative Rückmeldungen, wie Tadel oder Vorwürfe nicht zur Motivation beitragen.

• Wenn Schüler und Schülerinnen sich als sozial eingebunden sehen, steigert das ebenfalls die Motivation. Förderlich sind Kleingruppen – und wenn Lehrer zeigen, dass sie an den Lernfortschritten interessiert sind. Das tun sie etwa, indem sie die Kinder und Jugendliche beim selbstbestimmten Lernen unterstützen.

Info:

Die STANDARD-Kinderuni findet in Kooperation mit Ö1 und kinderuni.at statt. Die letzte Ö1-Kinderuni am Sonntag widmete sich dem Thema "Wie entsteht Motivation? Über Antrieb und Rückenwind." und ist bis Sonntag online nachzuhören. In der nächsten STANDARD-Kinderuni geht es um die "Namibische Schwefelperle", den Blauwal unter den Bakterien.

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